Ärzte Zeitung, 14.03.2012

Kommentar

Kinderärzte sollten standhaft bleiben

Von Andreas Kindel

Kommt auf die Schulen wirklich eine Flut von pathologisch Sprach- und Artikulationsgestörten zu? Es macht schon nachdenklich, wenn das Gesundheitsministerium im Saarland bekannt gibt, dass sich fast ein Drittel aller Einschulungskinder in Sprachtherapie oder -förderung befinden.

Oder wird hier in Sachen Sprachdiagnose und -therapie übertrieben? Bislang ließen sich diese Fragen nicht so genau beantworten.

Mit dem neuen Sprach-Screening, bei dem alle Dreijährigen im Saarland nach einem einheitlichen Sprachtest untersucht werden, wird sich das ändern. Der Vater des Tests, der Kinderpsychiatrie-Professor Waldemar von Suchodoletz schätzt, dass nur fünf bis zehn Prozent der Kinder ein Fall für den Logopäden sind.

Er schlägt Elterngruppen vor, in denen Mütter und Väter angeleitet werden, das Sprachverhalten ihrer Kinder zu fördern. Das sei kostengünstig und effektiv. Die Erkenntnis, dass ein Kind längst nicht bei jedem Sprachproblem gleich zum Therapeuten muss, wird etlichen Eltern, Pädagogen und Erzieherinnen nicht gefallen.

Doch die Kinder- und Hausärzte sollten standhaft bleiben, damit - angesichts knapper Mittel - diejenigen Kinder, die wirklich eine Sprachtherapie benötigen, auch zum Logopäden kommen.

Lesen Sie dazu auch:
Sprachscreening für Dreijährige im Saarland

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Pneumologen kritisieren Grenzwerte für Fahrverbote

16.30 hMehr als hundert Lungenspezialisten bezweifeln den gesundheitlichen Nutzen der aktuellen Grenzwerte für Feinstaub und Stickoxide (NOx). mehr »

Alle vier Stunden ein Arzt weniger

Die Produktivität in der ambulanten Versorgung sinkt, warnt die KBV und macht darauf mit einer "Arztzeituhr" in ihrem Gebäude aufmerksam. Der Trend habe mehrere Gründe. mehr »

Lebensmittelallergie kommt oft mit dem Alter

Viele glauben, sie haben eine Nahrungsmittelallergie – dabei ist das oft falsch, so Forscher. Und wer eine hat, bekommt sie häufig erst als Erwachsener. mehr »