Uniklinik Mannheim

Zwischen den Stühlen von Stadt und Land

Mehr Wissenschaft, klarere Verträge: Der Wissenschaftsrat hat der Universitätsmedizin zwar gute Noten für Forschung und Lehre ausgestellt - doch behindere die einmalige Konstellation zwischen Stadt Mannheim und dem Land die Entwicklung des Universitätsklinikums.

Von Ingeborg Bördlein Veröffentlicht:
Unimedizin Mannheim: Ein Systemfehler behindert die Entwicklung.

Unimedizin Mannheim: Ein Systemfehler behindert die Entwicklung.

© Frank May / dpa

MANNHEIM/STUTTGART. Gute Noten und Mahnung zugleich: Der Wissenschaftsrat hat in seiner jüngsten Empfehlung zwar gute Noten für Forschung und Lehre an die Universitätsmedizin Mannheim (UMM) vergeben. Dennoch mahnt der Rat in seinem Gutachten erneut eine bessere Verankerung der Wissenschaft an der UMM an.

Die baden-württembergische Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) sieht ebenfalls Handlungsbedarf. Forschung und Lehre müsse ebenso wie die Krankenversorgung "in der DNA des Universitätsklinikums verankert sein, wenn wir die Mannheimer Universitätsmedizin auf ein exzellentes Niveau bringen wollen", so Bauer.

Konkret wird vorgeschlagen, eine Geschäftsführung unter medizinisch-wissenschaftlicher Leitung einzusetzen. Derzeit führt ein Geschäftsführer mit kaufmännischem Hintergrund das UMM. Auch schlägt das Ministerium vor, die Interessen der Wissenschaft im Aufsichtsrat personell besser abzubilden sowie Klinikum und Fakultät zu einer gemeinsamen Zukunftsplanung zu verpflichten.

Um eine stärkere universitäre Ausrichtung wird am Klinikum Mannheim, das jährlich etwa 70.000 Patienten versorgt, seit Jahren gerungen. Denn dort besteht eine historisch bedingte landesweit einmalige Konstellation: In den 1960er Jahren wurde am Städtischen Klinikum eine medizinische Fakultät der Uni Heidelberg eingerichtet. 2006 wurde sie dann zu einer Vollfakultät mit erfolgreichem Modellstudiengang ausgebaut.

Klinikum will feste Verträge mit klaren Regelungen

Somit ergibt sich die Besonderheit, dass Klinikbetrieb und Patientenversorgung in den Händen der Stadt liegen und die Fakultät, die nach wie vor an der Uni Heidelberg angegliedert ist, dem Land untersteht. Daraus resultieren Probleme bei der Kostenerstattung zwischen Stadt Mannheim und dem Land, vor allem, was die gemeinsame Infrastruktur wie Klinik- und Laborpersonal, Verwaltung und Sachkosten angeht.

So hat der Landesrechnungshof vor zwei Jahren moniert, dass die Fakultät - also das Land - zu viel Erstattungskosten für medizinisches Personal an das Klinikum gezahlt und damit quer-subventioniert hat.

Das Land sieht die Mannheimer Fakultät "solide finanziert", was jetzt auch der Wissenschaftsrat festgestellt hat. In Mannheim ist man da anderer Auffassung. So hat der Aufsichtsrat des Klinikums, in Person des Mannheimer Oberbürgermeisters Dr. Peter Kurz an die Adresse des Landes signalisiert, dass eine stärkere Einflussnahme auch mehr wirtschaftliche Verantwortung erforderlich mache.

Generell herrscht Konsens zwischen den Partnern Stadt und Land, dass Klinikum und Universität künftig stärker als "ein Unternehmen" geführt werden sollen. Eine gute Zusammenarbeit mit der Heidelberger Fakultät wird schon lange gepflegt, das bescheinigte auch der Wissenschaftsrat.

Nun müssen die Rahmenbedingungen vertraglich angepasst werden. Darüber wird nun schon länger gerungen. Offen sind nach wie vor Fragen der Kostenerstattung etwa für Dienstleistungen des Klinikums an die Universität, moniert der Betriebsrat am Mannheimer Klinikum.

Auch sei eine gemeinsame Personalplanung dringend geboten, aber nach wie vor nicht in Sicht, sagte die Betriebsratsvorsitzende Marianne Gauweiler zur "Ärzte Zeitung". Es gibt also noch viel zu tun, um das, was in vielen Jahren zusammengewachsen ist, auch vertraglich und finanziell zu regeln.

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