Ärzte Zeitung, 09.06.2008

Ärzte verordnen zu viele NSAR bei Neuropathie

Bei der Therapie von Patienten mit chronischen Schmerzen gibt es weiter arge Defizite. Betroffen sind vor allem Patienten mit neuropathischen Schmerzen.

Neuropathische Schmerzen sind typisch für die diabetische Polyneuropathie. Sie kommen aber auch bei jedem dritten Patienten mit chronischen Rückenschmerzen vor. Nicht-steroidale Antirheumatika sind bei diesen Patienten wirkungslos. Trotzdem werden sie breit verordnet: Professor Thomas Tölle von der TU München präsentierte aktuelle Zahlen, wonach in Deutschland noch immer vierzig Prozent der Patienten mit dominant neuropathischen Schmerzen NSAR erhalten. "Die eigentlich indizierten Antidepressiva und Antikonvulsiva werden dagegen nur einer Minderheit verordnet."

Problematisch ist das auch wegen der oft zu beobachtenden Begleiterkrankungen wie Schlafstörungen und Depressivität. Sie sprechen auf Co-Analgetika besser an als auf NSAR. Tölle warb deswegen für einen breiteren Einsatz von Schmerzfragebögen, die eine neuropathische Schmerzkomponente abgrenzen können. Beispielhaft nannte er den international evaluierten Wartezimmerfragenbogen painDETECT. (gvg)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Wenn Einsamkeit krank macht

Ein Alterspsychotherapeut warnt: Ältere Männer sind besonders häufig suizidgefährdet. Einsamkeit ist ein Grund dafür. mehr »

Diabetes-Experten sind besorgt

Schon bald könnten mehr Lebensmittel "schlechten Zucker" enthalten. Für die Industrie wird der Einsatz von Isoglukose profitabler. mehr »

PKV bekennt sich zur Innovationsoffenheit

Wird es mit der neuen GOÄ erschwert, Privatpatienten neue Leistungen anzubieten? Vom PKV-Verband kommt dazu ein klares Dementi. mehr »