Telemedizin

Zur Visite erscheinen die Ärzte mit ihrem Laptop

Auf den Stationen der Medizinischen Klinik II in Hannover geht es flotter zu als früher: Direkt am Krankenbett können Ärzte während der Visite neue Untersuchungsbefunde einsehen und Röntgenaufnahmen anordnen. Laptops machen es möglich.

Von Christian BenekerChristian Beneker Veröffentlicht:
Der Digitalisierung gehört die Zukunft. Über ihre Laptops haben Klinikärzte direkten Zugriff auf die Laborbefunde und die Pflegekurve. i

Der Digitalisierung gehört die Zukunft. Über ihre Laptops haben Klinikärzte direkten Zugriff auf die Laborbefunde und die Pflegekurve. i

© Foto: Imago

HANNOVER. Laptops gegen Arbeitsstress: Anders als mit konsequenter Umstellung auf papierlose Krankenhausstationen ist den steigenden Patientenzahlen pro Arzt nicht beizukommen, meint Oberarzt Dr. Christian Dudel vom Oststadtkrankenhaus in Hannover.

Die Medizinische Klinik II ist die erste im Klinikverbund Klinikum Hannover mit seinen insgesamt 13 Häusern, auf der jeder Arzt mit Laptop zur Visite erscheint. "Die Zeitersparnis für Ärzte und Schwestern ist enorm", sagt Dudel zur "Ärzte Zeitung", "denn die Bearbeitung der Datenflut aus Zetteln und Notizen entfällt komplett." Das ist auch nötig.

Ein Assistenzarzt muss bis zu 20 Patienten behandeln

In früheren Jahren entfielen noch etwa zwölf Patienten auf einen Assistenzarzt, heute sind es 18 Patienten. "In Spitzenzeiten müssen die Kollegen auch 20 Patienten schaffen", erläutert Dudel. Früher habe man auf Station 50 bis 60 Prozent der Zeit mit Bürokratie verbracht, "heute liegen wir weit darunter", sagt der Internist. Die Liste der Fortschritte dieser Art ließe sich fortsetzen.

Grundlage der Beschleunigung ist die Digitalisierung aller Informationen auf Station. Im Oststadtkrankenhaus arbeitet man mit SAP. Per W-LAN sind alle Laptops direkt mit dem Krankenhausinformationssystem (KIS) verbunden. "Auch die Radiologie ist inzwischen komplett digitalisiert", berichtet Dudel, "für unsere 13 Häuser gibt es nur noch drei bis vier Dienst habende Radiologen, die im Schichtdienst alle Bilder aus den Häusern auswerten."

Mit Unterstützung eines vom Wissenschaftsministerium geförderten Projektes werden sämtliche Röntgenbilder im Krankenhaus digital erstellt und auf einem Zentralserver der Lufthansa in Frankfurt gespeichert. Sie sind jederzeit innerhalb von Sekunden abrufbar. "Am Krankenbett haben wir dann direkten Zugriff", so Dudel. Im Zweifel kann sich der Arzt sogar von zu Hause aus ins Intranet der Klinik einloggen.

Inzwischen gibt es pro Station sieben Laptops. Der Fahrplan für den weiteren Ausbau der Digitalisierung steht schon fest: Ab August werden auch die EKG-Ergebnisse direkt in die Datensätze eingefügt. Auch die Unterlagen, die die Patienten von ihren Haus- oder Fachärzten mitbringen sollen gescannt werden und den Unterlagen zugeführt werden.

Die jüngste Neuerung: "Statpap" - ein System, mit dessen Hilfe auch die Pflegekurve mit Hilfe von SAP digitalisiert wird und man in absehbarer Zeit ohne "Hardcopy" der Patientendaten auf Papier auskommen will. Noch arbeiten erst drei Ärzte mit im Statpap-Pilotprojekt. Dudel ist vom Nutzen überzeugt. "Wir haben 56 Patienten auf Station", sagt der Arzt, "in Zukunft kann ich per Knopfdruck feststellen, welche Werte bei welchem Patienten fehlen, viele Probleme lösen sich so von ganz alleine."

Die Liegezeit ist von elf auf sieben Tage gesunken

Auch die Patienten merken inzwischen, dass es flotter zugeht auf Station. "Wir können während der Visite die Laborbefunde und Untersuchungsbefunde der letzten Stunden zeitnah einsehen und direkt am Krankenbett die nötigen Anforderungen, etwa einer Röntgenaufnahme, schreiben, so Dudel, "wenn wir dann aus dem nächsten Zimmer herauskommen, sehen wir, wie der Patient von eben zum Röntgen gebracht wird." Die Mittlere Liegezeit auf der Station ist inzwischen von elf auf sieben Tage gesunken. Statpap arbeitet sogar mit einer Alarmfunktion: Wenn ein Patient überdurchschnittlich lange auf der Station liegt, funkt das System Mayday.

Die Digitalisierung stößt allerdings an ihre Grenzen, wenn das Know-how von Ärzten und Pflegern dem Galopp der Technik nicht mehr folgen kann. "Man muss hier schon IT-fit sein", sagt Dudel, "vor allem die älteren Kolleginnen und Kollegen bei Ärzten und Pflegern brauchen viel Support und Fingerspitzengefühl." Dass der Digitalisierung die Zukunft gehört, daran lässt der Kollege keinen Zweifel. Dudel: "Wir haben ökonomischen Druck."

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