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Selbst ausgeschaltete Smartphones lenken ab

Dass "Nur mal kurz eine Nachricht schreiben" das Hirn ablenkt, wusste die Forschung bereits. Jetzt haben Forscher entdeckt: Sogar ausgeschaltete Handys schränken die kognitive Leistungsfähigkeit ein. Dafür fand das US-Team eine simple, aber ungewöhnliche Lösung.

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Eine US-Studie postuliert: Handys lenken ab – egal, ob sie an- oder ausgeschaltet sind.

Eine US-Studie postuliert: Handys lenken ab – egal, ob sie an- oder ausgeschaltet sind.

© lassedesignen / stock.adobe.com

AUSTIN. Der Griff zum Smartphone könnte Menschen mehr ablenken, als bisher angenommen: Sogar wenn das Telefon ausgeschaltet ist, schränkt es die kognitiven Fähigkeiten der Benutzer ein. Dieses Ergebnis liefert eine Studie der McCombs School of Business der Universität von Texas im Journal of the Association for Consumer Research (DOI: 10.1086/691462).

Das Team um Adrian Ward beobachtete 800 Smartphonenutzer in mehreren Experimenten. Ihr Ziel war es dabei, herauszufinden, ob und wie das Gerät Einfluss auf die Konzentrationsfähigkeit hat.

Die Teilnehmer lösten am Computer Aufgaben, die volle Konzentration für ein gutes Ergebnis verlangten. Eine Gruppe legte ihr Smartphone umgedreht auf den Tisch vor sich, eine andere hatte es in einer Tasche bei sich und eine dritte Gruppe in einem anderen Raum liegen – alle Teilnehmer sollten das Telefon ausschalten.

Besser Handy in anderem Raum lassen

Resultat: Je präsenter das Gerät räumlich war, desto schlechtere Ergebnisse hatten die Teilnehmer in den kognitiven Tests. Die Nutzer, die ihr Smartphone in einem anderen Raum hatten, schnitten leicht besser ab, als diejenigen mit dem Telefon in der Tasche – und signifikant besser, als diejenigen mit dem Smartphone vor sich liegend. "Es ist nicht so, dass die Teilnehmer abgelenkt waren, weil sie Nachrichten bekamen", sagt Ward: "Die bloße Anwesenheit des Smartphones genügte, um ihre kognitiven Kapazitäten einzuschränken."

In weiteren Versuchen erlaubten die Wissenschaftler es einzelnen Teilnehmern, die Handys anzuschalten und mit dem Display nach oben zu legen: Die Testergebnisse unterschieden sich kaum, ob das Telefon an- oder ausgeschaltet war oder mit dem Display nach oben oder unten lag.

Gedankenfixierung auf Nichtbenutzung?

Die McCombs-Forscher erklären sich das Ergebnis damit, dass das Gehirn so darauf konditioniert sei, das Telefon zu benutzen, dass auch die erzwungene Nichtbenutzung, die kognitiven Fähigkeiten massiv einschränkt.

"Das Bewusstsein denkt gar nicht an das Smartphone, aber gerade dieser Prozess – der Prozess, nicht an das Gerät zu denken – verbraucht die ohnehin bereits knappen kognitiven Ressourcen des Gehirns. Es saugt das Gehirn förmlich aus", so Ward. Einen wissenschaftlichen Beweis für ihr Postulat liefert das Team allerdings nicht.

In der Studie fanden sie ebenfalls heraus, dass jene Teilnehmer, die angaben, besonders Smartphone-abhängig zu sein, bei den Experimenten schlechter abschnitten, als die Teilnehmer, die weniger Abhängigkeiten vom Telefon angaben. (ajo)

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