Ärzte Zeitung, 29.07.2016

Homöopathie

Kann eine nicht wirksame Heilmethode so erfolgreich sein?

Kürzlich veröffentlichte die "Ärzte Zeitung" einen Beitrag des Wissenschaftlers Norbert Schmacke, der sich kritisch mit der Homöopathie auseinandersetzt. Die Vorsitzende des Zentralverbandes homöopathischer Ärzte schreibt dazu:

Von Cornelia Bajic

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Homöopathie: Humbug oder Heilmittel? Daran scheiden sich die Geister.

© Wolfgang Filser / panthermedia.net

Die ärztliche Homöopathie boomt, in Deutschland genau so wie in über 80 Ländern weltweit. In Deutschland übernehmen aktuell rund zwei Drittel aller gesetzlichen Krankenkassen die Behandlungskosten für ärztliche Homöopathie komplett, in der Schweiz ist die Homöopathie jüngst als gleichberechtigte Kassenleistung zur konventionellen Medizin eingeführt worden, – und Indien hat einen für Homöopathie zuständigen Minister.

Kann eine Heilmethode so erfolgreich sein, ohne dass sie eine signifikante Wirksamkeit aufweist?

Ein Netzwerk zur Homöopathie forschender Wissenschaftler und Ärzte, die Wissenschaftliche Gesellschaft für Homöopathie (WissHom), hat Ende Mai dieses Jahres einen Forschungsbericht mit dem Titel "Der aktuelle Stand der Forschung zur Homöopathie" veröffentlicht.

Er fasst die Ergebnisse aus 300 klinischen Studien und etwa 1800 Experimenten aus der Grundlagenforschung sowie alle bisher durchgeführten Meta-Analysen zur Homöopathie zusammen (Download: www.homoeopathie-online.info ).

Wirksamkeit unter Praxisbedingungen belegt

Das Fazit der WissHom lautet: "Eine zusammenfassende Betrachtung klinischer Forschungsdaten belegt hinreichend einen therapeutischen Nutzen (effectiveness) der homöopathischen Behandlung. Die Ergebnisse zahlreicher placebokontrollierter Studien sowie Experimente aus der Grundlagenforschung sprechen darüber hinaus für eine spezifische Wirkung (efficacy) potenzierter Arzneimittel."

Laut WissHom gebe es eine Vielzahl von positiven randomisierten klinischen Studien, die eine Überlegenheit der Homöopathie gegenüber Placebo zeigten, "auch wenn nur die methodisch hochwertigen placebokontrollierten Studien zur individualisierten Homöopathie herausgegriffen werden, zeigt sich ein positives Ergebnis".

Unter Medizinforschern gilt die Cochrane Collaboration als "Gralshüterin" der evidenzbasierten Medizin, und positive Studien nach Cochrane Kriterien gelten als Meilenstein.

Dazu stellt WissHom fest: "Die neueste Metaanalyse von Mathie (2014) zeigt auch nach Cochrane Kriterien ein positives Ergebnis für individualisierte Homöopathie." Im Forschungsbericht der WissHom werden sämtliche Primärquellen aufgelistet, die zu großen Teilen bereits online einsehbar sind.

Insbesondere die Wirksamkeit der Homöopathie unter alltäglichen Praxisbedingungen, die in der Versorgungsforschung untersucht wird, ist gut dokumentiert.

Dr. med. Michael Teut von der Berliner Charité, der die Ergebnisse aus der Versorgungsforschung untersucht hat, kommt zu dem Ergebnis: "Die Studien aus der Versorgungsforschung zeigen in der Summe ein relativ einheitliches Bild: Bei Patienten, die sich homöopathisch behandeln lassen, treten im klinischen Alltag relevante Verbesserungen auf, ähnlich stark ausgeprägt wie in der konventionellen Therapie, allerdings mit weniger Nebenwirkungen."

Die Homöopathie ist ein heiß umstrittenes Thema, und es gibt sicherlich keine positive Studie zur Homöopathie, die nicht auf irgendeiner Website als unseriös dargestellt wird. Wissenschaftlich relevant ist das allerdings nicht, da ein wissenschaftlicher Diskurs anders funktioniert: Das übliche Vorgehen bei wissenschaftlichen Bedenken ist, dass zunächst die Autoren der entsprechenden Arbeit direkt mit entsprechend begründeten Hinweisen konfrontiert werden.

Prominente seriöse Fürsprecher

Spätestens, wenn von den Autoren keine zufriedenstellende Antwort kommt, wird die wissenschaftliche Zeitschrift kontaktiert und um Klärung des Sachverhaltes gebeten. Bei begründeten Hinweisen auf schwerwiegende methodische Fehler oder ein wissenschaftliches Fehlverhalten wird der entsprechende Artikel zurückgezogen. - Das war bei keiner der von WissHom zitierten Arbeiten der Fall.

Vor diesem Hintergrund wird verständlich, weshalb sich Politiker dem Potenzial der Homöopathie zuwenden.

So setzt sich beispielsweise Professor Dagmar Schipanski als Schirmherrin der Stiftung des DZVhÄ für die Förderung der Homöopathie-Forschung ein, sie ist ehemalige Vorsitzende des Wissenschaftsrats und ist CDU-Präsidiumsmitglied. Sie hat nicht nur als Wissenschaftlerin gearbeitet, sondern auch jahrzehntelang Leitungspositionen in der Wissenschaftspolitik bekleidet.

