Ärzte Zeitung, 19.04.2004

Irakische Kinder erfolgreich in Deutschland behandelt

Sechs junge Patienten sind am Samstag in ihre Heimat zurückgekehrt / Hilfsaktion der IPPNW wird fortgeführt / Drei neue Patienten in München

NEU-ISENBURG (Smi). Am Samstag sind sechs irakische Kinder und Jugendliche, die in Mannheim und Ludwigshafen erfolgreich medizinisch versorgt worden sind, in ihre Heimat zurückgekehrt. Auf dem Frankfurter Flughafen wurden sie und ihre Väter von Helfern und Mitarbeitern der Internationalen Ärzte zur Verhütung eines Atomkriegs (IPPNW) verabschiedet.

Ein Junge liegt mit einer Splitter-Verletzung in einer Bagdader Klinik. Im Irak werden viele Patienten nur unzureichend versorgt. Foto: dpa

"Die behandelnden Ärzte haben fabelhafte Arbeit geleistet", sagte Professor Ulrich Gottstein, Frankfurter Internist und IPPNW-Ehrenmitglied, der die Hilfsaktion mit organisiert hat, im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung". Die jungen Patienten sind vier Wochen lang im Mannheimer Theresienkrankenhaus und im Diakonie-Krankenhaus Mannheim sowie in der Kinderchirurgie des Uniklinikums Ludwigshafen und in der Herzchirurgie medizinisch versorgt und betreut worden.

Von den ursprünglich acht Kindern und Jugendlichen, die am 17. März in Deutschland eingetroffen waren, konnten sechs nach Hause entlassen werden. Darunter sind zwei Jugendliche mit angeborenen Herzfehlern (einer Pulmonalstenose und einer Mitralinsuffizienz), die in Ludwigshafen am offenen Herzen operiert wurden.

Ein Junge mit Colitis ulcerosa wurde medikamentös eingestellt, ihm wurden ausreichend Medikamente mitgegeben. Ein anderer mit Spaltung der Harnröhre ist operiert worden, bei der Oberschenkelverletzung eines dritten Jungen wurde ein Sarkom ausgeschlossen. Zwei Mädchen kamen mit großflächigen Verbrennungen im Gesicht, an Brust und Rücken nach Deutschland.

Aufgrund der schmerzhaften Narbenstränge konnten sie noch nicht einmal den Arm heben. Auch sie wurden erfolgreich operiert. Eines bleibt zur Nachbehandlung noch in Mannheim, ebenso ein Junge, der aufgrund einer urogenitalen Fehlbildung ein zweites Mal operiert werden muß.

Für die Kosten der Operationen und der Nachversorgung kommen die beteiligten Kliniken auf. Die Helfer um die Kinderärzte Dr. Ulrich Schäfer und Dr. Said Falyh Jabbar haben zudem Geld gesammelt, mit dem Geschenke gekauft und alle Patienten neu eingekleidet wurden.

Vergangene Woche sind drei weitere irakische Kinder in München eingetroffen. Sie sind zwischen vier und neun Jahre alt, leiden an schweren angeborenen Herzfehlern und sollen in der Kinderchirurgie des Münchener Uniklinikums operiert werden. Die Hilfsaktion ist von dem Münchener Tropenmediziner Dr. Folke Hess, der mit einer Irakerin verheiratet ist, organisiert worden. Die Kosten für die Behandlung dieser Kinder, so Gottstein, würden jedoch nicht von den Kliniken, sondern von den IPPNW getragen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Nutzen Antibiotika bei Dentaleingriffen?

Patienten mit Herzklappen-Ersatz haben nach zahnärztlichen Eingriffen womöglich ein erhöhtes Risiko für infektiöse Endokarditiden. Doch wie groß ist es und schützen Antibiotika? mehr »

Medizin vor Ökonomie - Kodex soll Prioritäten klarmachen

Medizinische Fachgesellschaften treten gegen die Ökonomisierung der Medizin an – mit einem Kodex. mehr »

Mit Geriatrietests zur Diabetestherapie à la carte

Der eine ist fit, der andere gebrechlich: Alte Menschen mit Typ-2-Diabetes brauchen individuelle Therapieformen. Ein Geriater gibt Tipps. mehr »