Kommentar zum Störfall in der TI

Wagenburg-Mentalität statt Offenheit

In den zweieinhalb Wochen seit Beginn des Störfalls in der Telematikinfrastruktur hat die gematik an Transparenz vermissen lassen. Vertrauen entsteht so nicht.

Hauke GerlofVon Hauke Gerlof Veröffentlicht:

Nein, mit Ruhm hat sich die gematik in den vergangenen zwei Wochen nicht bekleckert. Der Störfall in der Telematikinfrastruktur (TI) hat deren Betreibergesellschaft kalt erwischt. Das kann passieren, auch wenn es natürlich nicht passieren sollte – erst recht nicht, wenn es dann in einigen Monaten um die Übertragung von Patientendaten geht – Stichwort E-Medikationsplan und E-Akte.

Schlimmer ist, dass die Gesellschaft nicht vermocht hat, plausibel und transparent zu erklären, wie es zu diesem Fehler kommen konnte, der jetzt immerhin 80.000 Arzt- und Zahnarztpraxen einige Arbeit kostet. Und wenn die Praxisinhaber sich nicht noch diesen Monat darum kümmern, dürfte der Aufwand dafür noch höher werden, weil die Konnektoren dann laut gematik neu konfiguriert werden müssten.

Niemand hat Schuld?

Die Anwender, die Softwarehäuser, die VPN-Zugangsdienste, die gematik – keiner ist nach den Verlautbarungen der Gesellschaft schuld an den Problemen. Aber kein Wort dazu, wie es zu dem „Konfigurationsfehler“ kommen konnte und wie man solche Pannen in Zukunft zu vermeiden gedenkt.

Auch in der Frage der Kostenübernahme hat es der gematik lange an Klarheit gefehlt. Am Ende sollten die Anwender durch den Vertrag mit dem VPN-Zugangsdienst und über die Wartungsgebühren, die sie zahlen – und die ihnen von den Krankenkassen erstattet werden – einen Anspruch darauf haben, dass der Anschluss an die TI funktioniert. Daher soll es keine Rechnung für die Hilfe beim Update geben. Ob die Dienstleister dann auf den Kosten sitzen bleiben oder sich am Verursacher der Probleme schadlos halten können, wird sich zeigen.

Das muss die Ärzte letztlich nicht kümmern. Am Ende sollten die Verantwortlichen in Berlin, sollte auch das Bundesgesundheitsministerium als Mehrheitseigner aus dem Chaos lernen, dass Wagenburg-Mentalität bei Störungen nicht weiterhilft.

Vertrauen entsteht nur durch Offenheit. Und nichts ist so wichtig wie Vertrauen, wenn es um das Herzstück der Digitalisierung des Gesundheitswesens in Deutschland geht.

Schreiben Sie dem Autor: hauke.gerlof@springer.com

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