Forschung und Praxis, 26.05.2006

Antikörper Omalizumab greift in die allergische Reaktion ein

Professor Ulrich Wahn: Omalizumab ist eine interessante Therapieoption für Patienten, die auf verschiedene Auslöser allergisch reagieren. Foto: privat

Der Antikörper Omalizumab wird zur Zusatztherapie von Patienten mit schwerem allergischem Asthma verwendet. Das Besondere daran: Die Substanz wirkt unabhängig vom auslösenden Allergen.

Das unterscheidet die Therapie mit Omalizumab (Xolair®) von der spezifischen Immuntherapie (SIT), bei der die Patienten gegen einzelne Allergene wie Hausstaubmilben oder Gräserpollen desensibilisiert werden. Omalizumab greift dagegen in die allergische Reaktion ein. Der Antikörper bindet an humanes Immunglobulin E (IgE).

Dadurch wird die Interaktion von IgE mit Mastzellen und Basophilen unmöglich, und die Entzündungskaskade wird unterbunden. Omalizumab ist eine weitere wichtige Substanz zur Behandlung bei allergischem Asthma. Darauf hat Professor Ulrich Wahn aus Berlin bei einer Veranstaltung des Unternehmens Novartis hingewiesen.

Der Antikörper wird als Zusatztherapie bei schwerem, therapierefraktärem, persistierendem Asthma eingesetzt und kann die jährliche Exazerbationsrate um fast 40 Prozent senken. Prinzipiell wirkt die Therapie aber auch bei anderen IgE-vermittelten Entzündungsreaktionen, so Wahn.

Das gelte etwa für die allergische Rhinokonjunktivitis oder die schwere Erdnußallergie, bei denen das Anti-IgE-Konzept derzeit in Studien geprüft werde. Außerdem sei Omalizumab eine interessante Therapieoption für Patienten, die auf verschiedene Auslöser allergisch reagieren und zum Beispiel während der ganzen Pollensaison Beschwerden haben.

In einer Studie erhielten deshalb Patienten mit Allergien gegen Birken- und Gräserpollen eine SIT gegen jeweils eines der Allergene und zusätzlich Omalizumab oder Placebo. Die Zusatztherapie mit dem Antikörper reduzierte die Beschwerden um 70 bis 80 Prozent. Am besten ging es Patienten, die während des Pollenfluges durch die jeweils "richtige" SIT und den Antikörper geschützt waren.

Dagegen half, wie zu erwarten, eine gegen Birken gerichtete SIT nicht gegen Gräser und umgekehrt. Diese jährlich wiederkehrenden "Therapielücken" können durch den Antikörper weitgehend geschlossen werden, sagte Wahn. "Noch ist die Kombinationstherapie aus SIT plus Antikörper nicht ausgereift, aber solche Ansätze sollten weiter untersucht werden". (grue)

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