Ärzte Zeitung, 18.01.2016

Polysomnographie

Schlaflaborbefunde früh erheben!

Eine Polysomnographie im Schlaflabor liefert wertvolle Hinweise auf seltene neuromuskuläre Erkrankungen.

MAINZ. Schlafbezogene Atemstörungen (SBAS) sind ein Leitsymptom neuromuskulärer Erkrankungen und können einer klinisch auffälligen Atemschwäche am Tage über längere Zeit vorausgehen. Spätestens bei einer tagsüber im Sitzen und Liegen gemessenen inspiratorischen Vitalkapazität (IVCL) < 60 Prozent und exzessiver Tagesmüdigkeit sollte die Polysomnographie zu Rate gezogen werden.

Obwohl Atmungsstörungen - insbesondere die Atemschwäche - ein häufiges Leitsymptom neuromuskulärer Erkrankungen sind, werden sie nach wie vor unterschätzt, erklärte Professor Peter Young, Direktor der Klinik für Schlafmedizin und neuromuskuläre Erkrankungen, Universitätsklinikum Münster.

Wie der Experte auf einer vom Unternehmen Genzyme unterstützten Veranstaltung in Mainz erläuterte, ist die forcierte Vitalkapazität bei Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen in Rückenlage stärker eingeschränkt als im Sitzen, da vor allem das Zwerchfell als fast einziger inspiratorischer Muskel von der Atemmuskelschwäche betroffen ist.

Die Atemstörungen treten zuerst im Schlaf - und hier im REM-Schlaf - auf, umfassen neben Atempausen (Apnoen) periodische Abflachungen der Atemamplitude (Hypopnoen) oder eine kontinuierliche Hypoventilation mit CO2-Anstieg und erniedrigter Sauerstoffsättigung.

In fortgeschrittenen Stadien der Krankheit kommt es dann zu längeren Perioden mit Hypoventilation über alle Schlafstadien hinweg. Da eine Polysomnographie wertvolle Hinweise auf die Diagnose der seltenen neuromuskulären Erkrankungen liefert, sollten die Patienten möglichst frühzeitig im Schlaflabor untersucht werden - auch um sie entsprechend behandeln zu können.

Zur Therapie bei schlafbezogenen Atemstörungen biete sich eine nächtliche Atemunterstützung (NIV) per Masken-Überdruckbeatmung an. Sie verbessere die Tagessymptomatik, Blutgase und die Schlafarchitektur, reduziere Arousals, könne gut begleitet werden und genieße auch bei den Patienten hohe Akzeptanz, erläuterte der Schlafmediziner aus Münster.

Patienten mit Morbus Pompe haben dank der Enzymersatztherapie mit Alfaglucosidase alfa (Myozyme®) eine kausale, bei frühzeitigem Therapiestart prognostisch entscheidende Option. (ayaz)

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Schmerzloses Impfen per Pflaster

Forscher arbeiten an Impfpflastern, mit denen sich Vakzinen schmerzfrei applizieren lassen, ganz ohne Nadel. Die Pflaster haben viele Vorteile und könnten für höhere Impfraten sorgen. mehr »

Paul Ehrlich-Preis für Forschung zu Proteinfaltung

Für ihre Forschung zu Chaperonen erhalten Franz-Ulrich Hartl und Arthur L. Horwich den Paul Ehrlich-Preis 2019. Ihre Erkenntnisse könnten für neue Therapien bei neurodegenerativen Erkrankungen eingesetzt werden. mehr »

Ärzte sehr enttäuscht über Brexit-Votum

Das britische Parlament hat das von Premierministerin May ausgehandelte Brexit-Abkommen mit der EU abgeschmettert. Ärzte und Pharmabranche zeigen sich enttäuscht – und fordern endlich Klarheit. mehr »