Sie sagt: "Die Medizin ist ein sehr weit gefächertes Gebiet, und ich finde es wichtig, dass komplementäre Methoden gepflegt und weiterentwickelt werden", so Schipanski, "eine Heilkunde wie die Homöopathie, die sich über Jahrhunderte gehalten hat und deren Wirksamkeit nachgewiesen ist, muss auch in der heutigen Zeit ihren Wert haben". Deshalb müsse sie laut Schipanski gleichberechtigt mit der konventionellen Medizin in Forschungsprogramme aufgenommen werden.

Die Autorin ist 1. Vorsitzende des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte

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Dagmar Schipanski (44)
[25.08.2016, 09:09:35]
Thomas Prouschil 
Komisch
Ich weiß gar nicht warum man über Tinkturen nachdenkt, die für ihre Wirksamkeit 4 x gegen Leder (oder ein lederähnliches Material) geschlagen werden müssen. Die Kollegen, die dies empfehlen oder verordnen können doch nur darüber nicht informiert sein oder ein mir rätselhaftes Verständnis von wissenschaftlichen Zusammenhängen haben.
Und die Patienten? Ich frage meine in desem Zusammenhang öfter, was sie denken würden wenn ich ihnen zu dem Rezept sagen würde: "Das müssen Sie aber dann Zuhause erst 4 x gegen Holz klopfen, damit es wirkt..."
Die Meisten antworten darauf, dass sie dann das letzte Mal bei mir gewesen wären. zum Beitrag »
[25.08.2016, 00:26:33]
Wolfgang P. Bayerl 
Hallo verehrter Herr @Edmund Berndt, geht es wirklich bis D30
ich dachte bisher bei D12 ist Schluss, das sind doch schon 25 olympische Schwimmbecken für ein Molekül.
Da find ich beten besser. zum Beitrag »
[23.08.2016, 16:03:42]
Klaus-Uwe Pagel 
Ist Homöopathie Homöopathie?
Es haben sich im Laufe der Zeit verschiedene Varianten der ursprünglichen klassischen Homöopathie nach Hahnemann herausgebildet. So unterscheidet man Niederpotenzler von Hochpotenzlern, Monotherapeuten von Polypragmatikern, homöopathische Phytotherapeuten von anthroposophischen Homöopathen usw.

Und es werden dann eine ganze Reihe von anderen „Homöopathien“ aufgelistete. Denen ist im Grunde eines gemeinsam: Da hat jemand ,aus einer anderen, meist philosophischen, spirituellen, spiritistischen, okkultistischen usw. kommend, Ideen von Hahnemann, teil unter wortklauberischen Verdrehungen, teils entgegen den Aussagen von Hahnemann, teils mit frei erfundenen angebliche Hahnemannzitaten in seine eigene Lehre übertragen. So R. Steiner. Es ist dann plötzlich statt der Wissenschaft eine „Weltanschauung“ daraus gemacht worden.

Da werden sogar absurde Lehren mit Verweis auf die Homöopathie als glaubwürdig erklärt.

Welche Homöopathie meint denn die Autorin des Beitrages? Ich als viele Jahre nach den Prinzipien des heikundlichen Vorgehens nach Hahnemann arbeitender Heilkundler (seine Lehren bedeuten mehr als "Globuliverabreichung")kann der Autorin nicht wirklich folgen. zum Beitrag »
[05.08.2016, 09:46:51]
Brigitte Miller 
Nachdenken
Es genügte doch, sich ganz genau die Vorgehensweise des Herrn Hahnemann, seine Kenntnisse von Anatomie, Pathologie, Physiologie mit einbeziehend, anzuschauen , um ins Grübeln zu kommen. Weiter die vielen durchgeführten Seriöse Studien zur Wirksamkeit belegen die Nichtwirksamkeit über den Placeboeffekt hinaus.
Wer probiert, logisch zu denken, kommt zum Schluss, dass eine Wirksamkeit wie proklamiert nicht gegeben sein k a n n .
Es ist ein Gedankenkonstrukt, das noch heute viele Anhänger und Gläubige hat. Ich nehme an, das hat mit dem irrationalen Teil der menschlichen Natur zu tun, der in uns allen vorhanden ist und der magisches Denken unterstützt. zum Beitrag »
[04.08.2016, 20:12:45]
Edmund Berndt 
Homöopathie in der Wissenschaft ist eine Realsatire
Auch Sie, Herr Björn Bendig, dürfen mitlachen!

Steirisch homöopathische Quappologie

Die grenzenlose Freiheit des Nichtwissens!

Frei von den Zwängen naturwissenschaftlicher Grundlagen und im Widerspruch gegen den Rest der Naturwissenschaftler wurde auch in der Steiermark der Lehrsatz des alternativen „Gott-sei-bei-uns“ Hahnemann „Similia similibus curantur“, grundlegend, basiswissenschaftlich evaluiert. Und wie das in den alternativen Wissenschaften so üblich ist, alles wird immer wieder wiederholt. Egal wie vernichtend und negativ das Resultat eines Beweisungsversuches ausfiel, es hat keine Folgewirkung und so wiederholen sich auch die Geschichten. Neue Versuche im alten Gewand werden gemacht, und wenn niemand dagegen auftritt, gibt es Chemie und Physik neu.

