Ärzte Zeitung, 01.12.2005

Akupunktur mit Lasernadeln - Wirkung ohne Piekser

Wichtig ist die Leuchtdichte am Akupunkturpunkt  / Mit dem System sind doppelblinde und randomisierte Untersuchungen möglich

NEU-ISENBURG (gwa). Wirkt Akupunktur nur unspezifisch durch den Reiz der Stiche? Oder kann man gezielt Symptome wie Kopfschmerzen lindern, wenn man definierte Punkte nadelt? Diese Fragen werden derzeit in doppelblinden Placebo-kontrollierten Studien geprüft. Möglich ist das mit Lasernadel-Akupunktur.

Eine Lasernadel ist auf den Akupunkturpunkt Di 4 (auch IC 4) geklebt. Das Laserlicht wird über spezielle Fasern zur Haut geleitet. Foto: Schikora, Uni Paderborn

"Bei der Lasernadel-Akupunktur werden klassische Akupunkturpunkten nicht-invasiv mit Laserstrahlung hoher Leuchtdichte stimuliert, die von Laserdioden erzeugt und durch Lichtwellenleiter an die Haut geleitet wird", sagte Privatdozent Detlef Schikora von der Universität Paderborn im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung".

Wie Schikora erläuterte, hat er dieses neue Verfahren erfunden und ein System zur Lasernadel-Akupunktur entwickelt (Laserneedle®). Es besteht aus einem Mehrkanalsystem mit acht separaten Laser-Nadeln. Damit können, wie bei der klassischen Akupunktur auch, gleichzeitig mehrere Punkte stimuliert werden.

Mit flexiblen und robusten Lichtfasern aus einem Spezialkunststoff wird das Laserlicht (Wellenlänge 685 und 785 nm) an die Akupunkturpunkte transportiert. Eine Lasernadel hat einen optischen Durchmesser von 500 µm.

Wichtig ist die Leistung (Leuchtdichte) in Watt pro Quadratzentimeter, die am Akupunkturpunkt erreicht wird, sagt Schikora: Bei dem von ihm entwickelten Lasernadel-System beträgt sie etwa 20 Watt pro Quadratzentimeter. "Die Akupunktur ist eine Reiztherapie. Sie ist keine Bestrahltherapie. Ich muß also einen Reiz setzen, um eine Akupunkturwirkung zu erzielen."

Mit dem Lasernadel-System ist Placebo-Akupunktur möglich

Mit dem Laserdioden-System sind doppelte Verblindung und vollwertige Placebo-Akupunktur einfach möglich: Der Arzt klebt die Lasernadeln an definierten Akupunkturpunkten auf und verläßt den Raum. Die Patienten haben dunkle Laser-Schutzbrillen auf. Mittels eines von Schikora geschriebenen Computerprogramms wird randomisiert und der Laser eingeschaltet - oder eben nicht. Weder Arzt noch Patient wissen das.

"Derzeit läuft an dem Center of Comprehensive Medicine in Denver eine Studie mit 170 Migräne-Patienten. Das Studiendesign entspricht dem der GERAC-Migränestudie. Nur erhalten die Patienten der Verum-Gruppe eine Lasernadel-Akupunktur statt einer herkömmlichen Akupunktur. Und es gibt keine Schein-Akupunktur, mit der verglichen wird, sondern eine richtige Placebo-Gruppe", sagte Schikora.

Bereits abgeschlossen ist eine Studie an der Universität Jena, die Professor Christine Uhlemann geleitet hat. Geprüft wurde die Wirkung der Lasernadel-Akupunktur bei Patienten mit Fibromyalgie. Die Ergebnisse werden zur Zeit ausgewertet, sagte Schikora.

Ebenfalls ausgewertet werden die Ergebnisse einer weiteren Studie. Diese Studie wurde an der Uni-Frauenklinik in Bern in der Schweiz mit Frauen mit Dysmenorrhoe gemacht. Die Studienleitung hatte Professor Brigitte Ausfeld-Hafter. Beide Studien waren randomisiert und Placebo-kontrolliert und wurden mit Schikoras System gemacht.

Wirkt Lasernadel-Akupunktur so wie eine klassische?

Doch wirkt eine Lasernadel-Akupunktur so wie eine klassische Akupunktur? Ja, betonen Schikora und Professor Gerhard Litscher von der Medizinischen Universität Graz in Österreich, die seit vielen Jahren zusammen zu Akupunktur und speziell zu Lasernadel-Akupunktur forschen. Dabei benutzen sie das Laserdioden-System von Schikora.

Die beiden Forscher wiesen etwa mit funktioneller Magnetresonanz-Tomographie nach, daß - wie bei klassischer Akupunktur auch - spezifische Hirnareale in ihrer Aktivität beeinflußt werden, wenn man definierte Akupunkturpunkte stimuliert (Med Acup 16, 2004, 24). Für ihre Forschungen wurden Schikora und Litscher mit dem Internationalen Forschungspreis 2004 der US-amerikanischen Medical Acupuncture Research Foundation ausgezeichnet (wir berichteten).

Die Lasernadeln bieten auch die Option zur direkten Therapie

Doch die Lasernadel-Therapie bietet noch weitere Optionen, die über die Akupunktur hinausreichen, sagt Schikora: "Die von den Lasernadeln in das Gewebe eingestrahlten Photonen haben nicht nur spezifische, sondern auch unspezifische Gewebewirkungen, die besonders in der Orthopädie zu neuen, hochwirksamen und nebenwirkungsfreien Therapien genutzt werden können. Wir stehen hier vor einem Durchbruch." Voraussichtlich 2006 werden Studienergebnisse veröffentlicht.

Schikora und Litscher haben ihre Forschungen zur Lasernadel-Akupunktur sowie ihre Anwendung in der Praxis in einem Buch veröffentlicht: "Lasernadel-Akupunktur", Wissenschaft und Praxis; Pabst Science Publishers, Lengerich 2004. 200 Seiten, viele farbige Abbildungen, 48 Euro. ISBN 3-89967-022-1

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