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Atemnot-Attacke kann Folge einer Stimmband-Dysfunktion sein

Plötzliche heftige Atemnot-Attacken bei Asthmatikern, die nicht einmal auf eine hohe Kortisondosis ansprechen, können ein Hinweis auf eine Stimmband-Dysfunktion sein. Über 200 000 Menschen sind betroffen. Wichtigste Maßnahme ist eine beruhigende Aufklärung.

Ingrid KreutzVon Ingrid Kreutz Veröffentlicht:

Bei Marianne P. , 48 Jahre alt, wurde vor einiger Zeit ein Asthma bronchiale diagnostiziert. Von da an wird sie mit Antiasthmatika, unter anderem auch mit inhalativen Kortikoiden, behandelt. Dennoch bekommt sie immer wieder plötzlich heftige Atemnot-Attacken und spricht nicht einmal auf hohe orale Steroiddosen an. Frau P. hat Glück. Ihr Hausarzt stellt sofort die richtige Diagnose: Auslöser der Atemnot-Attacken ist eine Stimmband-Dysfunktion. Nachdem der Arzt seine Patientin in einem beruhigenden Gespräch über die genaue Symptomatik und die gute Prognose aufgeklärt hat, treten die Attacken nicht mehr auf.

Stimmband-Dysfunktion findet sich häufig bei Asthmatikern

Schätzungsweise 200 000 bis 300 000 Menschen in Deutschland sind von einer Stimmband-Dysfunktion betroffen, wie der Pneumologe Dr. Klaus Kenn vom Klinikum Berchtesgadener Land in Schönau zur "Ärzte Zeitung" sagte. Dabei handelt es sich um einen intermittierenden, Atemnot induzierenden funktionellen in- oder exspiratorischen Laryngospasmus.

Etwa drei bis fünf Prozent aller Asthmatiker haben eine solche Störung. Und: Etwa zwei Drittel der Betroffenen haben diese Störung zusätzlich zu einem Asthma bronchiale. Wodurch dieser Laryngospasmus entsteht, ist bisher noch nicht geklärt (HNO 52, 2004, 103). Als Auslöser diskutiert werden unter anderem jedoch Mikroaspirationen und emotionaler Streß sowie chronische Infekte der Nasennebenhöhlen.

Starker Verdacht auf eine Stimmband-Dysfunktion besteht, wenn heftige Atemnotzustände plötzlich, vor allem bei der Inspiration, auftreten und nur wenige Sekunden bis maximal zwei bis drei Minuten anhalten und dann spontan aufhören. Oft kommen sie nach Hustenattacken vor. Die Atemnot-Attacken können täglich auftreten oder nur dreimal pro Jahr.

Kenn: "Bei manchen Patienten sind die Atemnotzustände derart massiv, daß sie regelrechte Todesängste haben und sich zum Beispiel nicht mehr trauen, mit dem Auto zu fahren. Eine Patientin wollte nicht mehr zu Bett gehen, weil sie fürchtete, im Schlaf zu ersticken." Diese Sorge sei jedoch nicht nötig, da bisher keine Todesfälle im Zusammenhang mit einer Stimmband-Dysfunktion bekannt seien.

Vielen Patienten mit dieser Symptomatik kann nach den Erfahrungen des Pneumologen allein dadurch geholfen werden, daß man sie beruhigt und ihnen erklärt, wie die Atemnot-Attacken zustande kommen. Kenn: "Oftmals fällt ihnen ein Stein vom Herzen, wenn sie erfahren, was tatsächlich die Ursache für ihre Atemnot ist und daß der zugrundeliegende Kehlkopfspasmus im Prinzip harmlos ist. Das entspannt die Patienten, und die Atemnot-Attacken werden milder oder verschwinden."

Lediglich Patienten, bei denen die Laryngospasmen durch beruhigende Gespräche nicht verschwinden, sollten von einem Pneumologen weiter untersucht werden, empfiehlt der Kollege aus Schönau. Bevor man weitere Therapien versuche, solle die Diagnose dann doch auf sicheren Füßen stehen.

Die Endoskopie mit Provokation eines Laryngospasmus gilt als Goldstandard, um die Diagnose zu sichern. Noch aussagekräftiger ist die Endospirometrie. Hiermit werden nicht nur die Kehlkopfspasmen mittels Laryngoskopie nachgewiesen, sondern gleichzeitig die dadurch ausgelöste Atemnot demonstriert, indem der gestörte Atemfluß mittels Spirometrie auf einer Sinus-Kurve abgebildet wird. Diese Untersuchung ist jedoch nur in wenigen deutschen Kliniken möglich, unter anderem in der Schönauer Klinik.

Derzeit gibt es noch keine etablierte Therapie

Die Untersuchung wird nach nasaler Schleimhautanästhesie transnasal ohne systemische Prämedikation und ohne Rachenanästhesie vorgenommen. Dabei wird ein Laryngospasmus provoziert, möglichst so, wie ihn der betreffende Patient bereits im Alltag erlebt hat. Das gelingt meist, indem der Patient individuell eruierten Reizsituationen ausgesetzt wird. So werden Geruchs- und Geschmackssinn etwa durch Zitronensaft, Parfüm oder Zigarettenrauch gereizt. Es gibt außerdem taktile Reizungen. Wichtig ist nach Angaben von Kenn, daß die Art der induzierten Atemnot möglichst exakt mit der den Patienten bekannten Dyspnoe-Qualität übereinstimmt.

Es gibt derzeit noch keine etablierten Therapien bei Stimmband-Dysfunktion. Wichtig sei es aber, so Kenn, daß nach der Diagnose die Asthma-Medikation reduziert oder - sofern der betreffende Patient gar kein Asthma hat - gar abgesetzt werden könne, weil diese bei funktionellen Laryngospasmen nicht wirke. Wenn beruhigende Gespräche mit den betroffenen Patienten nicht ausreichen, sind etwa intensive Atemtherapie, logopädische Übungen und Entspannungsverfahren bis hin zur Psychotherapie eine Option.



STICHWORT

Laryngospasmus

Die krampfartige Kontraktion der Kehlkopfmuskulatur mit Einengung der Glottis ist typische Folge einer Stimmband-Dysfunktion. Wodurch der Spasmus dabei entsteht, ist noch unklar. Starker Verdacht auf eine solche Dysfunktion besteht, wenn heftige Atemnotzustände plötzlich, vor allem bei der Inspiration, auftreten und nur wenige Sekunden bis maximal zwei bis drei Minuten anhalten und dann spontan aufhören. Oft treten sie nach Hustenattacken auf.

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