Ärzte Zeitung, 10.10.2005

Rückenwind für Impfung gegen Zervix-Krebs

Vakzine gegen humane Papillomaviren schützt junge Frauen vor Zervix-Veränderungen / Ergebnis einer Phase-III-Studie

NEU-ISENBURG (ikr). Bei der Impfung gegen das Zervix-Karzinom sind die Wissenschaftler jetzt einen großen Schritt vorangekommen: In einer Phase-III-Studie über zwei Jahre waren alle junge Frauen, die gegen die krebsverursachenden humanen Papillomaviren (HPV) vom Typ 16 oder 18 geimpft wurden, vor Präkanzerosen des Zervix-Ca und Karzinome geschützt.

Eine persistierende Infektion mit HPV gilt als Ursache von Zervix-Ca, etwa 70 Prozent der Krebserkrankungen werden dabei durch die beiden Hochrisiko-Typen 16 und 18, die auch in der Vakzine berücksichtigt sind, verursacht. Da es bisher keine Therapie gegen die Infektionen gibt, hoffen Wissenschaftler weltweit auf die baldige Zulassung eines Impfstoffs.

Die Kombi-Vakzine von Sanofi-Pasteur MSD (vorgesehener Handelsname Gardasil®) schützt vor Zervix-Veränderungen durch HPV 16 und 18, wie jetzt erste Ergebnisse einer Phase-III-Studie belegen. 12 167 Frauen im Alter zwischen 16 und 23 Jahren ohne HPV-Infektion wurden dreimal binnen sechs Monaten intramuskulär damit geimpft oder erhielten Placebo.

    Geimpfte Frauen hatten weder Krebs noch Vorstufen.
   

Im Verlauf von weiteren 17 Monaten wurden alle durch HPV-16/18 verursachten zervikalen intraepithelialen Neoplasien (CIN) vom Grad 2 oder 3, Adenocarcinomata in situ und Karzinome der Cervix uteri registriert.

Das Ergebnis: Nach etwa zwei Jahren hatte keine der komplett geimpften 5301 Frauen eine Präkanzerose oder ein Karzinom der Zervix entwickelt, allerdings 21 Frauen aus der Placebo-Gruppe. Die Impfung wurde allgemein gut vertragen. Die häufigste unerwünschte Wirkung waren Schmerzen an der Einstichstelle.

Diese vorläufigen Ergebnisse der Studie sind jetzt auf der Jahrestagung der Infectious Diseases Society of America in San Francisco in den USA vorgestellt worden. "Wenn wir auch nicht alle Zervix-Karzinome mit dieser Impfung werden verhindern können, so können wird dadurch aber wohl das Risiko für solche Tumoren und ihre Vorstufen stark verringern", sagte Professor Joakim Dillner aus Malmö in Schweden zur "Ärzte Zeitung". Der Virologe hat an der Studie mitgearbeitet.

Übrigens: Der Kombi-Impfstoff schützt nicht nur vor HPV 16 und 18, sondern darüber hinaus auch vor HPV 6 und 11, die Genitalwarzen verursachen. Die genaue Schutzwirkung wird in der noch andauernden Studie weiter untersucht. Aufgrund der bereits jetzt vorhandenen Daten zum Schutz vor dem Zervix-Ca und seiner Vorstufen sollen aber voraussichtlich noch dieses Jahr die EU- und die US-Zulassung der Kombi-Vakzine beantragt werden.

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