Ärzte Zeitung App, 02.10.2014

Erste Hinweise

Darmbakterium fördert Übergewicht

Ein Darmbakterium könnte die Zucker- und Fettaufnahme aus dem Dünndarm verstärken und somit eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von Adipositas spielen.

POTSDAM. Das natürlicherweise im menschlichen Darm beheimatete Bakterium Clostridium ramosum fördert die Entstehung von Übergewicht - zumindest bei Mäusen (mBio 2014; online 30. September).

Dieses Studienergebnis lege nahe, dass die Mikroben bei fettreicher Ernährung dazu beitragen, die Zucker und Fettaufnahme aus dem Dünndarm zu verstärken, teilt das Deutsche Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE) mit. Die höhere Aufnahme von energieliefernden Nährstoffen lasse Fettpolster schneller wachsen.

Frühere Untersuchungen wiesen darauf hin, dass der Bakterienstamm der Firmicuten, zu denen auch C. ramosum gehört, Übergewicht fördern kann. Zudem wurde ein Zusammenhang zwischen dieser Mikrobenart und dem metabolischen Syndrom gefunden, aber der Mechanismus war unbekannt.

Erstaunlicher Effekt

Die DIfE-Forscher hatten keimfreie Mäuse mit Bakterien des menschlichen Darms besiedelt und dabei in drei Gruppen geteilt. Die erste Gruppe beimpften sie mit einer für den Menschen typischen Mikrobiota aus sieben Bakterienarten ohne C. ramosum.

Die zweite Gruppe besiedelten sie ausschließlich mit C. ramosum. Der dritten Gruppe übertrugen sie den Mix aus den sieben Mikrobenarten und zusätzlich C. ramosum.

Danach erhielten die Mäuse vier Wochen lang fettreiche Kost. Unterschiede zwischen den drei Gruppen bei Futteraufnahme und Verdauung waren nicht festzustellen.

Allerdings nahmen die beiden Mausgruppen, die mit C. ramosum besiedelt waren, deutlich mehr an Gewicht und Körperfett zu, als die Mäuse ohne diese Bakterienart. Analysen zeigten, dass Mäuse mit C. ramosum in Dünndarmzellen verstärkt Transportproteine für die Aufnahme von Fettsäuren, Trauben- und Fruchtzucker produzierten.

Erstaunlich sei, dass eine einzige Bakterienart einen so starken Effekt habe und dieser nur bei fettreicher Ernährung auftrete, heißt es in der Mitteilung. (eb)

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Dr. Wolfgang P. Bayerl 
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