Ärzte Zeitung, 25.10.2016

Ernährung

Schlaue Eltern, schlanke Kinder?

Wohlgenährt als Baby, übergewichtig im Erwachsenenalter, diesen Zusammenhang haben frühere Studien gezeigt. Eine Schulung der Eltern könnte das verhindern.

Von Christine Starostzik

Schlaue Eltern, schlanke Kinder?

Essen, was schmeckt? Übergewicht bei Babys kann durch eine Schulung der Eltern verhindert werden.

© olegmalyshev / fotolia.com

PENNSYLVANIA. Wer schon als Baby schnell an Gewicht zulegt, läuft früheren Studien zufolge Gefahr, dass er auch im späteren Leben mit Übergewicht zu kämpfen hat. Jennifer Savage von der Pennsylvania-State-Universität und Kollegen haben jetzt in einer randomisierten Studie untersucht, inwieweit sich eine sehr frühe Einflussnahme lohnt (JAMA Pediatr. 2016; online 6. Juni 2016).

Die Fragestellung im Rahmen der Intervention Nurses Start Infants Growing on Healthy Trajectories(INSIGHT)-Studie war, ob die schnelle Gewichtszunahme in den ersten Lebensmonaten und ein daraus resultierendes Übergewicht bei Einjährigen (responsive parenting intervention) durch umfangreiche Elternschulung und -begleitung verhindert werden können.

Hausbesuche von geschulten Krankenschwestern

Die 279 teilnehmenden Mütter, die alle ihr erstes Kind geboren hatten, erhielten in der Interventionsgruppe etwa zwei Wochen nach der Geburt zunächst schriftliches Informationsmaterial zugeschickt. Zudem besuchten speziell geschulte Krankenschwestern die Familien 3, 16, 28 und 40 Wochen nach der Geburt.

Um den ersten Geburtstag herum wurde dann das Gewicht der Kinder noch einmal kontrolliert. Im Rahmen der Hausbesuche lernten die frischgebackenen Eltern der Interventionsgruppe nicht nur, wie ein Säugling richtig ernährt wird, sondern auch, was gesunde Schlafhygiene ist, wie wichtig das gemeinsame Spiel ist und wie sie das Kleine beruhigen können, ohne es jedes Mal zu füttern, wenn es schreit.

Außerdem wurden die Eltern über den normalen Verlauf von Größen- und Gewichtszunahme sowie Maßnahmen zur Sicherheit des Kindes aufgeklärt. Teilnehmer in der Kontrollgruppe dagegen erhielten von den Krankenschwestern lediglich entwicklungsangepasste Informationen zu erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen.

Bald Ergebnisse zu langfristigen Auswirkungen

In den ersten sechs Monaten nach der Geburt berechneten Savage und Kollegen mithilfe des Conditional Weight Gain (CWG)-Scores für die Interventionsgruppen einen mittleren Score-Wert von -0,18.  Dies bedeutet, dass die Kinder langsamer an Gewicht zunahmen als erwartet.

In der Kontrollgruppe dagegen wurde ein Wert von +0,18 (schnellere durchschnittliche Gewichtszunahme als erwartet) ermittelt. Ob die Kinder gestillt wurden oder nicht, hatte auf diese Werte keinen Einfluss.

Im Alter von einem Jahr waren 5,5 Prozent der Kinder der Interventionsgruppe übergewichtig (Gewicht / Größe ≥ 95. Perzentile), in der Kontrollgruppe dagegen 12,7 Prozent. Auch der Mittelwert auf den Perzentilenkurven lag nach Intervention bei den Einjährigen niedriger als bei den Kindern der Kontrollgruppe (57,5 vs. 64,4 Prozent).

Mit Spannung erwarten die Studienautoren nun die langfristigen Auswirkungen der frühen Interventionen auf den BMI, wenn die Kinder drei Jahre oder noch älter sind.

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