Ärzte Zeitung, 29.03.2004

Glücksritter sind auch im Verkehr risikobereiter

Berliner Psychologen entwickelten einfachen Test, um im Straßenverkehr gefährdete Kinder schnell zu erkennen

NEU-ISENBURG (Smi). Kinder, die beim Glücksspiel keine Gefahr scheuen, gehen auch im Straßenverkehr größere Risiken ein. Das hat ein Team um den Berliner Psychologen Ulrich Hoffrage jetzt herausgefunden.

In Deutschland verunglücken jedes Jahr etwa 41 000 Kinder unter 15 Jahren im Straßenverkehr, davon 260 tödlich. Viele Schulkinder fangen erst mit ihrer Einschulung an, Wege allein zurückzulegen und Erfahrungen im Straßenverkehr zu sammeln. Die einen sind beim Überqueren einer Straße sehr vorsichtig, die anderen neigen dazu, Risiken zu unterschätzen. Studien zeigen auf, daß die waghalsigen Kinder in mehr Unfälle verwickelt sind als die vorsichtigen.

Hoffrage und seine Mitarbeiter haben 22 Jungen und 22 Mädchen im Alter zwischen fünf und sechs Jahren auf ihre Risikobereitschaft im Straßenverkehr untersucht. Sie erhielten zehn Schachteln, in neun Kästchen waren beliebte Sticker, die sie behalten durften - so lange, wie sie nicht die leere Schachtel erwischten, dann nämlich mußten sie alle Sticker zurückgeben. Da die Kinder jederzeit aufhören konnten, wurde schnell offensichtlich, wer zu den risikofreudigen und wer zu den vorsichtigen Kindern gehörte.

Nach dem Spiel mußten die Kinder an einer belebten Straße anzeigen, wann sie diese überqueren würden. Ein gemütliches Überqueren dauerte sieben Sekunden, rannten die Kinder, benötigten sie drei Sekunden.

Die meisten der im Glücksspiel risikofreudigen Kinder zeigten an, daß sie die Straße auch bei weniger als sieben Sekunden Zeit überqueren würden. Überraschenderweise brachte das Verhalten bei einer Verkehrssimulation am Computer keine Übereinstimmung mit dem tatsächlichen Verhalten. Eine weitere Überraschung: Die Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen waren weit weniger gravierend als vermutet.

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Pädiatrie (8670)

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