Ärzte Zeitung, 07.05.2007

Hormonpflaster steigert Libido nach Ovarektomie

FREIBURG (djb). Haben Frauen in der chirurgischen Menopause nach Ovarektomie sexuelle Funktionsstörungen, kann ihnen mit einem Testosteronpflaster geholfen werden. Denn hinter dem verminderten sexuellen Verlangen steckt häufig ein Testosteronmangel.

Vermindertes sexuelles Verlangen (HSDD, Hypoactive Sexual Desire Disorder) kann die Lebensqualität von Frauen erheblich beeinträchtigen, so Dr. Anneliese Schwenkhagen aus Hamburg. Ursache ist häufig ein Testosteronmangel, ausgelöst durch Hormonveränderungen in der Peri- und Postmenopause, oder eine chirurgisch bedingte Menopause nach Ovarektomie. Nach einem solchen Eingriff fallen die Testosteronspiegel um bis zu 50 Prozent, erklärte die Gynäkologin bei der Tagung der Deutschen Menopausegesellschaft.

Testosteron-Matrixpflaster wird zweimal die Woche gewechselt

Seit Februar 2007 steht das Testosteronpflaster Intrinsa® von Procter & Gamble zur Verfügung. Es gibt täglich 300 µg des Hormons über die Haut ab und steigert bei Frauen mit chirurgisch bedingter Menopause und HSDD signifikant das sexuelle Verlangen und die Zufriedenheit bei sexuellen Aktivitäten. Das Matrixpflaster wird auf die Bauchdecke geklebt und zweimal wöchentlich gewechselt. Die Anwenderinnen erhalten gleichzeitig eine Östrogentherapie.

Zufriedenstellender Sex nahm um bis zu 74 Prozent zu

Die Wirksamkeit des Pflasters wurde in zwei kontrollierten Phase-III-Studien bei fast 1100 Patientinnen mit HSDD nach Ovarektomie geprüft. Die Frauen wurden entweder mit dem Hormon oder mit Placebo für 24 Wochen behandelt. Ergebnis: zufriedenstellende sexuelle Aktivitäten nahmen in einer Studie im Vergleich zum Ausgangswert um 74 Prozent zu (J Clin Endocrinol Metab 90, 2005, 5226), in der zweiten Studie um 51 Prozent (Obstet Gynecol 105, 2005, 944).

Die Differenz war im Vergleich zu Placebo ab Woche fünf signifikant, der maximale Effekt wurde nach drei Monaten erreicht. Gleichzeitig nahm die seelische Belastung, gemessen mit der Personal Distress Scale (PDS), in den Studien signifikant um 65 und 68 Prozent ab.

Die niedrig dosierte Therapie ist gut verträglich, betonte Schwenkhagen. Die häufigsten unerwünschten Effekte waren Akne und Hirsutismus - bei über 90 Prozent der Betroffenen mild und reversibel, sie führten nicht zu einem Therapie-Abbruch.

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