Kongress, 22.04.2009

Borreliose - Blickdiagnose ist gefragt

Eine Borreliose wird klinisch diagnostiziert, das Labor steht dabei eher im Hintergrund.

Von Michael Hubert

Borreliose - Blickdiagnose ist gefragt

Die Lyme-Borreliose ist mittlerweile zu einer Modekrankheit geworden, hat Professor Peter Herzer aus München kritisiert. Auch beim Internistenkongress stieß das Thema auf reges Interesse: Das Borreliose-Symposium war proppenvoll besetzt. Die Diagnose einer Borreliose ist vor allem eine klinische Diagnose, betonte Herzer. Die Diagnose erfolge nicht im Labor, sondern sei primär eine Blickdiagnose.

Wegweisend ist das Erythema migrans. Davon gibt es aber nicht nur die typischen Lehrbuchformen der Wanderröte, warnte Professor Heidelore Hofmann aus München. Oft sehe ein Erythema migrans nur wie ein Insektenstich aus. Die Rötung nach Stich sei aber eine CrescendoReaktion und trete sofort ein. Bei einer Borrelieninfektion zeigt sich die Rötung jedoch erst nach einigen Tagen bis Wochen. Zielführend ist hier also, den Patienten nach der Reaktionszeit zu fragen. Auch vesikuläre Erythema-Formen wie bei einer Herpesinfektion sind möglich, ebenso ähnliche Erytheme wie bei Ringelröteln. "Bei Borreliose treten sie aber fast nie am Stamm, sondern meist an den Extremitäten auf", so Hofmann.

Grundsätzlich seien die Entzündungsreaktionen individuell sehr unterschiedlich. Einen Rat gab Hofmann den Teilnehmern mit auf den Weg: "Wird eine Antibiotikatherapie begonnen, können sich die Hautsymptome verschlimmern. Das ist eine typische Herxheimer-Reaktion, verursacht durch Absterben und Abbau der Borrelien." Darauf müssten die Patienten - oder ihre Eltern - auch hingewiesen werden.

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