Diesen Erwartungen wurden auch die Homöopathieforscher in der Steiermark mehr als gerecht. Die grünen Adepten bewiesen ebenfalls die alles erklärende Theorie ihres Meisters schlüssig. Und hier wie anderswo auch, ist es ganz einfach. Jeder Laie kapiert die simplen Methoden und logischen Resultate alternativer Experten. Als unvermeidliches „Spin-off“-Ergebnis werden dabei alle übrigen Naturwissenschaften falsifiziert. Das „Aus“ für die „Vier-Kräfte-Lehre“ oder für die Rezeptortheorie steht bevor.

Nach seiner Urlogik heilt Hahnemann „Gleiches“ durch „Gleiches“, daher muss es also so sein, dass eine „krankmachende“ Wachstumsstimulation durch ein Wachstumshormon geheilt wird, wenn dasselbe zusätzlich in homöopathisch potenzierter Form verabreicht wird. Die schädliche Wirkung der ersten Hormongabe wird durch die weitere Zugabe einer homöopathischen Potenz des ersteren wieder aufgehoben.

Für diesen Spezialversuch anfangs des dritten Jahrtausend sollten sich grüne steirische Jungfröschlein, Kaulquappen, als besonders geeignet erweisen. Labormäuse haben offenbar einen besseren Tierschutzstatus oder sind zu teuer. Tierexperimente sind anzeigepflichtig und eigene Ethikkommissionen überwachen das leibliche und seelische Wohl unserer Versuchsmäuse. Nun kam die Jahrtausendchance für kleine „Noch-nicht-Quacker“. Sie durften das Wunder Homöopathie im Interuniversitären Kolleg Graz / Seegau realisieren!

Erster Paradigmenwechsel- Homöopathiewissenschaftlicher Urknall

Dazu wurde das Wachstum der kleinen Lurche mit einer 1 zu 100.000.000 verdünnten Hormonlösung des Wachstums- bzw. Schilddrüsenhormons Thyroxin stimuliert. Dazu wurde eine Thyroxinlösung dieser Konzentration ins Lurchbecken geträufelt. Der Verdünnungsgrad der Lösung entspricht rechnerisch einer homöopathischen Potenz D8. Die damit angeblich krankhaft induzierte Wachstumsstimulation wurde dann durch die „Wirkung“ von echt homöopathisch verdünntem, sprich potenziertem, Thyroxin der Potenz D30 (Verdünung = 1 zu 1000.000.000.000.000.000.000.000.000.000), wie auch immer, kuriert.

Die Sensation war perfekt. Die Kaulquappen pubertierten normal, wenn gleichzeitig zusätzlich eine homöopathische hergestellte Hormonverdünnung (!) der Potenz D30 verabreicht wird. Festgestellt und gemessen wird die krankhafte Beschleunigung des Wachstums bzw. deren Normalisierung durch Abzählen der durchbrechenden Extremitäten.

Natürlich lässt sich darüber philosophieren, ob bei einer Verabreichung einer hormonellen Stimulationslösung der Verdünnung 10-8 nicht doch noch irgendwo in einem Kaulquapperl so ein einzelnes Thyroxinmolekülchen seinen zugehörigen Wachstumsrezeptor findet, und die Vorderpratzerl, schneller als die Natur von sich es wollte, hervorkommen. Und jetzt, durch Zugabe von nichts, wie einer Verdünnung von D-30, zu gerade noch etwas war die Homöopathie bewiesen! Heißa, was war doch das für eine hehre Aufgabe für homöopathische Statistiker und Haxerlzähler. Endlich konnte man nach 200 Jahren Spott und Häme mit einer homöopathiefreundlichen Versuchsanordnung direkt ein Wunder nach dem anderen anschauen und abzählen.

Wenn die Sternbilder wirken, wie die Astrologen glauben, dann muss auch das Molekül im Kubik-Lichtjahr wirken! Oder? Ein wahrhaft megaepochales Ergebnis. Das gesamte Gebäude der Naturwissenschaften wurde mit einmal erschüttert und in die Luft gesprengt! Wohlgemerkt, alle Naturwissenschaften wurden ad absurdum geführt, und nicht etwa nur eine einzelne unbedeutende Nebensächlichkeit.

Leider wurde diese sensationelle Arbeit wie tausend andere ähnliche wissenschaftliche Elaborate von den Redaktionen der internationalen Fachjournale wieder nicht beachtet. Und so weiß die internationale Science Community und vor allem das Nobelpreiskomitee bis heute nicht, dass der immer wieder beschworene, heiß ersehnte Paradigmenwechsel in der grünen Steiermark passiert ist, wo es offenbar besonders feinstoffempfindliche grüne Frösche gibt.

