Ärzte Zeitung, 12.07.2016

Berufskrankheit Hautkrebs

Diese Berufsgruppen müssen besonders aufpassen

Schutzkleidung, Sonnensegel, Siesta. Fachleute raten, sich bei der Arbeit im Freien zu schützen. Seit 2015 wurde weißer Hautkrebs schon 1485 Mal als Berufskrankheit anerkannt.

Von Anno Fricke

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Den ganzen Tag draußen: Bauarbeiter haben ein besonders großes Risiko für Hautkrebs.

© sculpies / iStock / Thinkstock

BERLIN. Betroffen sind vor allem Menschen auf dem Bau, Winzer, Fahrradkuriere und Bademeister, um nur einige Berufsgruppen zu nennen. Ihnen brennt während der Arbeit die Sonne auf den Kopf. Am 13. Juli 2015 zum Beispiel war die UV-Belastung dadurch so stark, dass ein im Freien arbeitender Mensch eine Dosis von ultravioletter Strahlung (UV) abbekam, die bei hellhäutigen, rothaarigen Menschen für vier satte Sonnenbrände gereicht hätte.

 Das ist ein Detail aus einer Untersuchung der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, deren erste Ergebnisse sie jetzt bekannt gegeben hat. Seit 2015 ist weißer Hautkrebs als Berufskrankheit anerkannt. 1485 Mal ist dies seither bereits geschehen, 1432 Mal lehnten die Versicherer entsprechende Anträge ab. Die Berufsgenossenschaften suchen nun nach Möglichkeiten, berufsbedingte Morbidität von der freizeitbedingten zu unterscheiden.

Die DGUV hat bereits 2014 mit einer Studie begonnen, um diejenigen Arbeitsbedingungen zu identifizieren, unter denen Menschen besonders anfällig für weißen Hautkrebs sein können. 600 Probanden trugen in den vergangenen beiden Jahren jeweils zwischen dem 1. April und dem 31. Oktober Dosimeter an den Oberarmen, die die Strahlung maßen. Zusammengekommen sind bislang 2,3 Milliarden Datensätze. Und es werden noch mehr. Die Dosimeter bleiben bis 2017 im Einsatz.

Überraschungen blieben nicht aus. Landwirte waren weniger betroffen als erwartet, auch Briefträger und Kranführer kamen nicht auf die Spitzenwerte in ihren Berufsgruppen. Gemessen wird die UV-Strahlung in der Einheit SED (Standard- Erythem-Dosis).

Ein SED steht für die Menge an UV-Strahlung, die bei einem hellhäutigen, rothaarigen Menschen Sonnenbrand auslösen kann. So erreichten zum Beispiel Obst- und Gemüsegärtner 395 SED, Landwirte nur 211. Briefträger zu Fuß sind nur halb so schwer betroffen wie Fahrradkuriere. Und die Arbeitsplätze in Kränen scheinen längst UV-sicher und klimatisiert zu sein. Mit 581 SED erreichten die Kanalbauer die höchsten gemessenen Werte.

Die Anerkennung des weißen Hautkrebs als Berufskrankheit ist Auslöser für verstärkte Präventionsanstrengungen. "Für die Arbeitgeber bedeutet das, dass sie sich mit dem Thema natürliche UV-Strahlung beschäftigen müssen, wenn sie Beschäftigte haben, die im Freien arbeiten", sagte der stellvertretende DGUV-Hauptgeschäftsführer Dr. Walter Eichendorf.

Dazu seien sie vom Arbeitsschutzgesetz verpflichtet. Helfen könne außer Schutzkleidung die Verschattung von Baustellen, aber auch eine Arbeitsplanung, die die heißen Mittagsstunden ausklammere, sagte Bernhard Arenz von der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft.

Die Präventionsverpflichtung ist nicht trivial. Mit 300 Beratern sei die Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) bei den Landwirten unterwegs, berichtete SVLFG-Geschäftsführer Reinhold Knittel. Verstießen Landwirte gegen Standards könnten die Versicherer Verbesserungen der Arbeitsbedingungen durchaus auch anordnen.

Die Zahlen gehen nach oben, berichteten die Vertreter der Berufsgenossenschaften. man erwarte mehr Fälle, je aufmerksamer die Ärzte auf den weißen Hautkrebs achteten. Sei die Krankheit diagnostiziert, müsse man sie als chronisch betrachten. Eine vom Krebs befallene Hautstelle könne mehrere Behandlungszyklen pro Jahr auslösen.

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