Ärzte Zeitung, 19.09.2016

Diagnose nach dem 18. Lebensjahr

Spätes Asthma riskant für Herz und Hirn

Wer spät im Leben an einem Asthma bronchiale erkrankt, hat ein deutlich erhöhtes Risiko, sich auch noch eine Herz- oder Gefäßerkrankung zuzuziehen.

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Die Forscher verglichen in ihrer Studie Probanden mit einer frühen Asthma-Diagnose vor dem 18. Lebensjahr und solchen mit einer späten Diagnose.

© zlikovec / fotolia.com

MADISON. Für eine Studie zum Einfluss verschiedener Asthmaformen auf das Risiko für Herz-KreislaufErkrankungen haben Matthew Tattersall von der University of Wisconsin School in Madison und Kollegen insgesamt 1269 zu Beginn der Studie gefäßgesunde Teilnehmer der Wisconsin Sleep Cohort über einen Zeitraum von durchschnittlich knapp 14 Jahren beobachtet (J Am Heart Assoc 2016, online 24. August).

Die Wissenschaftler unterschieden dabei zwischen Probanden ohne Asthma, solchen mit einer frühen Diagnose der obstruktiven Atemwegserkrankung (vor dem 18. Lebensjahr) und solchen mit einer späten Diagnose (nach dem 18. Lebensjahr).

In der Gruppe der 55 Patienten mit frühem Asthma lag das mittlere Alter zum Zeitpunkt der Diagnose bei 8,9 Jahren. Die 111 Patienten mit spät einsetzendem Asthma waren bei der Diagnose im Durchschnitt bereits 39,5 Jahre alt gewesen.

Beobachtungszeitraum von 14 Jahren

In der gesamten Kohorte ereigneten sich während des Beobachtungszeitraums 223 kardiovaskuläre Zwischenfälle wie Herzinfarkt, Angina pectoris, Schlaganfall, Koronarrevaskularisation, Herzinsuffizienz oder Tod aus kardiovaskulärer Ursache. 179 dieser Ereignisse entfielen auf die Nichtasthmatiker, 22 auf die Spät- und 7 Ereignisse auf die Frühasthmatiker.

Die auf zehn Jahre berechnete Ereignisrate betrug bei den Spätasthmatikern 12,7 Prozent, bei den Frühasthmatikern 3,8 Prozent und bei den Nichtasthmatikern 8,9 Prozent.

Nachdem die Einflüsse potenzieller Störfaktoren wie Alter, Geschlecht, Raucherstatus, Diabetes, erhöhter Lipidspiegel, Hypertonie und Body-Mass-Index in der Kalkulation berücksichtigt worden waren, ergab sich für Patienten mit spät einsetzendem Asthma ein um rund 60 Prozent Im Vergleich zu den Nichtasthmatikern erhöhtes Risiko für die genannten kardialen und vaskulären Komplikationen.

Früh im Leben aufgetretenes Asthma führte hingegen nicht zu einer Risikosteigerung.

Spätes Asthma verläuft häufig schwer

Die Forschergruppe um Tattersall verweist darauf, dass spät und früh einsetzendes Asthma bronchiale zwei wesentlich verschiedene Krankheitstypen darstellen.

Wo für das Frühasthma die familiäre Belastung mit atopischen Erkrankungen, bakterielle und virale Infektionen sowie die Exposition gegenüber Tabakrauch als übliche Risikofaktoren anzusehen sind, spielen für das Spätasthma eine Vielzahl anderer Faktoren eine Rolle – darunter Umweltschadstoffe, Hormonhaushalt, belastende Erlebnisse und ASS-Einnahme.

Die Differenz schlägt sich auch in der Therapie nieder. Ein frühes Asthma spricht in der Regel gut auf die Behandlung mit inhalativen Kortikosteroiden an. Spätes Asthma hingegen verläuft häufiger schwer, ohne auf die Standardtherapie ausreichend zu reagieren. (rb)

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