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Wann kommt das Starbucks des Gesundheitssystems?

Immer wieder werden Studien über das Gesundheitssystem 2020 verfasst und diskutiert. Aber mit denen, die das System dann gestalten werden, spricht kaum jemand. Dabei haben viele Medizinstudenten durchaus originelle Ideen.

Hauke GerlofVon Hauke Gerlof Veröffentlicht:
Die Stipendiaten im Programm Medical Excellence 2009.

Die Stipendiaten im Programm Medical Excellence 2009.

© Foto: www.picture-for-you.de

WIESLOCH. Wie wäre es mit einem neuen Berufsbild? Könnte nicht ein Health-Manager die Patienten durchs Gesundheitssystem lotsen? Das wäre doch ein gutes Betätigungsfeld für Bachelor-Absolventen der Medizin in Zukunft. Aber was würde dann aus dem Hausarzt?

Gedankenspiele beim Assessment-Center zur Vergabe der Stipendien im Programm Medical Excellence des Finanz- und Vermögensberaters MLP. Dort standen gleich mehrere Punkte auf dem Programm, bei denen sich die Kandidaten mit der Zukunft ihres Berufsbildes beschäftigten. Dazu gehörte auch die Komposition eines Posters in Gruppenarbeit mit Ideen für das Gesundheitssystem im Jahr 2020.

Dabei zeigte sich, dass die aktuellen Diskussionen über die Reform des Gesundheitswesens sehr wach von den zukünftigen Ärzten wahrgenommen werden. Viele Poster zu Themen wie Prävention zur Vermeidung chronischer Erkrankungen und zu neuen Kooperationsformen entstanden in Wiesloch. Die Ökonomisierung des Gesundheitswesens trieb eine Gruppe auf die Spitze, die die Idee einer Franchise-Kette entwickelte, "ein Starbucks fürs Gesundheitswesen".

Die Ärzte wären in solchen vom QM-System bis zur letzten Schublade im Behandlungszimmer standardisierten Gesundheitszentren angestellt, wie auch alle anderen Mitarbeiter. Die Zahl der Standorte ließe sich - wenn die Nachfrage stimmt - beliebig steigern. Eine Vision mit Realisierungschancen? Eher ein Schreckbild für die heute praktizierenden Ärzte.

Doch schon die Gegenwart wird von vielen Ärzten offenbar nicht als angenehm empfunden. "Ältere Ärzte sind eine wichtige Informationsquelle für uns, und die jammern alle", sagte Stipendiat Christian Klemann bei der Diskussion im Anschluss an das Assessment-Center. Die Meckerkultur, die gegenwärtig bei Ärzten herrsche, sei keine gute Motivation für die Medizinstudenten, tatsächlich in den Arztberuf zu gehen.

Dass sich im Berufsbild Arzt aber auch einiges zum Positiven verändert, betonte Irmtraut Gürkan, Kaufmännische Direktorin der Uniklinik in Heidelberg. Gürkan: "Die Flexibilität der Arbeitszeit wird immer wichtiger. Die Arbeitszeitbelastung, wie man sie als Arzt früher hingenommen hat, können wir uns als Arbeitgeber nicht mehr leisten, weil der Nachwuchs das nicht mehr will."

Immer noch sei das Geschlecht ein Risikofaktor für die Karriere, stellte Stipendiatin Claudia Bergstäßer fest, was auch von den männlichen Teilnehmern der Diskussion bestätigt wurde. Als Famulant werde man oft angesprochen auf eine Weiterbeschäftigung nach dem Studium. Dann heiße es oft: "Gerade Sie als Mann haben doch beste Aufstiegschancen."

Das werde sich aber ändern, prognostizierte Georg Linsenmayer von der Personalvermittlung Trenkwalder: "Immer mehr Kliniken, die Probleme haben, Ärzte zu bekommen, entwickeln neue Schichtmodelle oder schaffen Krippenplätze. Es wird eine Feminisierung geben."

15 Stipendien für Mediziner vergeben

Medical Excellence: Zwölf Humanmediziner und drei Zahnmediziner aus Deutschland haben jetzt je eines der 15 Stipendien im erstmals ausgeschriebenen Programm Medical Excellence des Finanz- und Vermögensberaters MLP bekommen. Sie haben dafür ein mehrstufiges Auswahlverfahren durchlaufen, an dem sich mehrere hundert Studenten aus klinischen Semestern beteiligt haben. Zuletzt gab es ein zweitägiges Assessment-Center in Wiesloch, am Sitz von MLP.

Der Preis: Die Stipendiaten bekommen jetzt drei Jahre lang je 500 Euro pro Semester. Alle 100 Studenten, die im Finale waren, werden auch in das Medical-Excellence-Netzwerk aufgenommen und können an Workshops und Vorträgen zur Vorbereitung auf das Berufsleben teilnehmen.

Die Kriterien: Die Stipendien wurden je zu einem Drittel vergeben für Leistungen im Studium und in der wissenschaftlichen Arbeit sowie für soziales Engagement. Die "Ärzte Zeitung" ist Medienpartner der Aktion.

Die Stipendiaten: Torben Becker, Claudia Bergsträßer, Henrik Holtmann, Martin Hümmert, Martin Jakobs, Pascal Johann, Fabian Kari, Christian Klemann, Susanne Liebhardt, Sivakkanan Loganathan, David Merschin, Severin Pinilla Isabela, Ingo Plagmann, Ludwig Schlemm und Moritz Toenne. (ger)

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