Anlagen-Kolumne

Wird 2010 doch nicht das Jahr des Börsenaufschwungs?

Neues Jahr, neues Glück? Das gilt trotz derzeit guter Aktienwerte nur, wenn Anleger die Werte gezielt auswählen. Einen bleibenden Aufwärtstrend gibt es nicht.

Von Jens Ehrhardt Veröffentlicht:

Nach dem starken Aktienaufschwung der zurückliegenden neun Monate sehen viele Marktteilnehmer aus Trendgesichtspunkten das neue Börsenjahr positiv. Betrachtet man allerdings einen längeren Zeitraum, so fällt auf, dass wir uns an den meisten Aktienmärkten seit dem Jahre 2000 im Grunde nach wie vor in einem Abwärtstrend befinden.

Dies gilt insbesondere, wenn man die Entwicklung der Kurse real, also um die Inflationsentwicklung bereinigt, betrachtet. Tatsächlich waren die vergangenen zehn Jahre die zweitschlechteste Dekade der vergangenen 110 Jahre. Dabei muss man bedenken, dass die Erholung lediglich den massiven fiskalpolitischen (erhöhte Staatsausgaben, geringere Steuern) und geldpolitischen Aktionen (niedrige Zinsen und hohe Liquiditätsversorgung durch Notenbanken) zu verdanken war.

Die vergangenen zehn Jahre sind, was die Gründe für die Aktienbaisse (zu hohe Verschuldung) anbelangt, am ehesten vergleichbar mit den Dreißiger Jahren. Allerdings bauten die Amerikaner ihre Verschuldung zwischen 1929 und 1942 in allen Bereichen (Unternehmen, Konsumenten, Staat) massiv ab, sodass ab 1942, gestützt durch ein staatliches Mammut-Defizitprogramm, Konjunktur, Arbeitsplätze und Unternehmensgewinne nach oben schossen.

Regierungen erkaufen sich lediglich Zeit

Dieses Mal versuchen die Politiker, die Krise nicht durch eine gesunde Politik der Verschuldungsrückführung, sondern im Gegenteil durch eine Politik noch höherer Verschuldung zu bekämpfen. Im Grunde genommen erkaufen sich Regierungen und Notenbanken durch den Einsatz von unvorstellbaren Milliardensummen lediglich Zeit. Verbunden damit wird eine noch größere Verschuldungskrise im laufenden Jahrzehnt sein.

Breit angelegte fiskal- und geldpolitische Programme sind häufig durch zwei Charakteristika gekennzeichnet. Zum einen zielen sie darauf ab, vielen oder möglichst allen Wirtschaftssubjekten zugute zu kommen. Dem entsprechend entwickelten sich in den zurückliegenden Monaten international praktisch sämtliche Aktienkategorien gut.

Zum zweiten sind derartige Hilfsprogramme meist durch ihre zeitlich begrenzte Wirkung gekennzeichnet. Mit andern Worten ist damit zu rechnen, dass die Wirkung im Laufe des Jahres 2010 nachlässt, wenn die Programme nicht sogar zurückgefahren werden.

Chance-Risiko-Verhältnis wird wichtiger denn je

Entsprechend wird es für den Anleger - um sein Risiko zu minimieren - künftig wieder vermehrt darauf ankommen, diejenigen Aktienkategorien herauszufiltern, die ein überdurchschnittliches Chance-Risiko-Verhältnis aufweisen.

Auch künftig wird es gute selektive Möglichkeiten an den Aktienmärkten geben. Eine Fortsetzung der bisherigen Aufwärtsdynamik "auf breiter Front" an den Aktienmärkten ist jedoch unwahrscheinlich.

Mehr zum Thema

Platow Empfehlung

Fraport AG: Anschnallen um abzuheben?

Schlagworte
Kommentare

Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar verfassen zu können.
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Jetzt anmelden »Kostenlos registrieren »

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen
Die Bundestagsabgeordneten Lars Castellucci (SPD, v.l.), Kirsten Kappert-Gonther (Grüne), Benjamin Strasser (FDP), Ansgar Heveling (CDU) und Kathrin Vogler (Linke) stellen im Haus der Bundespressekonferenz einen Gesetzentwurf zur Suizidbeihilfe vor.

© Wolfgang Kumm/dpa

Fraktionsübergreifend

Neuer Gesetzentwurf zur Sterbehilfe präsentiert

Die Vakzine ComirnatyTextbaustein: Sonderzeichen/war von den Unternehmen BioNTech und Pfizer.

© SvenSimon / Frank Hoermann / picture alliance

Corona-Studien-Splitter

Dritte Corona-Impfdosis essenziell gegen Omikron