Ärzte Zeitung online, 06.03.2017

Risiko Mangelernährung

Kein Appetit – typisch für Senioren?

Menschen wollen gesund altern. Am Tag der gesunden Ernährung (7. März) weisen Fachleute darauf hin, dass Ernährung ein wichtiger Baustein dazu ist, der aber manchmal gerade bei älteren Menschen zu wenig bedacht wird.

Kein Appetit – typisch für Senioren?

Wer im Alter nicht richtig isst, dem fehlen recht bald wichtige Nährstoffe.

© Glenda Powers / iStock / Thinkstock.com

AACHEN. Es kann viele Gründe geben, warum ältere Menschen plötzlich nicht mehr richtig essen: Etwa wenn der Partner gestorben ist und sich das Kochen scheinbar nicht mehr lohnt. Oder der Zahnersatz sitzt nicht richtig und tut mit jedem Bissen weh. Manchem ist die tägliche Schlepperei der Einkäufe in die dritte Etage zu mühsam, oder es schmeckt einfach nicht mehr.

Wer aber im Alter nicht richtig isst, dem fehlen recht bald wichtige Nährstoffe. Das wirkt sich dann auf die Lebensqualität aus, wie Margret Morlo vom Verband für Ernährung und Diätetik (VFED) sagt. Das Treffen mit Freunden werde zu mühsam, die Kraft reiche nicht mal mehr, um das Marmeladenglas zu öffnen. Es könne zu Entzündungen im Mund oder zum Nachlassen der Sehkraft kommen.

"So lange aber alles irgendwie funktioniert, wird der Ernährungszustand älterer Menschen gar nicht in Frage gestellt", sagt Ernährungsexpertin Morlo. Der VFED thematisiert am Tag der gesunden Ernährung (7. März) daher, wie wichtig die Ernährung fürs "gesunde Altern" ist.

"Ältere Menschen gehören zu den Risikogruppen für Mikronährstoffmangel", bestätigt auch Ernährungswissenschaftlerin Kristina Norman vom Berliner Uniklinikum Charité. Beim Blick auf die Konzentration gewisser Nährstoffe, gebe es häufig einen Mangel: etwa bei der Folsäure oder bei den anderen B-Vitaminen. Vitamin D ist demnach ebenfalls kritisch. Denn ältere Menschen gehen nicht mehr unbedingt mit wenig bedeckter Haut an die Sonne und bilden somit weniger Vitamin D. Problematisch können zudem die Werte für Zink sein, das bei der Neubildung von Zellen wichtig ist.

Senioren, die ins Krankenhaus kommen, sind oft auch schlecht ernährt

Bei der Gruppe der gesunden, selbstständig lebenden älteren Menschen wird der Anteil der Betroffenen mit Mangelzuständen auf bis zu 15 Prozent geschätzt. Deutlich schlechter ist die Situation bei solchen, die ins Krankenhaus kommen.

Da sei jeder Zweite mangelernährt, sagt Norman: "Da sehen wir häufig, dass das vorne und hinten nicht reicht, was die älteren Menschen essen", stellt die Wissenschaftlerin der Forschungsgruppe Geriatrie der Charité Berlin fest. Für Kranke kann es aus ihrer Sicht noch schwieriger sein, sich gesund und altersentsprechend zu ernähren, etwa weil sie vielleicht nicht mehr richtig schlucken können oder an Appetitlosigkeit leiden.

Bei der Mangelernährung sind zudem körperliche Aspekte wie die Veränderung der Magen- und der Darmschleimhaut bedeutsam. Durch diese Veränderung können sich nach Erkenntnissen aus der Wissenschaft die Aufnahme der Substanzen und die Verstoffwechselung verschlechtern.

Für Esther Schnur von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung muss es im Alter unbedingt auf die Qualität der Nahrung ankommen. Hier ein Stückchen Kuchen, dort ein Plätzchen – das sei falsch: Der Mensch benötige im Alter zwar weniger Kalorien. "Man braucht aber noch fast genauso viele Vitamine und Mineralstoffe. Im Grunde muss man sein Essen besonders bewusst auswählen", sagt Schnur. Man solle Lebensmittel mit wenig Kalorien und vielen Vitaminen und Mineralstoffen essen: Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, fettarme Milch und Milchprodukte, Fisch und mageres Fleisch. (dpa)

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