Ärzte Zeitung, 19.11.2004
 

Für jede 3. Frau reicht eine IVF-Therapie aus

Aktuelle Auswertung des Deutschen IVF-Registers / Kryokonservierung von Keimzellen mindert Erfolgschancen

HANNOVER (grue). In den deutschen Zentren für In-vitro-Fertilisation (IVF) wurden im vergangenen Jahr 107 675 Kinderwunsch-Behandlungen bei insgesamt 63 111 Frauen vorgenommen - soviel wie nie zuvor. Wegen der neu eingeführten finanziellen Eigenbeteiligung rechnen die IVF-Zentren in diesem Jahr mit einem deutlichen Rückgang der Behandlungszahlen.

Im Deutschen IVF-Register (DIR) werden alle Maßnahmen zur künstlichen Befruchtung durch IVF, ICSI (intrazytoplasmatische Spermieninjektion) oder Kryokonservierung prospektiv erfaßt und einmal jährlich ausgewertet. Die Ergebnisse aus dem Jahr 2003 hat Professor Ricardo Felberbaum aus Lübeck jetzt beim Jahrestreffen der IVF-Zentren in Hannover vorgestellt.

Aus den von 116 Zentren dokumentierten Behandlungszyklen errechnet sich eine Schwangerschaftsrate von 28 Prozent pro Embryonentransfer nach IVF oder ICSI. "Unter Berücksichtigung der restriktiven Vorgaben des deutschen Embryonenschutzgesetzes ist das ein sehr gutes Ergebnis", sagte Felberbaum. Nach Kryokonservierung von Keimzellen war die Schwangerschaftsrate mit 16 Prozent jedoch relativ niedrig.

      Im Mittel werden zwei Embryonen übertragen.
   

Die Zahl der übertragenen Embryonen pro Zyklus lag im Mittel bei 2,17. "Das ist erfreulich niedrig", so Felberbaum. Werden, wie vom Gesetzgeber erlaubt, bis zu drei Embryonen eingepflanzt, steigt das Risiko für Mehrlingsgeburten. So gab es 2003 fünf Vierlingsgeburten nach Übertragung von jeweils drei Embryonen und eine Vierlingsgeburt nach Transfer von zwei Embryonen. Wurde dagegen nur ein Embryo in die Gebärmutter gegeben, entwickelte sich daraus zu 98 Prozent auch nur ein Kind.

Vor allem bei jüngeren Frauen ließ sich durch die Übertragung von drei statt zwei Embryonen die Schwangerschaftsrate nicht steigern, so Felberbaum. Für Mutter und Kind sei es sogar am besten, wenn nur ein Embryo eingepflanzt werde. Allerdings sei die Chance, daraufhin schwanger zu werden, mit durchschnittlich 13 Prozent recht gering.

Als Ausweg biete sich der elektive Single-Embryotransfer an, sagte Felberbaum. Dabei wird unter mehreren Embryonen der lebensfähigste für den Transfer ausgewählt. Ein solches Vorgehen ist aber in Deutschland verboten. Felberbaum geht davon aus, daß sich immer weniger Paare für eine mehrmalige IVF oder ICSI entscheiden. Pro Zyklus betrage der Eigenanteil an den Kosten mittlerweile mindestens 1500 Euro. Verglichen mit dem Vorjahr wurden dem DIR bisher nur etwa halb so viele Behandlungen gemeldet.

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