Ärzte Zeitung, 31.08.2004

Forscher untersuchen Gene und Alkoholsucht

Lehrstuhl zur Erforschung von Alkoholfolgekrankheiten in Mannheim / Stiftung Biomedizinische Alkoholforschung

HEIDELBERG (bd). Mannheim wird zum Mekka der Alkoholforschung in Deutschland. Außer dem seit fünf Jahren bestehenden Lehrstuhl für Suchtmedizin am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI) wurde jetzt am dortigen Uniklinikum ein Lehrstuhl zur Erforschung von Alkoholfolgekrankheiten eingerichtet. Zudem wurde eine "Stiftung Biomedizinische Alkoholforschung" ins Leben gerufen.

Die Stiftungsprofessur für Alkoholfolgekrankheiten wird für zehn Jahre von der Dietmar-Hopp-Stiftung, Walldorf finanziert. Auf diese bislang bundesweit einmalige Forschungseinrichtung wurde der Molekularbiologe Professor Steven Dooley aus Aachen berufen.

An der dortigen Hochschule hat der Forscher die molekularen Grundlagen pathobiochemischer Prozesse von Lebererkrankungen untersucht. Nun will er die Wirkungen von Alkohol auf intrazelluläre Signalwege und deren Auswirkungen auf das Erbinformations-Programm der Zellen entschlüsseln. Somit will der gelernte Biologe herausfinden, wie es auf molekularer Ebene zur Schädigung der Körperorgane und letztlich dann zur Erkrankung derselben kommt.

Ein weiterer wichtiger Baustein in diesem Forschungsschwerpunkt ist die Stiftung Biomedizinische Alkoholforschung, die ebenfalls an der II. Medizinischen Uniklinik in Mannheim angesiedelt ist. Sie wurde von dem Mannheimer Gastroenterologen und Direktor der dortigen II. Medizinischen Uniklinik Professor Manfred Singer und dessen Frau ins Leben gerufen.

Ziel der Stiftung: Im internationalen Zusammenwirken mit anderen Einrichtungen soll der Zusammenhang zwischen dem Alkoholkonsum, der genetischen Ausstattung der Menschen und Umweltfaktoren wie Ernährung erforscht werden. Nicht jeder, der viel Alkohol trinkt, erkrankt nämlich daran.

So geht es nach Angaben von Singer letztlich auch darum, ein individuelles Risikoprofil für alkoholbedingte Krankheiten zu erstellen. Ziel der Forschungsanstrengungen ist es auch, ihnen besser vorzubeugen oder ihren Verlauf zu mildern.

Nach Schätzungen der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) gelten in Deutschland etwa 1,6 Millionen Menschen als alkoholabhängig. Etwa 9,3 Millionen trinken laut DHS "gefährlich viel" Alkohol. Und 42 000 Todesfälle pro Jahr seien auf Alkohol zurückzuführen.

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