Ärzte Zeitung online, 30.09.2013

Immuntherapie

Mit vier Spritzen gegen Ambrosia-Allergie

Die in Deutschland eingeschleppte Beifuß-Ambrosie verlängert das Leiden von Pollenallergikern. Eine kurze spezifische Immuntherapie (SIT) reduziert signifikant die Beschwerden, berichten kanadische Forscher.

Von Robert Bublak

Mit vier Spritzen gegen Ambrosia-Allergie

Die hochallergene Pflanze Ambrosia breitet sich in Deutschland immer weiter aus.

© stadelpeter / fotolia.com

MISSISSAUGA/KANADA. Die kurze spezifische Immuntherapie gegen Allergien durch Ambrosia artemisiifolia (Ragweed) haben Forscher um Dr. Piyush Patel von Allied Research International in Mississauga (Ontario) untersucht. P

rimäres Ziel war es, die klinische Wirksamkeit eines modifizierten Pollen-Allergoid-Adsorbats an Tyrosin (Ragweed-MATA) in Kombination mit dem Adjuvans Monophosphoryl-Lipid-A (MPL) zu testen (J Allergy Clin Immunol 2013, online 18. Juli).

Wirksamkeit in Pollenexpositionskammer geprüft

95 Probanden erhielten in der Phase-IIb-Studie das Präparat viermal im Abstand von einer Woche und in steigender Dosierung subkutan injiziert - angefangen bei 300 standardisierten Einheiten (SU) pro 0,5 ml über 700 und 2000 bis hin zu 6000 SU/0,5 ml.

93 Probanden, die statt dessen ein Placebo gespritzt bekamen, dienten als Vergleich. Vor Beginn und drei Wochen nach der Therapie rückten die Probanden in eine Pollenexpositionskammer ein.

Der Gesamtscore der nasalen und okulären Symptome bei Exposition - der schlechtestenfalls 24 Punkte beträgt - lag vor der Therapie bei 15,7 (Verum) bzw. 16,6 Punkten (Placebo) und unterschied sich nicht signifikant.

Nach der Therapie war der Wert in der Ragweed-MATA-MPL-Gruppe im Schnitt um 6,61 auf 9,14 Punkte, in der Placebogruppe um 4,47 auf 12,1 Punkte gesunken.

Die relative Linderung der Symptome unter der Verumbehandlung gegenüber Placebo betrug damit rechnerisch 48 Prozent. Im Post-hoc-Vergleich mit einer Probandengruppe, die Ragweed-MATA ohne MPL erhalten hatte, zeigte sich keine statistisch aussagekräftige Verbesserung durch Ragweed-MATA-MPL.

An Nebenwirkungen waren vor allem SIT-typische Schwellungen, Jucken, Schmerzen und Überwärmung an der Injektionsstelle zu verzeichnen. Der Unterschied zwischen Verum und Placebo war signifikant (81,1 vs. 34,4 Prozent).

Die einzigen nicht lokalen Reaktionen, die auf das Ragweed-Präparat zurückgeführt werden konnten, waren Kopfschmerzen, Naselaufen und Urtikaria. Ihre Häufigkeit lag zwischen 2,1 (Rhinorrhö) und 5,3 Prozent (Kopfweh).

Fazit der Wissenschaftler

Drei Wochen kurz und demgemäß ziemlich schmerzlos ist das hier vorgestellte Regime zur spezifischen Immuntherapie der Ambrosia-Allergie.

Vier Injektionen im einwöchigen Abstand genügen laut den Ergebnissen, um die Symptome der von dem Kraut verursachten allergischen Rhinitis zu vermindern.

Der Therapietreue der Patienten, die durch die übliche lange Dauer einer klassischen SIT auf eine harte Probe gestellt wird, dürfte diese Vorgehensweise zuträglich sein.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Für eine Welt ohne Typ-1-Diabetes

Ein hohes Risiko für Typ-1-Diabetes im Kindesalter erkennen und die Krankheit verhindern, ist das Ziel von Wissenschaftlern. Eine provokante PR-Aktion wirbt für ihre Arbeit. mehr »

Grippe-Impfsaison noch lange nicht vorbei!

Kein Land Europas erreicht die Influenza-Impfziele der WHO. Jetzt vor der Grippewelle appellieren Experten daher an Ärzte, noch möglichst viele Patienten zu schützen. mehr »

Wenn Insulin zum fetten Problem wird

Schon leicht erhöhte Insulinspiegel können offenbar Adipositas sehr stark fördern. Forscher haben sich den Zusammenhang angeschaut und empfehlen Intervallfasten – mit einer Einschränkung. mehr »