Der Jubel der Homöopathen in ihren vertrauten Zirkeln ob der steirischen Erkenntnisse ist bis heute im Internet präsent. Mit diesem unumstößlichen wissenschaftlichen Beweis wäre die Homöopathiedebatte des Jahres 2005 siegreich verlaufen, wenn nur die Ergebnisse etwas prominenter veröffentlicht worden wären. Ich würde der Sponsorfirma Dr. Peithner GmbH & Co. empfehlen, diese Arbeit wenigstens heute noch direkt nach Stockholm zu schicken, denn dafür gibt’s nicht nur Ruhm und Ehre, sondern auch bares Geld für unsere Spitzenforscher. Die Jammerei über finanzielle Benachteiligungen alternativer Forschung gehört zum Standardrepertoire ganzheitlicher Entrüstung. Das mühsame bürokratische Ansuchen um EU-Förderungen fällt weg. Der Ruhm könnte nicht größer sein: Österreichisches Homöopathieunternehmen ermöglicht Nobelpreisnominierung. Es ist nicht mehr länger zu verantworten, dass diese epochalen Ergebnisse aus der Steiermark ignoriert werden. Aber die Firma Peithner verzichtet auf die Marketingchance der Epoche.

Aber der guten Homöopathen und so auch unseren steirischen Hahnemännern, den homöopathophilen Quappenforschern und Gesundheitsexperten des Interuniversitären Kollegs für Gesundheit und Entwicklung Graz/Schloss Seggau (www.inter-uni.net) geht es ums Heilen und nicht um wissenschaftliche Eitelkeit. Schon seit Jahrhunderten gewöhnt an die Weltverschwörungen der feindlichen Naturwissenschaftler ließen sich nicht entmutigen, steigerten ihre kreativen Kräfte und gingen sofort in die zweite Runde. Die CAM-Wissenschaftler lieferten in ihrer geschützten Werkstätte gleich noch ein weiteres und noch sensationelleres Wunschresultat nach.

Der zweite Paradigmenwechsel – fernwirksame Übertragung immaterieller Bioinformation

Die kurative Wirkung der D30 Thyroxinpotenz auf die durch D8 Thyroxin induzierte beschleunigte Metamorphose konnte auch kontaktlos, drahtlos, quasi telepathisch erzielt werden. Die mit Thyroxin gedopten Quappen wurden nicht, wie auch immer, „direkt“ mit Tropfen in ihrem Laborbecken behandelt, sondern den kleinen Lurchen wurde die kurative Potenz, fest eingeschlossen in Glasphiolen, zum Vorbeischwimmen hineingehängt.

Es kam, wie es kommen musste. Wunder passieren eben nur dort, wo sie erwartet werden. Die erste erfolgreiche Nachweis einer Hormonfernwirkung und quer durch Ampullenglas hindurch, und noch dazu homöopathisch, glückte auf Anhieb! Die Quappen wurden im Vorbeischwimmen bioinformiert und geheilt. Der Bioinformationstraum ist Realität!

Doch auch dieser Jahrtausenddoppelerfolg wurde von der Nobelpreisgemeinde ignoriert, denn wieder verhinderte weltweites lückenloses Totschweigen durch die Wissenschaftsmafia den längst fälligen Durchbruch dieser alternativen Erkenntnisse. Eh klar, sonst müssten ja die Nobelpreise wieder eingesammelt werden. Aber jede Menge Dollars gibt es damit zu verdienen. Die „James Randi Educational Foundation“ (http://www.randi.org/research/index.html) spendiert 1 Million Dollar für den wiederholten Nachweis. Ich würde mir das nicht entgehen lassen.

Aber wozu sich mit der Science-Community herumärgern? Die wollen einfach nicht an Hahnemann glauben. Aber der nächste Paradigmenwechsel wird alle Journalisten von Sonntagzeitungen und Wellnessmagazinen überzeugen. Wozu sich etwas antun, was nur Wissenschaftler verstehen?

Der dritte Paradigmenwechsel - Handystrahlung ist böse!

Derart in Fahrt, waren die Forscher um die Gruppe P.C. Endler nicht mehr zu bremsen. Die Versuche wurden unter Mobilfunk wiederholt. Und das Ergebnis war eindeutig im Trend. Es wurde bestätigt, was zum Standardrepertoire des ganzheitlichen Fachwissens zählt: Es wird homöopathisch-telepathische Übertragung von Bioinformation durch böse Handystrahlung gestört! Jetzt wurde auch das endlich experimentell bewiesen, und die Handynetzbetreiber können einpacken. Warum hat Dr. Gert Oberfeld diese ‚Arbeit nicht gelesen. Er hätte sich die Untersuchung von Hausmannstätten schenken können.

Die Bioinformation wird durch Digitalfunk kaputtgepulst. Beweis: Die kurative Fernwirkung bleibt aus! Die Bösartigkeit der Handystrahlung lässt sich eben nur durch Hahnemannsche Erleuchtungen experimentell beweisen.

Aber, wie wir alle wissen, Wissenschaft schreitet voran und die nächste Sensation ließ nicht lange auf sich warten.

Der vierte Paradigmenwechsel – homöopathische Bioinformation auf CD elektronisch gespeichert und ins Wasser einspeichern

Das wäre ohne Zweifel der Überclou. Bio-Info pur auf CD. Nur irgendwann hat jeder Reigen sein Ende, und dieser Reigen hätte eigentlich gar nicht stattfinden dürfen.

