Ärzte Zeitung online, 15.11.2017
 

Medica

HighTech im Dienste der Medizin

Wearables und andere smarte Lösungen können die Zukunft der medizinischen Versorgung nachhaltig prägen. Was möglich ist, zeigt ein Rundgang durch die Messehallen.

Von Matthias Wallenfels

HighTech im Dienste der Medizin

Futuristische Anmutung: Ein Headset soll bei Betroffenen mittels minimaler Stromstöße Depressionen lindern können. (3) Constanze Tillmann / Messe Düsseldorf

DÜSSELDORF. Kreative Start-ups spielen eine bedeutende Rolle bei der Digitalisierung in der Medizin. Daher bietet die weltgrößte Medizinmesse diesen Jungunternehmen erstmals eine eigene Bühne.

In Halle 15 treffen Unternehmensgründer im Medica Start-up Park mit ihren Entwicklerteams auf potenzielle Geschäftspartner, Investoren oder auch Vertriebspartner aus der ganzen Welt.

Mit dabei ist unter anderem Humotion aus Münster. Das Start-up präsentiert das textilintegrierte Sensorsystem SmartVia, das nach Unternehmensangaben die Bewegung des Patienten in ihrer Ganzheit erfasst. Denn in der Bewegungsdynamik eines Menschen zeige sich, wie gesund er ist. Bei einem orthopädisch oder geriatrisch erkrankten Menschen geben beispielsweise physiotherapeutische Assessments den Zustand eines Patienten wieder.

Die durch SmartVia erfassten Parameter würden in vielfältigen Relationen zueinander gesetzt und geben Auskunft über Symmetrie, Regularität und Harmonie der Bewegung, wie es heißt. Diese Größen erlaubten eine ganzheitliche, objektive Bewertung des Gesundheitszustands des Patienten und unterstützten Ärzte sowie Therapeuten in ihrer täglichen Arbeit.

Der Bereich tragbarer Technologien – Wearables – wartet mit vielen Innovationen auf. Das gilt auch für den Einsatz fernab vom Standard-Fitness-Tracking. Auf dem großen Wearable Technologies-Gemeinschaftsstand in Halle 15 präsentieren zahlreiche Anbieter spannende Neuheiten speziell für den Einsatz im Medizin- und Gesundheitsbereich.

Terra Blue XT ist zum Beispiel mit TJay mit von der Partie. Dabei handelt es sich um einen mit Sensoren bestückten Handschuh, der zur Diagnose von Epilepsie eingesetzt werden kann und Anfälle voraussagen kann. Die Sensoren messen laut Unternehmen Signale aus der Handfläche.

Diese werden kontinuierlich gemessen, ausgewertet und an eine Cloud weitergeleitet. Erfasst werden demnach unter anderem Hautleitfähigkeit, Muskeltonus, Herzfrequenz, Herzratenvariabilität, Blutdrucktrends, Atmung, Sauerstoffsättigung, Temperatur, und Bewegung.

Durch die Auswertung könnten für bestimmte Epilepsietypen Anfälle vorausgesagt werden. Ärzte könnten für ihre Diagnose auf relevante Daten zurückgreifen, heißt es.

Die Telekom und Medisana zeigen in Düsseldorf ein vernetztes Pflaster namens Metria. Über Sensoren, die die Oberflächenspannung der Haut messen, ermittelt es sehr genau Puls, Temperatur, Schlafzeiten, körperliche Aktivitäten und Schrittzahlen, so die Unternehmen.

Via Handy-App sendet das Pflaster demnach die Vitalwerte sicher auf ein persönliches Vital-Portal. Dort könne der Nutzer etwa seinen Trainingscoach für die Daten freischalten. Ärzte sollen es damit künftig ebenfalls wesentlich leichter haben, die Werte ohne aufwändige Elektrodenverkabelung abzurufen. Gleichzeitig halte der Nutzer so sein Vitallevel stets im Blick.

Das Pflaster läuft mit einer Akkuladung sieben Tage, es schränkt den Träger bei nichts ein: Man kann damit duschen oder Sport treiben, wie es heißt.

Der Preis für das Pflaster stehe noch nicht fest. Weiterentwicklungen seien aber bereits geplant: Die nächste Generation werde ein Sieben-Tage-Elektrokardiogramm ermöglichen, versprechen die Anbieter.

HighTech im Dienste der Medizin

Das textilintegrierte Sensorsystem SmartVia erfasst die Bewegungen seines Trägers.

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