Ärzte Zeitung, 05.08.2016

Verdacht auf Asthma

Diagnostik mit FeNO-Messung sinnvoll?

Bei Asthmaverdacht und unklarem Spirometrieergebnis könnte die Ausatemluft-Messung einen Provokationstest überflüssig machen. Darauf deuten Analyseergebnisse zur Genauigkeit von FeNO hin.

Von Beate Schumacher

Diagnostik mit FeNO-Messung sinnvoll?

Asthma: Im Prozess der Diagnostik könnte die Messung von NO in der Ausatemluft an Bedeutung gewinnen.

© ia_64 / iStock.com

MÜNCHEN. Wenn bei einem klinisch begründeten Asthmaverdacht die Spirometrie keinen Hinweis auf eine Obstruktion ergibt, bleibt zur Diagnosesicherung vor allem die bronchiale Provokation.

Weil die aufwändig, begrenzt verfügbar und nicht ohne Risiko ist, schlagen Ärzte um Stefan Karrasch vom Münchner Klinikum rechts der Isar vor, stattdessen das fraktionierte exhalierte Stickstoffmonoxid (FeNO) zu bestimmen. Aufgrund einer Metaanalyse beurteilen die Ärzte die diagnostische Genauigkeit des FeNO-Wertes als "ausreichend".

Er eigne sich aber eher zur Bestätigung als zum Ausschluss eines Asthmas. Der FeNO-Wert ist ein indirekter Marker für das Ausmaß einer Atemwegsentzündung.

Metaanalyse mit 26 Studien

In die Metaanalyse wurden 26 Studien einbezogen, in denen Sensitivität und Spezifität des FeNO-Wertes mit denen einer Standarddiagnostik, zum Beispiel der Provokation oder einer Kombination verschiedener Tests, verglichen wurde. Die insgesamt 4518 Studienteilnehmer hatten Asthma-verdächtige Symptome, aber noch keine Diagnose. Der FeNO-Schwellenwert für ein Asthma variierte erheblich, von 10,5 bis 64 ppb, der mediane Grenzwert lag bei 30 ppb (Thorax 2016; online 7. Juli).

Die Sensitivität des FeNO, also die Fähigkeit, ein Asthma korrekt zu erkennen, war ebenfalls sehr unterschiedlich (16-94 Prozent); metaanalytisch ergab sich ein Wert von 65 Prozent. Gleiches galt für die Spezifität, also die richtige Identifizierung von Gesunden (31-98 Prozent); in der gemeinsamen Auswertung erreichte sie 82 Prozent.

Die diagnostische Odds Ratio belief sich auf 9,23: Patienten mit einem erhöhten FeNO-Wert haben demnach ein rund neunmal so hohes Risiko, tatsächlich an Asthma zu leiden, wie Patienten mit unauffälligen Werten. In der ROC(Receiver-Operator Characteristics)-Analyse ergab sich eine Fläche unter der Kurve von 0,80 (ideal ist ein Wert von 1, ein Wert von 0,5 ist eine Zufallsverteilung).

Höhere Cut-off-Werte für FeNO waren erwartungsgemäß mit einer höheren Spezifität assoziiert. Die Sensitivität wurde dadurch nicht herabgesetzt. Letztere variierte aber in Abhängigkeit von den verwendeten Messgeräten.

Da die Spezifität des FeNO in der Analyse höher war als die Sensitivität, eignet sich die Messung wahrscheinlich eher dazu, einen Asthmaverdacht zu stützen als ihn zu widerlegen.

Bei einer Asthmaprävalenz von median 39 Prozent in den untersuchten Studien ergibt sich für FeNO-Werte jenseits des Cut-off ein positiver Vorhersagewert (PPV) von 70 Prozent. "Dieser Wert ist vergleichbar mit den PPV etablierter Provokationstestungen", so Karrasch und Kollegen.

Optimaler Schwellenwert unklar

Wo der optimale Schwellenwert für eine klinische Entscheidungsfindung liegt, lässt sich aus der Metaanalyse aber nicht ableiten. Die Autoren der Metaanalyse plädieren deswegen dafür, jetzt eine Studie aufzulegen, in der ein vorab definierter Grenzwert evaluiert wird.

Ihrer Ansicht nach könnte ein Wert um 50 ppb geeignet sein. Werte über 50 ppb sind laut der US-amerikanischen Leitlinie ein Indikator für eine eosinophile Atemwegsentzündung und damit für ein Ansprechen auf Glukokortikoide. Aus diesem Grund könne allerdings bei Asthmasymptomen und unauffälligen FeNO-Werten der Ausschluss eines nicht eosinophilen Asthmas Schwierigkeiten bereiten.

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