1988 war ein schlechtes Jahr für die Homöopathie. Der berühmte französische Forscher Jaques Beneviste (1935-2004), ein anerkannter Immunologe, musste es hinnehmen, dass seine Versuche, die Wirksamkeit von unendlich verdünnten homöopathischen Lösungen als Täuschung und Selbsttäuschung entzaubert wurden. Sein Pech war die Veröffentlichung seiner Versuchsdaten in einem wirklich international renommierten Fachjournal, wenn auch unter Vorbehalten. Das Raunen in der Wissenschaft war unüberhörbar und die Zweifel laut und berechtigt. Es kam zu einer umfangreichen Überprüfung. Die führende Kapazität der wissenschaftlichen Welt Sir John Maddox nahm sich persönlich der Nachprüfung an. In seiner Begleitung befand sich unter anderen der Zauberkünstler James Randi, ein Spezialist für paranormale Phänomene. Es wurde alles nachgestellt, wiederholt, und vor allem verblindet, um Täuschung und Selbsttäuschung auszuschließen. Das heißt, es wurde mit großem Aufwand an Sicherheitsvorkehrungen sichergestellt, das irklich niemand auch nur die leiseste Ahnung haben konnte, welche Messwerte welcher Versuchsreihen abgelesen wurden. Der Job des Magiers Randi war, jede auch nur denkbare non-verbale Kommunikation auszuschließen. Erst nach diesen rigiden Sicherheitsmaßnahmen, die verhinderten, dass Wunschvorstellungen von Beneviste und seinen Mitarbeitern irgendeinen Einfluss auf Messergebnisse haben konnten, wurde klar, dass nicht geändert werden musste. Wunschdenken steckte und keine neue Realität nicht mehr, zeigte es sich eindeutig: Die wissenschaftliche Anerkennung wurde verwehrt, die Ergebnisse mussten zurückgenommen werden. Das bedeutet aber gar nichts für Anhänger der Homöopathie. Der Glaube lebt weiter und seit dieser Zeit Aber existiert die Mär vom Wassergedächtnis, und das bis heute.

Dieser Flop hinderte die Forschergruppe um P.C. Endler nicht mit diesen Hokus-Pokus Ideen erneut Forschung zu betreiben. Es liegt irgendwie im Wesen von alternativen und komplementären Forschen am vertrauten Humbug, wenn es ins Konzept paßt, festzuhalten.

Der fünfte Paradigmenwechsel – Realität im Alltag

Mobilfunk ist sicher nicht das Ende für homöopathische Teleaktivität. Im Internet gibt es zahlreiche „wissenschaftlich“ geprüfte Schutzpickerl gegen Handystrahlung zu kaufen. Nur unter dieser entlarvenden deutschen, sprich besser österreichischen Bezeichnung ist das unverkäuflich. Da muß schon die moderne Sprache der Scharlatanerie herhalten. Auf englisch klingt das alles viel edler und zuverläßiger! Ein Mind-Save-Chip oder ein Harmonydevice versprechen mehr Gewinn als eine amtliche Bezeichnung wie Strahlungsschutzplakette. Und es gibt natürlich Hahnemänner die deratiges prüfen und positiv befunden. Entsprechend geklebt auf Handys und an Kassenscannern montiert und die Welt der alternativen Energien bleibt heil. Die homöopathische Fernheilung der Lurche sollte nun auch unter Mobilfunk funktionieren.

Diese neue Eso-Elektronik ist bereits allgegenwärtig und hilft stromlos, dauernd und sicher. Einfach umhängen und alles ist paletti. Homöopathen haben ein Faible für die Verwertung von Platinen aller Art. Daraus lassen sich esoterische Schutzamulette kreieren gegen die seinerzeit und gewiß auch noch heute immer noch beliebten Mariazeller Breverl glatt versagen. Es genügt heute nicht mehr Schluckbildchen zu verzehren oder sich kleine Zettelchen mit magischen Zahlen und Zeichen umhängen. Elektronisch muß das Amulett sein. Und einige springen damit sogar hoch hinaus.

Wie auch immer, es gibt keine unsinnigen Grenzen für CAM-Forscher. Die Elektronik macht es möglich. Ein bißchen Verstärken und ein wenig Hintergrundrauschen und schon werden heilsame Frequenzen und Informationen sichtbar. Der Rest ist ein Kinderspiel. Eine CD wird beladen und die kurierenden Bioinformationen können in die Lurchbecken eingespielt werden. So einfach funktioniert Homöopathie. Nur das Handy darf nicht läuten. Es geht halt nichts über ganzheitliche Forschungsansätze.

In der begrenzten Welt der naturwissenschaftlichen ist Forschung nicht so lustig. Die Inspiration ist ein wichtiger Faktor. Diese für echte Forschung notwendige Inspiration erwächst aus Bildung und Wissen. Der Paradigmenwechsel als Running-Gag ist und bleibt das Ergebnis einer grenzelosen Unwissenheit.

Homöopathie für Kampftrinker

Nach dem unumstößlichen Lehrsatz des Herrn Hahnemann und den sensationellen Ergebnissen aus der Steiermark wird das Kampftrinken seinen Schrecken verlieren. Beim Trinken wird es nur mehr gesellig und lustig sein. Die deliranten Rauschinformationen des Alkohols können gelöscht werden. Der Alkohol verliert seinen Schrecken. Und auch die leberschädlichen Zirrhoseinformationen lassen einfach nullen. Beim Heurigen werde ich mir eine Rauschschutzampulle mit potenziertem Wein umhängen. Das schützt zwar nicht vor dem Planquadrat, aber sonst sollte ich doch deutlich weniger schwanken, lallen und auch reaktionsschneller sein. Noch effektvoller ist es, wenn der Heurigenwirt sofort beim ersten Viertel so eine potenzierte Antirauschphiole mitten auf den Tisch stellt, weil dann wird gleich der ganze Stammtisch alkimmun. Steirisch Ballermann, Homöopathie gestütztes Kampftrinken, wird sich breiter Anwendung erfreuen.

