Ärzte Zeitung, 14.03.2006

Doppelstrategie gegen Streßinkontinenz

Beckenbodenübungen und Therapie mit Duloxetin trainieren den Rhabdosphinkter

DÜSSELDORF (ars). Die Kombination von Duloxetin mit Beckenbodentraining hat sich bei Patientinnen mit Belastungsinkontinenz als besonders vorteilhaft erwiesen.

"Die Daten stützen die These, daß sich beide Behandlungen gut ergänzen und die Beschwerden besser lindern als jede Therapie für sich alleine", sagte der niedergelassene Gynäkologe Dr. Thomas Hagemeier aus Suhl. An einer Studie nahmen 201 Patientinnen teil, die entweder den Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer Duloxetin (Yentreve®) erhielten, Beckenbodentraining machten oder beides miteinander kombinierten (wir berichteten).

Daran hat Hagemeier bei einem Symposium in Düsseldorf erinnert, das von den Unternehmen Lilly Deutschland und Boehringer Ingelheim unterstützt wurde.

Nach zwölf Wochen war die Häufigkeit der Inkontinenzepisoden mit der Kombitherapie um 76 Prozent gesunken, mit Duloxetin allein um 61 Prozent, mit Beckenbodentraining allein um 47 Prozent und mit Placebo um 42 Prozent.

Die Lebensqualität hatte sich, gemessen mit einem Inkontinenz-spezifischen Fragebogen, mit der Kombination um 16 Punkte gebessert, mit Duloxetin um elf, mit Beckenbodentraining um neun und mit Placebo um fünf. Im allgemeinen sei bei Verordnung von Duloxetin mit einem raschen Effekt zu rechnen.

Wie Dr. Rainer Lange aus Alzey berichtete, verordnet er Duloxetin grundsätzlich nur zusammen mit Physiotherapie. Nach einem halben Jahr mache er einen Auslaßversuch, so der niedergelassene Urogynäkologe. Manche Frauen stünden danach schon am nächsten Tag wieder mit den alten Beschwerden in der Praxis, bei anderen aber halte der Effekt mehrere Wochen oder sogar länger.

"Duloxetin wirkt bei Belastungsinkontinenz wie eine Art pharmakologische Physiotherapie: Nach dem Absetzen kommt man nicht am Punkt Null an, sondern hat eine Konditionierung des Harnröhrenschließmuskels erreicht", sagte Lange. Die Kombination mit Krankengymnastik sei deshalb so günstig, weil beide Therapieformen synergistisch wirkten.

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