Ärzte Zeitung, 20.12.2016

COPD

Faktoren für mangelnde Regenerationsfähigkeit entdeckt

Bei COPD ist die klassische Signalweitergabe des Wnt / beta-Catenin-Signalwegs durch den Liganden Wnt5a gestört. Dies schränkt die Regenerationsfähigkeit der Lunge deutlich ein, vermuten jetzt Münchner Forscher.

Faktoren für mangelnde Regenerationsfähigkeit entdeckt

Zigarettenrauch führt zu einer vermehrten Produktion von Wnt5a und in der Folge zu einer verschlechterten Regeneration der Lunge.

© xalanx / fotolia.com

MÜNCHEN. Bei einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) verliert die Lunge der Betroffenen ihre Fähigkeit, Schäden selber zu beheben.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am Helmholtz Zentrum München, Partner im Deutschen Zentrum für Lungenforschung (DZL), haben nun einen begründeten Verdacht, woran das liegen könnte. Im "Journal of Experimental Medicine" (2016; online 15. Dezember) machen sie das Molekül Wnt5a dafür verantwortlich.

Zerstörte Strukturen bleiben kaputt

Chronischer Husten ist meist das erste Anzeichen einer COPD. Im weiteren Verlauf kommen eine Verengung der Atemwege und oft ein Lungenemphysem, eine nicht umkehrbare Erweiterung und Schädigung der Lungenbläschen, hinzu.

"Der Körper ist nicht in der Lage, die zerstörten Strukturen wieder zu reparieren", so Dr. Dr. Melanie Königshoff, Leiterin der Abteilung Lungenreparatur und Regeneration (LRR) am Comprehensive Pneumology Center (CPC) des Helmholtz Zentrums München. Sie und ihr Team haben es sich zur Aufgabe gemacht, zu verstehen, wie es dazu kommt.

"In unserer aktuellen Arbeit konnten wir zeigen, dass sich bei einer COPD die Botenstoffe verändern, mit denen die Zellen der Lunge untereinander kommunizieren", wird Königshoff in einer Mitteilung des Helmholtz Zentrums zitiert.

Konkret stellten die Wissenschaftler fest, dass vermehrt das Molekül Wnt5a produziert wird und den für die Reparatur zuständigen klassischen (kanonischen) Wnt / beta-Catenin-Signalweg stört.

Der Wnt-Signalweg ist einer von vielen Wegen zur Weitergabe von Signalen, durch die Zellen auf äußere Veränderungen reagieren können. Der Signalweg ist nach seinem Hauptakteur "Wnt" benannt, einem Signalprotein, das als lokaler Vermittler eine wichtige Funktion bei der Entwicklung verschiedener tierischer Zellen einnimmt.

An der kanonischen (klassischen) Weiterleitung der Signale sind zahlreiche Proteine beteiligt, darunter als zentraler zellulärer Botenstoff beta-Catenin. Wirkt Wnt durch andere Botenstoffe, so spricht man von einem nicht-kanonischen Signalweg, dieser kann den kanonischen Signalweg negativ beeinflussen.

Auf der Suche nach Störsignalen

"Unsere Arbeitshypothese war, dass die Balance zwischen verschiedenen Wnt-Botenstoffen im Rahmen einer COPD nicht mehr im Gleichgewicht ist", erläuterte Dr. Hoeke Baarsma, LRR-Wissenschaftler und Erstautor der Studie in der Mitteilung. Entsprechend suchten die Forscher nach möglichen Störsignalen.

"Wir fanden sowohl im präklinischen Modell als auch in Gewebeproben von Patienten, dass insbesondere das nicht kanonische Molekül Wnt5a deutlich öfter und in einer veränderten Form in COPD-Geweben vorkommt."

Auch führten für COPD typische Reize wie etwa Zigarettenrauch den Autoren zufolge zu einer vermehrten Produktion von Wnt5a und in der Folge zu einer verschlechterten Regeneration der Lunge.

Im nächsten Schritt konnten die Forscher zeigen, woher das irrläufige Signal stammt: "Es wird von bestimmten Zellen des Bindegewebes produziert, den sogenannten Fibroblasten", so Baarsma. Behandelte man Lungenepithelzellen mit dem von den Fibroblasten ausgeschiedenen Wnt5a, so verloren diese ihre Fähigkeit zur Wundheilung.

Anders herum konnten die Wissenschaftler durch einen gegen Wnt5a gerichteten Antikörper in zwei verschiedenen Versuchsmodellen die Lungenzerstörung verlangsamen und die Lungenfunktion besser aufrechterhalten.

"Unsere Ergebnisse zeigen, dass die klassische Signalweitergabe des Wnt / beta-Catenin-Signalwegs durch den Liganden Wnt5a gestört wird. Das ist ein gänzlich neuer Mechanismus im Zusammenhang mit COPD und könnte zu neuen therapeutischen Ansätzen führen, die dringend zur Behandlung benötigt würden", ordnet Königshoff die Ergebnisse ein. (eb)

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