Leider hat die Sache einen Haken, denn unsere Zivilisation telephoniert immer mehr mobil. Diese allgegenwärtige Belastung ist, wie in den alternativen Elaboraten erklärt wird, Gift für positive Bioinformation. Also nicht mobiltelephonieren und immer das Handy ausschalten. Denn, wenn das Handy klingelt, ist es mit der homöopathischen Schutzwirkung schlagartig vorbei. Du bist entnüchtert und lallst in den Äther und die Leber verhärtet sich. Ist es nicht toll, was alternative Wissenschaften an Erkenntnissen hervorzaubern?





Pickerl für Körper und Seele

Sensible Menschen haben es schwer. Die vielen Einflüsse von außen belasten. Sie hören es immer wieder. Ein ganzes Bündel von unerwünschten Wellen, Strahlen, Energien und bis hin zu den althergebrachten allgegenwärtigen Einflüssen von Sonne Mond und Sternbildern. Was wurde nicht von Radioästheten schon mit immer unfehlbarer Subjektivität gespürt, das uns ständig schädigt. Und jetzt kommen noch die Kulturstrahlen dazu. Künstlich ist gleich schädlich. Die Handystrahlung bringt endgültig die Gesundheit auseinander. Diese Bedrohung ist wird als real empfunden und wie ganzheitlichen Elaboraten herausgefunden wurde, nur zu logisch, denn die Übertragung von Heilinformationen wird gestört. Die Lebenskraft bleibt auf der Strecke. Ergebnis Chi ist gleich null!


Ich wurde nicht enttäuscht. Primarius Michael Fraß, einer der Hohenpriester der österreichschen Homöopathenszene ist mit von der Partie. Ich durfte
Ultima ratio: Schutzpickerl gegen Handystrahlung gibt? Homöopathika können ohne Wirkungsverlust beim Verkauf gescannt werden. Und wir müssen nicht fürchten, beim Läuten zu realkoholisieren, denn die teleaktive Bioinformation des homöopathischen Rauschantidots wird ja stabilisiert und nicht durch getaktete Digitalfrequenzen chaotisiert.

Auch dieses Millenniumsexperiment werden die steirischen Quappen überleben, sich in grüne Fröschlein verwandeln und diese Sensation samt Statistik in der alternativen Welt und im Internet herumquaken. All diese Wunder sollen und wollen natürlich auch miterlebt werden. Daher empfehle ich, um nur ja nichts zu versäumen, eine Schutzplakette zu tragen: »Bei Lebensgefahr bitte keinen homöopathischen Arzt!« _


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[04.08.2016, 13:02:35]
Edmund Berndt 
@Björn Bendig
Ewiger Ruhm, Geld und Ehre wird Ihnen zu Teil, wenn Sie endlich die positiven Studien dem Nobelpreiskommitee weiterleiten. Dann endlich wird die Welt die Homöopathie zu würdigen wissen. Bisher konnten ja nur uzureichende, fehlerhafte Studien zitiert werden. Also bitte erzählen Sie nicht uns kleinen Leuten etwas von positiven Studien sondern der Homöoindustrie. Vergolden Sie sich ihren Lebensabend! Seit Jahrzehnten sucht man einwandfreie Studien und Sie argumentieren damit im
Internet. Hier ist die Schmuddelkindern keine der Wissenschaft.

Und zu den Antibiotikaeinsparungen muss ich Pimpf der Skeptiker Ihnen leider sagen, dass das auch ein ausgeleierter Werbeslogans ist. Ehrlich, ich hätte mir mehr erwartet. Und auch diese Studien entbehren jeder Zuverlässigkeit, aber für die Öffentlichkeitsarbeit in Wellnessjpurnalen reicht es immer. Sie sollten Ratgeber im Brigitte Magazin werden. zum Beitrag »
[04.08.2016, 11:46:01]
Björn Bendig M.A. 
Mit Homöopathie Antibiotika einsparen?
Dr. Joachim Mayer-Brix ist zweifacher Facharzt für HNO-Heilkunde sowie für Stimm-, Sprach- und Hörstörungen in Erlangen. Seit 20 Jahren ist er in eigener Praxis niedergelassen. Nach eigenen Angaben strebt er dabei die optimale Verbindung von konventioneller Medizin und Homöopathie an. Im Interview sagt er:

HNO-Ärzte gehören zu den Top drei, wenn es um die Häufigkeit von Antibiotika-Verordnungen nach Facharztgruppen geht (GKV-Arzneimittelindex). Inwieweit lassen sich Antibiotika-Verordnungen mithilfe der Homöopathie einsparen?

Ich meine in sehr hohem Maße, kann da konkret aber nur über meine Praxis sprechen: Nach der Statistik der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern habe ich 50 bis 60 Prozent weniger Arzneikosten als meine Kollegen. Da hiervon die höchsten Kosten auf Antibiotika entfallen, bedeutet dies auch erhebliche Einsparungen an Antibiotika.

