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Richtig tropfen - da bleibt kein Auge trocken

Nicht nur zu viel Tränen, sondern auch zu wenige sorgen für rote, gereizte Augen. Es gibt viele Möglichkeiten, Patienten mit Sicca-Syndrom zu behandeln. Daher brauchen die betroffenen Menschen Hilfe bei der richtigen Präparatewahl.

Ruth NeyVon Ruth Ney Veröffentlicht:
Typisch fürs Sicca-Syndrom: Sandkorngefühl im Auge.

Typisch fürs Sicca-Syndrom: Sandkorngefühl im Auge.

© Robert Kneschke / Fotolia

Mehr als acht Millionen Menschen in Deutschland haben trockene Augen mit Brennen, Fremdkörper- und Müdigkeitsgefühl und geröteter Bindehaut. Etwa 60 Prozent der Betroffenen haben so starke Beschwerden, dass sie im Alltag deutlich beeinträchtigt sind.

Kein Wunder also, dass nach Sehschwächen das trockene Auge zu den zweithäufigsten Beschwerden in der Augenarztpraxis gehört. Doch auch beim Hausarzt klagen viele Patienten über trockene Augen.

Denn es sind nicht nur der moderne Lebensstil mit viel Bildschirmarbeit in klimatisierten Arbeitsräumen und Kontaktlinsen, die die Symptomatik begünstigen.

Medikamente können dem Tränenfluss schaden

Auch viele Grunderkrankungen und Medikamente haben Einfluss auf Produktion und Zusammensetzung der Tränenflüssigkeit. Häufig betroffen sind Patienten mit Diabetes mellitus, Schilddrüsenerkrankungen, Rheuma und Neurodermitis.

Ebenso tragen altersbedingte Veränderungen und Hormonveränderungen sowie Medikamente wie Antidepressiva, Antihistaminika, Betablocker, Diuretika, Retinoide und Kontrazeptiva zu einem Sicca-Syndrom bei.

Die exakte Diagnose des Sicca-Syndroms - hypovolämisch (zu wenig Tränenflüssigkeit) oder evaporativ (mangelhafte Fettphase des Tränenfilms) - mit Hilfe von Spaltlampe und Schirmer-Test ist Sache des Augenarztes.

Zusätzliche Tests umfassen etwa die Messung der Tränenfilmstabilität durch Bestimmung der Tränenfilmaufreißzeit, wie sie auch in den aktuellen Leitlinien des Bundesverbandes der Augenärzte stehen.

Hausärzte können wichtige Tipps geben

Ist die Diagnose bestätigt, können auch Hausärzte wichtige Tipps geben oder ein passendes Präparat auf einem Grünen Rezept aufschreiben. Denn für die Betroffenen besteht im Bereich der benetzenden Augentropfen, die alle rezeptfrei in der Apotheke erhältlich sind, die Qual der Wahl.

Prinzipiell werden bei den Produkten, die auch als künstliche Tränen bezeichnet werden, synthetische Makromoleküle wie Polyacrylsäure (Carbomer), Polyvinylalkohol (PVA) oder Polyvinylpyrrolidon (Povidon/PVP), halbsynthetische Cellulosederivate wie Hydroxypropylcellulose (Hypromellose) und Carboxy- methylcellulose(Carmellose) eingesetzt sowie das Mucopolysaccharid Hyaluronsäure.

Nach Empfehlungen von Professor Horst Brewitt, Leiter des Ressorts "Trockenes Auge" beim Berufsverband der Augenärzte, sollte die Therapie schrittweise erfolgen je nach Beschwerdestärke (Ophthalmologische Nachrichten 2010; 6; 20):

Stadium I (mild): bis viermal täglich niedrig viskose Tropfen mit Polyvinylalkohol (PVA) und Polyvinyl-pyrrolidon (PVP) oder 0,1 % Hyaluronsäure.

Stadium IIa (leicht): mehr als viermal täglich niedrig viskose Tropfen mit PVA und PVP, 0,1 % Hyaluronsäure oder niedrig viskose Zellulose-Präparate.

Stadium IIb (mittelschwer): mehr als viermal täglich höher viskose Zellulose-Präparate; bis viermal täglich Hydrogele (Carbomer) oder 0,3 % Hyaluronsäure.

Stadium III (schwer): Hydrogele kombiniert mit PVA und PVP, 0,3 % Hyaluronsäure oder Ciclosporin-Tropfen.

Ab einer Tropffrequenz von viermal täglich sollte ein konservierungsmittelfreies Präparat gewählt werden. Eine Übersicht findet sich auf der Homepage der Augenklinik Erlangen.

Lidrandreinigung regt Meibomsche Drüsen an

Damit kleine oberflächliche Schäden der Bindehaut sowie der Hornhaut-oberfläche schneller heilen, werden befeuchtende Augentropfen häufig auch mit Dexpanthenol kombiniert. Augensalben, die vor allem die physiologische Lipidschicht des Tränenfilms stabilisieren und vor Verdunstung schützen sollen, werden bevorzugt zur Nacht verwendet.

Sie enthalten oft dünnflüssiges Paraffin, Vaseline, Wollwachs und ebenfalls Dexpanthenol.

Einige Salben, aber auch Gele, enthalten zusätzlich Vitamin A, das der Verhornung am Auge entgegenwirkt. Ist speziell die Lipidschicht des Tränenfilms gestört, können auch liposomenhaltige Produkte auf die geschlossenen Augenlider aufgesprüht werden.

Die Liposomen wandern über die Lidränder ins Auge, werden in den Lipidfilm eingebaut und stabilisieren so den Tränenfilm.

Bei der evaporativen Form des trockenen Auges ist zusätzlich eine regelmäßige Lidrandreinigung mit feuchtwarmen Kompressen und einem Wattestäbchen ratsam, um die Meibomschen Drüsen anzuregen.

Lesen Sie dazu auch: Augentropfen: Anwendungsart und Verträglichkeit müssen stimmen

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