Ärzte Zeitung online, 29.03.2017
 

FLAME-Studie

COPD – Mit dualer Bronchodilatation weniger Exazerbationen

Bronchodilatatoren auf dem Vormarsch, ICS auf dem Rückzug und die Spirometrie nur noch für die Schweregradbeurteilung. So lassen sich die aktualisierten GOLD-Empfehlungen kurz zusammenfassen.

STUTTGART. Eine Exazerbation bei COPD-Patienten ist mehr als eine passagere Verschlechterung der Lungenfunktion. "Exazerbationen sind vielmehr prognostisch relevant, sie sind der Herzinfarkt der Lunge", so Professor Tobias Welte von der Medizinischen Hochschule Hannover.

Jede Exazerbation führe zu einer weiteren Verschlechterung der Lungenfunktion, erhöhe das Risiko für eine erneute Exazerbation und verkürze das Überleben. Vorrangiges Therapieziel müsse deshalb die Verhinderung von Exazerbationen sein.

In der aktualisierten GOLD-Empfehlung ist das Exazerbationsrisiko neben der Symptomlast auch das entscheidende Kriterium für das therapeutische Management, betonte Welte bei einem von dem Unternehmen Novartis unterstützten Symposium anlässlich des 58. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin. Dagegen wird die Spirometrie nur noch für die Beurteilung des Schweregrades und die Verlaufs- beziehungsweise Therapiekontrolle erwähnt, für das therapeutische Vorgehen, also die Wahl der Medikamente spielt sie keine Rolle mehr.

Bronchodilatatoren sind das A und O

Die Einordnung der Patienten erfolgt jetzt allein anhand der Symptomlast und der Anzahl der Exazerbationen. Dabei werden die Patienten in vier Gruppen, nämlich A (wenig Symptome und wenige Exazerbationen), B (starke Symptome und wenige Exazerbationen), C (wenig Symptome und häufige Exazerbationen) und D (starke Symptome und häufige Exazerbationen) eingeteilt.

"Für alle Patienten sind Bronchodilatatoren das Mittel der Wahl", sagte Dr. Kai-Michael Beeh, Leiter des Instituts für Atemwegsforschung Wiesbaden. Für Gruppe A reicht häufig eine kurzwirksame Substanz bei Bedarf. Bei Gruppe B und C kann man mit einem langwirksamen Beta-2-Mimetikum (LABA) oder Anticholinergikum (LAMA) beginnen, doch bei unzureichender Wirkung sollte eine Kombination von beidem eingesetzt werden. Eine solche Kombination sollte auch für Patienten der Gruppe D der Standard sein.Ein ICS sei nach den GOLD-Empfehlungen im Rahmen einer Triple-Therapie jenseits der LABA/LAMA-Kombi eine Option, so Beeh. Diese Empfehlungen basieren auf den Ergebnissen der FLAME-Studie. Im Rahmen dieser Studie wurde bei 3362 COPD-Patienten die LAMA/LABA-Kombination Indacaterol/Glycopyrronium (Ultibro® Breezhaler®) mit der LABA/ICS-Kombination Salmeterol/Fluticason über 52 Wochen verglichen.

Ergebnisse der FLAME-Studie

"Es fand sich unter LAMA/LABA eine Reduktion der Rate aller Exazerbationen um elf Prozent, die Rate moderater oder schwerer Exazerbationen wurde sogar um 17 Prozent im Vergleich zu LABA/ICS reduziert", so Professor Felix Herth, von der Thorax-Klinik der Universität Heidelberg.

Darüber hinaus war auch die Lungenfunktion unter LAMA/LABA besser und es wurden seltener Notfallmedikamente erforderlich. (sti)

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