Antibiotikaresistente Keime sind national wie international ein großes Thema in der Medizin und der Gesellschaft. Sind Sie der Auffassung, dass die ärztliche Homöopathie in diesem Kontext einen relevanten Beitrag leisten kann?

Wie man aus den Zahlen ersieht, kann die Homöopathie hier sogar einen sehr großen Beitrag leisten. Dies bestätigen auch Daten aus der Versorgungsforschung. Man kann aber keinesfalls einfach pauschal Antibiotika durch Homöopathie ersetzen. Homöopathie wird in Deutschland von Ärzten, Heilpraktikern und Hebammen eigenständig ausgeübt. Um in der Anwendung erfolgreich zu sein, muss der Behandler sowohl eine sehr gute medizinische, als auch eine sehr gute homöopathische Ausbildung haben und vor allem ein guter Diagnostiker sein. zum Beitrag »
[04.08.2016, 10:39:29]
Björn Bendig M.A. 
Klar gibt es positive Studien
Lieber Herr Berndt,
hier noch ein Zitat zur Lage in der Klinischen Forschung:
„Es liegen heute mehr als 200 randomisierte klinische Studien zur Homöopathie vor, von denen mehr als die Hälfte ein statistisch signifikantes und positives Ergebnis zugunsten der Homöopathie aufweist“, urteilt beispielsweise Dr. Michael Teut von der Charité Berlin.
Nehmen Sie diese Tatsache doch bitte mal zur Kenntnis, bevor Sie die Homöopathie in eine unwissenschaftliche Ecke stellen wollen. zum Beitrag »
[03.08.2016, 18:21:01]
Edmund Berndt 
@Björn Bendig
Kann nicht sein, was nicht sein darf?
Das ist eine der üblichen Ausweichargumente, mit denen sich die Anhänger der Homöopathie gegen wissenschaftlich fundierte Kritik immunisieren.

Dieses Argument läuft auf das Argument hinaus, dass wir eben noch nicht wissen, wie Homöopathie wirkt und wir eines Tages die kausale Wirkung von Hochpotenzen, und darum geht es, beweisen und erklären können.
Dem ist nicht so und es ist auch nicht notwendig!

All die Wirksamkeit , die Sie der Homöopathie unterstellen , vermag heute die konventionelle auf naturwissenschaftliche Erkenntnis üse basierte Medizin gut und ausreichend erklären. Die bekannten und nachgewiesen Phänomene wie Placeboeffekt, Erwartungshaltung und anderes mehr reichen dafür völlig aus.

Im übrigen gehen sie mit "Marketing" Argumenten hausieren. Im Kern läuft diese Argumention auf der Schiene, dass die Homöopathie wirkt, weil es so viele zufriedene und was weis ich sonst noch Anwender und Anwenderinnen gibt.

Sie sollten sich einmal mit der Geschichte der Medizin befassen. Sie sollten sich einmal mit der Geschichte der Volksmedizin eingehend auseinander setzten. Und Sie sollten darüber nachdenken wie Reliquien und andere religiöse Riten und Bräuche über Jahrtausende höchst erfolgreich gewirkt haben und das auch noch heute!
Um Splitter von hl. Kreuz Jesu wurden Kriege geführt, so wirksam war diese Reliquie. Ich darf Sie daran erinnern , dass ägyptische Mumie ein begehrtes Heilmittel war, für das viel Geld bezahlt wurde. Haben Sie sich schon einmal auch nur ansatzweise Gedanken gemacht, warum das alles so gut gewirkt hat. Was glauben Sie, warum Edzard Ernst und Simon Sing in "Trick or Treatment" ausführlich die Geschichte des Aderlasses auf 30 Seiten schilderten und als Einleitungskapitel auswählten.

Und es gibt noch viele historische Beispiele mehr. Nach heutigem Wissen ist Homöopathie ein Heilritus und sie ist nur ein Beispiel unter vielen höchst "erfolgreichen" historischen und gegenwärtigen abstrusen und skurrilen Mitteln und Methoden . Homöopathie ist wirklich kein Einzelfall einer erfolgreichen und doch letztlich unwirksamen Methode.
Gemeinsam ist allen diesen Mitteln und Methoden, dass eine Wirksamkeit entsprechend dem "Kenntnisstand" und den allgemein verbreiteten Überzeugungen und Überlieferungen als - um heutige Worte zu gebrauchen - als erwiesen angesehen wurden.

1835 fand der Nprnberger Kochsalzversuch auf Betreiben der Homöopathen statt. Seit damals hat sich nichts geändert. Dieser Versuch erfüllte schon damals alle Bedingungen , wie sie heute für eine entsprechende Studie unabdingbar sind.
Alle seit damals gewonnenen medizinischen und sonstigen naturwissenschaftlichen Erkennisse, als der gesamte Wissenszuwachs sind eine geschlossene Und immer wieder aus neue bestätigte Beweiskette dafür, dass das Phänomen Homöopathie so nicht nicht existiert und nicht repliziert werden kann und alle Erklärungen der Homöopathen über einen möglichen Wirkmechanis desinformierende Täuschungsmanöver sind.

Homöopathie anwenden und die Erklärungen der Honöopathen dazu, ist ein Schritt hinter alle gültigen und erprobten Erkenntnisse . Man kann nicht den Apfel vom Baum der Erkenntis essen und dann sagen es ist ungültig.

