Ärzte Zeitung, 08.11.2016
 

Einzigartig

Münchens Spezialambulanz gegen Atemnot

An Deutschlands einziger Atemnotambulanz trainieren Lungenkranke, ihre ständigen Atemnotattacken zu beherrschen. Gibt es das Konzept bald auch in anderen Städten?

Von Christina Bauer

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Unbeschwert Atmen: Für viele Menschen keine Selbstverständlichkeit.

© detailblick / fotolia.com

MÜNCHEN. Seit Februar 2015 gibt es an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) die erste und bisher einzige Atemnotambulanz in Deutschland. Sie wurde von Professor Claudia Bausewein gegründet , der Direktorin der Klinik für Palliativmedizin am Universitätsklinikum.

Die Klinik kooperiert mit der Sektion Pneumologie und Thorakale Onkologie der Medizinischen Klinik V unter Leitung von Professor Rudolf M. Huber. Für das Konzept ließ Bausewein sich von England inspirieren. Im Ambulanz-Team arbeiten Lungenfachärzte, Palliativmediziner und Physiotherapeuten.

Ziel ist ein umfassenderes Therapieangebot für chronisch Lungenkranke, über die fachmedizinische Behandlung hinaus. Es geht vor allem um einen besseren Umgang mit den etwa bei COPD, chronischer Herzinsuffizienz, Lungenfibrose, pulmonal-arterieller Hypertonie und Krebs häufigen Atemnot-Attacken.

In Deutschland betrifft das vor allem Senioren. "Die meisten unserer Patienten sind 60 bis 80 Jahre alt", bestätigte Bausewein der "Ärzte Zeitung".

Angebot noch wenig bekannt

Die Überweisungen durch externe Fachärzte hielten sich bisher in Grenzen. "Dass man aus Sicht der Palliativmedizin mehr gegen Atemnot tun kann als bisher bekannt, ist für viele Pneumologen noch relativ neu", konstatiert Bausewein.

In der Onkologie inzwischen akzeptiert, sei der Sinn von Palliativmedizin für internistische Fachärzte derzeit oft noch weniger klar. Patienten trauten sich manchmal nicht recht an solche Angebote heran.

Zur Atemnotambulanz kämen aber viele aus eigener Initiative. Da das Angebot zeitlich begrenzt ist, werden sie bei Bedarf an der palliativmedizinischen Ambulanz langfristig weiter betreut.

In der Atemnotambulanz sind für sie in eineinhalb Monaten zwei Arzttermine vorgesehen, darüber hinaus stehen vier Termine bei Physiotherapeuten auf dem Programm, die auf Lungenerkrankungen und Atemnot spezialisiert sind. Mit ihnen lernen sie Methoden, um sicherer mit den Attacken umzugehen.

Ministerium fördert Studie

Dazu gehören etwa Selbstregulations-, Atem- und Körperübungen, verbesserte Tagesstruktur, Sport und sinnvoller Umgang mit Medikamenten. Auch ein Handventilator wird eingesetzt. "Die bisherige Forschung zeigt, dass ein kühler Luftzug im Gesicht die Empfindung von Atemnot reduzieren kann", so Bausewein.

Derzeit ist die Nutzung der Ambulanz mit der Teilnahme an der so genannte BreathEase-Studie verknüpft. Diese soll genauere Daten erbringen, ob und wie das Angebot auf die Gesundheit wirkt, und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.

Bisher nahmen 80 Patienten teil, weitere 80 sollen hinzukommen. Ergebnisse soll es ab Sommer 2018 geben.

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