Ärzte Zeitung, 09.09.2005

IPPNW-Kritik am WHO-Bericht zu Tschernobyl

BERLIN (eb). Die Internationalen Ärzte zur Verhütung des Atomkriegs (IPPNW) kritisieren vehement den neuen Tschernobyl-Bericht, den die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO) kürzlich vorgelegt haben.

Nach dem Bericht sei damit zu rechnen, daß insgesamt 4000 Menschen an den Folgen der Verstrahlung nach der Reaktor-Katastrophe im April 1986 sterben werden (wir berichteten).

Doch bis Ende 1999 seien bereits mehr als 50 000 Arbeiter, die nach der Katastrophe aufgeräumt hatten, an Strahlenschäden oder Suizid gestorben, so die IPPNW und bezieht sich dabei auf Berechnungen des Münchner Strahlenbiologen Professor Edmund Lengfelder.

Die Untersuchungen zum Internationalen Tschernobyl-Projekt der IAEO dauerten von Januar 1990 bis Ende Februar 1991. Allein im Jahr 1990 aber habe nach Ansicht von Lengfelder die Inzidenz von Schilddrüsenkrebs bei Kindern in Weißrußland mehr als das 30fache über dem Zehn-Jahres-Mittelwert vor Tschernobyl betragen, heißt es weiter.

Der Vertrag zwischen WHO und IAEO sei skandalös, so die IPPNW. Er sichere den Atomkraftbefürwortern der IAEO die Kontrolle über Forschung und Publikationen der WHO-Ärzte zu. "Die WHO ist durch einen Knebelvertrag gebunden." Gebraucht würden unabhängige Forschung und Verbreitung der Ergebnisse zu den Folgen von Tschernobyl.

Weitere Infos: www.ippnw.de

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Neue Arzneien zum Schutz vor Brüchen

Osteoporose wird oft übersehen. Der Welt-Osteoporose Tag rückt die Erkrankung ins Bewusstsein. Zum Schutz vor Frakturen werden derzeit neue Substanzen erprobt. mehr »

Vergangenheit, die nicht vergeht

Ramstein, Eschede, Loveparade in Duisburg: Großunglücke lassen bei Opfern und oft auch bei Einsatzkräften seelische Wunden zurück. Psychotraumatologen können den Betroffenen in der Regel gut helfen. mehr »

Politik hat die Bedeutung der Arzneimittelforschung erkannt

Gute Versorgungsideen sind in der Politik willkommen, stellte Gesundheitsminister Jens Spahn bei der Springer Medizin Gala zum Galenus-von-Pergamon-Preis klar. mehr »