Also bitte, sind sie so nett und erzählen sie nicht einem qualifizierten Publikum von irgend welchen Studien, die letztlich nur auf Verkaufszahlen und Anwendungsfällen beruhen.  zum Beitrag »
[03.08.2016, 15:23:05]
Edmund Berndt 
Wie verführen Scharlatane und Homöopathen ihr Publikum
Immer schon wurden Scharlatane von der jeweiligen Wissenschaft kritisiert. Auch die Homöopathie wird heute von der Wissenschaft kritisiert. Die Homöopathie ist mit ihren Erklärungen zur Wirksamkeit so weit von allen umfassend bewährten naturwissenschaftlichen Tatsachen entfernt, dass sie als Wissenschaft gar nicht ernst genommen wird und kann. Dem entsprechend wird die Homöopathie von Naturwissenschaftlern kritisiert und abgelehnt. Aber diese Kritik der Wissenschaft ändert nichts an der Einstellung des breiten Publikums an der Homöopathie.

Auch früher zu den Glanzzeiten der Scharlatane, die alles Unmögliche vom Goldmachen bis hin zum Heilen von Krankheiten versprachen, verpuffte scharfsinnige Kritik an Methoden und Mitteln. Den Kritikern gelang es nicht, die Kundschaft der Scharlatane nachdenklich zu machen. Kritik an den Scharlatanen seinerzeit wurde von den Menschen seinerzeit genauso wenig angenommen wie heute Kritik an der Homöopathie.

Gemeinsam ist Scharlatanen und Homöopathen, dass ihnen wissenschaftliche Kritik relativ egal ist. Ihre Anstrengungen gelten dem Geschäft und nicht der wissenschaftlichen Glaubwürdigkeit. Sie wollen nicht Wissenschaftler oder skeptische Mediziner überzeugen sondern mit ihrem Kunden ein Geschäft machen. Die eigentliche große Kunst, das Spezialkönnen war und ist immer noch die disponierten Menschen, das sind eben Konsumenten und Erkrankte, in ihren Bann zu ziehen. Für dieses Marketing braucht man Naturwissenschaft und medizinische Wissenschaft insgeheim als Gegner. In diesem Sinne wird Wissenschaftlern und Ärzten subtil Weltfremdheit und Versagen unterstellt, denn wo Wissenschaft und Medizin versagen, versagen die Homöopathen und Scharlatane nicht.

Das verführte Publikum verstand in der Vergangenheit die Kritik der Wissenschaft nicht und versteht heute die Kritik mangels entsprechender Bildung auch nicht. Viele Menschen sind noch immer bzw. immer noch gezwungen zu glauben. Die Pseudoargumente werden in modischen scheinbar volksverständlichen Worten verpackt. Dass es sich hier um unzulässige Pseudoargumente handelt, die wissenschaftlich gesehen Blödsinn sind, schadet ihrer Glaubwürdigkeit nicht. Das Gegenteil ist der Fall.

Ein Spiel das seinerzeit die Scharlatane geschickt spielten und das heute im modernen Marketing immer noch läuft. Das Match lautet: „Weltfremde Wissenschaftler mit ihren komplizierten Theorien gegen die lebensnahen Praktiker“ oder „Charisma gegen trockene Argumente“ Geglaubt und für zutreffend gehalten wird das, was den angeregten Gefühlen, den unerfüllten bzw. unerfüllbaren Wünschen, den persönlichen Vorstellungen und vor allem der Hoffnung auf doch noch Gesundwerden u. –bleiben entgegenkommt. Und wenn das die Mehrheit glaubt, dann muss es auch richtig sein.

Naturwissenschaftlich fundierte Kritik annehmen, bedeutet für viele unsicheres und vor allem unvertrautes Neuland zu betreten und auch die Hoffnung auf glückliche Gesundung fahren zu lassen. So bietet Homöopathie vordergründig scheinbar logische Einsichten, die dem Denkrahmen der angesprochenen entgegenkommen. Wer die Kritik nachdenkt, riskiert kognitive Dissonanzen. Diese Aufzulösen, bedeutet nicht selten ein ganzes liebgewordenes Weltbild umzukrempeln und wer will das wirklich?

Nun sind die Esoterik und der Aberglaube quer durch die Bevölkerung verbreitet. Damit wird ein Riesengeschäft gemacht. Umsatz und Verbreitung werden als Beleg für Qualität und Wirksamkeit erachtet. Und die gebildeten und intelligenten Befürworter des Aberglaubens Homöopathie werden nicht müde, diesen Aberglauben logisch zu reden und das dürfen sie auch in allen Medien dank Meinungsfreiheit tun. Kritik stört das medical Infotainment.

Fazit: Während viele Menschen, um es direkt und grob zu sagen, gar nicht kapieren oder kapieren können, was gespielt wird, setzen gebildete und intelligente Menschen ihren ganzen überdurchschnittlichen Scharfsinn ein, um Homöopathie entweder wissenschaftlich klingenden Scheinargumenten oder mit noch nicht bekannten Kräften etc. zu erklären. Und je nach Publikum, weil ja sonst nichts mehr dafür in Frage kommen kann, wenn es sein muss, auch mit Engeln. Ein beinhartes Geschäft.
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