Ärzte Zeitung, 27.06.2017
 

COPD

Maskenbeatmung lohnt als Zusatztherapie

Die häusliche, nichtinvasive Beatmungstherapie bringt bei Patienten mit schwerer COPD mehr als die alleinige Sauerstofftherapie.

In der Studie "HOT-HMV" erhielten 116 hyperkapnische COPD Patienten nach einer lebensbedrohlichen Exazerbation entweder eine Langzeit-Sauerstofftherapie (LOT), bei der über eine Nasenkanüle hochprozentiger Sauerstoff der Atmung zugefügt wird, oder Sauerstoff plus eine häusliche, nicht-invasive Beatmungstherapie (Home Mechanical Ventilation, HMV), bei der Umgebungsluft über eine Maske in die Atemwege gepumpt wird (JAMA 2017; 317(21): 2177-2186).

Die Ergebnisse: Bei den Patienten mit zusätzlicher Beatmungstherapie wurde die Zeit bis zum nächsten Klinikaufenthalt oder Tod um 50 Prozent verlängert. Das Risiko, im Folgejahr stationär behandelt zu werden oder zu sterben, wurde um 17 Prozent gesenkt, und die Rate der gefährlichen Exazerbationen wurde in der Studie um 35 Prozent verringert.

"Die Ergebnisse der britischen Studie belegen eindrucksvoll, dass eine nächtliche ‚Maskenbeatmung‘ eine wichtige Therapieoption bei hyperkapnischen COPD-Patienten ist", wird Professor Carl-Peter Criée, Vorsitzender der Deutschen Atemwegsliga, in einer Mitteilung der Deutschen Atemwegsliga zitiert.

Verantwortlich dafür seien zwei Effekte: Durch die Beatmungstherapie werde das CO2 ausgewaschen, und die Atemmuskulatur des Patienten könne sich während der Therapie, die in der Regel nur nachts während der Schlafphase erfolgt, erholen.

Professor Wolfram Windisch, Autor der Leitlinie zur außerklinischen Beatmung ergänzt: "Wir konnten diese Wirkung der Beatmungstherapie bei hyperkapnischen Patienten bereits in einer Deutsch-Österreichischen Studie 2014 nachweisen (Lancet Resp Med 2014; 2(9): 698-705). Diese Studie hat stabile COPD-Patienten untersucht. Die Kollegen aus Großbritannien haben nun gezeigt, dass die Beatmungstherapie zu Hause auch Patienten hilft, die gerade eine Exazerbation überstanden haben." Die Studienergebnisse würden in die gerade kurz vor Veröffentlichung stehenden Deutschen Leitlinien zur COPD bzw. zur nicht-invasiven und invasiven Beatmung einfließen, teilt die Deutsche Atemwegsliga mit.

Vielen Patenten, aber auch vielen niedergelassenen Ärzten, sei die Wirkung der häuslichen nächtlichen Beatmung noch nicht klar. Es werde daher eine wichtige Aufgabe in den nächsten Jahren sein, Versorgungskonzepte zu entwickeln, die die ambulante und stationäre Betreuung der Beatmungspatienten in Deutschland sicherstellen, so die Atemwegsliga. (ikr)

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