Geld und Vermögen

Wie Ärzte trotz Finanzkrise an Kredite kommen

In Sachen Kreditvergabe könnten Ärzte in Zukunft zu den Gewinnern zählen. Allerdings nur, wenn sie sich aufs Bankgespräch gut vorbereiten.

Von Rebekka Höhl Veröffentlicht: 21.01.2009, 05:00 Uhr
Wie Ärzte trotz Finanzkrise an Kredite kommen

Ärzte, die ihrem Bankberater einen kompletten Businessplan vorstellen, erhalten eher Geld.

© Foto: Siegfried Sperl/ddp

Eine Kreditklemme sei derzeit zwar nicht zu spüren, meldete die Bundesbank erst am Montag. Doch die Banken seien bei der Kreditvergabe an Unternehmen vorsichtiger geworden. Und dass die Banken in Zukunft ihre Kreditbestimmungen noch mehr verschärfen, davon geht die Medizin-Ökonomin und Rating-Analystin Ute Meyer aus Nürnberg aus. "Die Kreditkonditionen werden je nach Bonität des Antragstellers entsprechend teurer."

Ein Grund zur Panik ist das nicht. Denn Ute Meyer, die insbesondere Ratings im Medizinbereich durchführt, weiß, dass es bei Ärzten darauf ankommt, wie gut sie sich auf ihr Bankgespräch vorbereiten. Was sie - egal ob nun Praxisgründer oder alteingesessener Arzt - benötigen, ist ein Businessplan. Der sollte auch bei bereits niedergelassenen Ärzten einen Zeitraum von zwei Jahren umfassen. Denn ist die Finanzplanung nicht nachvollziehbar und kein Geschäftskonzept ersichtlich, könnte der Kreditantrag abgelehnt werden.

Dabei sollten folgende Punkte im Businessplan berücksichtigt werden:

  1. Executive Summary: Eine Zusammenfassung dessen, was die Praxis in Zukunft plant und des Status quo.
  2. Dienstleistung: Welches Leistungsspektrum bietet die Praxis?
  3. Markt und Wettbewerb: Wie sieht die Konkurrenz aus? Welches Patienten-Potenzial ist vorhanden?
  4. Marketing: Wie werden Patienten auf die Leistungen der Praxis aufmerksam gemacht?
  5. Geschäftsmodell: Welche Ziele setzt sich die Praxis? Welche Patientengruppen werden angesprochen?
  6. Praxisführung/Personal: Welches Fachwissen ist vorhanden? Wie wird die Praxis geführt? Gibt es ein QM?
  7. Realisierungsfahrplan: Was wird bis wann umgesetzt?
  8. Chancen und Risiken: Wo bestehen Möglichkeiten, Zusatzeinnahmen zu generieren? Wie kann sich die Praxis von der Konkurrenz abheben? Welchen Entwicklungen sollte die Praxis entgegenwirken?
  9. Finanzplanung:Welche kurz- und langfristigen liquiden Mittel werden benötigt? Was erwirtschaftet die Praxis? Hilfreich sind hier die neuen RLV.

Gut vorbereitet fürs bankinterne Rating

Das sollten Ärzte beachten, um beim bankinternen Rating eine optimale Bewertung zu erhalten:

  • Welche Unterlagen sind wann bei der Bank einzureichen?
  • Werden Zusatzinformationen benötigt und wenn ja, welche?
  • Wie beurteilt die Bank die Praxis mit den bankinternen Kennzahlen?
  • Werden die Bankkonten innerhalb der vereinbarten Kreditlinien geführt? Oder zeigt die Kontoführung eine problematische Entwicklung?
  • Existiert eine regelmäßige Liquiditätsüberwachung und wie hoch sind die dem Arzt monatlich nach Abzug aller Kosten zur Verfügung stehenden freien Mittel? (ggf. Rücksprache mit dem Steuerberater halten!)
  • Auf welche kritischen Fragen muss sich der Arzt insbesondere unter Berücksichtigung der gesundheitspolitischen Entwicklungen einstellen?
  • Werden Planungsunterlagen benötigt?

Quelle: Ute Meyer, HealthCare Consulting, Nürnberg

Lesen Sie dazu auch: Am Kredit-Scoring der Praxis lässt sich drehen

Mehr zum Thema

Platow-Empfehlung

Nemetschek überzeugt weiterhin

Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Newsletter bestellen »

Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte, Medizinstudenten, MFA und weitere Personengruppen viele Vorteile.

Die Anmeldung ist mit wenigen Klicks erledigt.

Jetzt anmelden / registrieren »

Top-Meldungen
COVID-19 und Krebs: völlig neue Fragestellungen

Virtueller ASCO

COVID-19 und Krebs: völlig neue Fragestellungen

Diabetiker sind gefährdeter für schweren COVID-19-Verlauf

Erhöhtes Risiko

Diabetiker sind gefährdeter für schweren COVID-19-Verlauf

Deutsche Hydroxychloroquin-Studien ausgesetzt

COVID-19

Deutsche Hydroxychloroquin-Studien ausgesetzt

Diese Website verwendet Cookies. Weitere Informationen zu Cookies und und insbesondere dazu, wie Sie deren Verwendung widersprechen können, finden Sie in unseren Datenschutzhinweisen.  Verstanden