Ärzte Zeitung, 18.08.2014

Phyto-Forum

Mit Salbei gegen Hyperhidrose

Ein Extrakt aus Salbeiblättern konnte in einer Studie die Schweißsekretion um die Hälfte reduzieren.

Frage: Gibt es pflanzliche Optionen für Patienten mit Hyperhidrose?

Professor Karin Kraft: Als pflanzliche Option werden bei Hyperhidrose vor allem Zubereitungen aus dem dalmatinischen Salbei (Salvia officinalis L.) verwendet. Das antihidrotische Wirkprinzip ist nicht genau bekannt, möglicherweise sind die enthaltenen Gerbstoffe daran beteiligt.

Bei der fokalen Hyperhidrose wird volksmedizinisch das Betupfen mit Salbeitinktur (50 Vol.prozent Ethanol) empfohlen.

Bei generalisiertem Schwitzen sind Teeaufgüsse mit Salbeiblättern hilfreich: einen Teelöffel geschnittene Blätter (2g) bzw. einen Filterbeutel mit 150 ml kochendem Wasser übergießen, 10 Minuten ziehen lassen, abseihen, dreimal täglich über zwei bis vier Wochen eine Tasse des abgekühlten Tees trinken.

Zudem gibt es ein Fertigarzneimittel mit wässrigem Salbeiblättertrockenextrakt. Bei Tagesschweiß, zum Beispiel während der Menopause, werden 3 x täglich 1 - 2 Dragees nach den Mahlzeiten, bei nervös bedingtem Nachtschweiß 2 - 4 Dragees vor dem Schlafengehen empfohlen.

Die European Medicines Agency (EMA) weist Salbeiblätterzubereitungen unter anderem die traditionelle Anwendung zur Erleichterung bei exzessivem Schwitzen zu; Personen bis 18 Jahre, Schwangere und Stillende sollten wegen fehlender Untersuchungsdaten davon ausgenommen werden.

Die erhältlichen klinischen Studien sind stets offen, die meisten davon wurden schon in den 1930er Jahren bei Patienten mit zum Beispiel Tb oder auch bei gesunden Freiwilligen durchgeführt.

Alle unterstützen die langjährige Annahme, dass wässrige Salbeiblätterextrakte die Schweißsekretion bei Hyperhidrose hemmen.

In einer offenen unkontrollierten Studie erhielten 40 Patienten mit idiopathischer Hyperhidrose einen wässrigen Trockenextrakt (440mg, entsprechend 2,6g Salbeiblättern) und weitere 40 Patienten Salbeitee (4,5g Blätter / Tag).

Die Schweißsekretion fiel bei beiden Gruppen auf weniger als 50 Prozent ab.

Ein Therapieversuch mit Salbeiblätterextrakt ist somit bei Patienten mit idiopathischer fokaler oder generalisierter Hyperhidrose durchaus gerechtfertigt.

Prof. Karin Kraft: Lehrstuhl für Naturheilkunde, Zentrum für Innere Medizin, Uni Rostock

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Stefan Hölzl 
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In diesem Zusammenhang wäre vielleicht folgende Studie zu Salbei bei Hitzewallungen unter antiandrogener Behandlung von Interesse, auch wenn es sich "nur" um eine kleine, mono-zentrische, offene Studie handelt: Vandecasteele K, Ost P, Oosterlinck W et al (2012) Evaluation of the efficacy and safety of Salvia officinalis in controlling hot flashes in prostate cancer patients treated with androgen deprivation. Phytother Res 26(2):208–213

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