Ärzte Zeitung online, 06.04.2017
 

Gynäkologie

Modell imitiert 28-tägigen Zyklus der Frau

Ein Modell des weiblichen Reproduktionssystems soll der Erprobung von Arzneien etwa gegen Endometriose oder Unfruchtbarkeit dienen.

CHICAGO. Ein künstliches Modell des weiblichen Reproduktionssystems inklusive simuliertem Menstruationszyklus haben US-amerikanische Forscher um Teresa Woodruff von der Northwestern University entwickelt. Das Modell namens "Evatar" besteht unter anderem aus Gewebe von Menschen und Mäusen und soll der Erprobung von Medikamenten für Frauen dienen, die an Endometriose, Uterusmyomen, Krebs oder Unfruchtbarkeit leiden (Nature Comm 2017, online 28. März).

Evatar besitze alle Komponenten eines weiblichen Reproduktionssystems, teilt die Northwestern University mit. Das Modell bestehe aus Ovarien, Eileiter, Uterus und Zervix. Außerdem sei eine künstliche Leber Teil des Modells, die Medikamente metabolisiere. Dazu platzieren die Forscher Gewebe der jeweiligen Organe vom Mensch und der Maus in einzelnen Kammern des Modells, die miteinander über Kanülen und Ventile verbunden sind. Über die Kammern hinaus wachsen die Gewebeproben in verschiedene Richtungen und kommunizieren über Hormonsignale wie im lebenden Organismus, heißt es in der Mitteilung.

Über die Kanülen wird Flüssigkeit zwischen den Kammern und Organen zirkuliert, die auch die Hormon-Kommunikation überträgt. Auf Stimulation der Eierstöcke etwa antworteten die anderen Gewebearten. Das Modell durchlaufe einen kompletten 28-tägigen Menstruationszyklus und könne stimuliert werden, Schwangerschaftshormone auszuscheiden, erklärte Woodruff in einem Interview mit der New York Times.

Die US-amerikanischen Forscher betonen besonders, dass die ganzheitliche Betrachtung der Reproduktionsorgane ein bedeutender Schritt nach vorn sei. Vor allem in der Erforschung von Krebs habe man sich bisher auf die Arbeit mit isolierten Zellen beschränkt, anstatt systemweit zu forschen, kommentierte Joanna E. Burdette aus dem Forscher-Team. "Das wird die Art verändern, wie wir Krebs untersuchen." (mmr)

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