Ärzte Zeitung online, 10.05.2019

Pneumologie

Idiopathischer Husten: Welche Therapieoptionen gibt es?

Bei bis zu jedem fünften Patienten mit chronischem Husten lässt sich keine eindeutige Ursache identifizieren. Hier gibt es Tipps vom Pneumologen.

Von Thomas Meißner

Idiopathischer Husten: Was die Hypersensitivität reduziert

Oft ist die Ursache für chronischen Husten unklar.

© Alen-D / stock.adobe.com

WIESBADEN. Trotz langer Suche, lässt sich bei bis zu 20 Prozent der Patienten mit chronischem Husten keine klare Ursache finden, hat Dr. Peter Kardos aus Frankfurt am Main beim DGIM-Kongress betont. Der Pneumologe wies er auf die häufige Assoziation mit gastroösophagealem Reflux hin: Tritt Husten nach dem Reflux auf, dürfte die Sensitivität des Hustenreflexes erhöht sein. Kommt es nach dem Husten zum Reflux, ist eher der untere Ösophagussphinkter geschwächt.

„Der eine Patient gehört zum Pneumologen, der andere zum Gastroenterologen“, sagte Kardos, der auch federführender Autor der neuen Husten-Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) ist (Pneumologe 2019; 73: 140).

Von einer probatorischen Therapie mit Protonenpumpenhemmern, Ranitidin oder Cisaprid rät Kardos ab: Die Verbesserung darunter beruhe in erster Linie auf einem erheblichen Placebo-Effekt, wie die Metaanalyse von 14 randomisierten kontrollierten Studien ergeben hat. „Eine Antireflux-Diät und die Gewichtsreduktion wirken besser hustenlindernd“, so der Pneumologe.

Fehlen typische Hustentrigger wie Asthma, Reflux, ACE-Hemmer-Therapie oder eine vorangegangene Rhinosinusitis und haben diagnostische Maßnahmen, auch zu extrapulmonalen Ursachen, nichts ergeben, muss von einem chronisch idiopathischen Husten gesprochen werden. Bei manchen Menschen liegt ein chronisches Husten-Hypersensitivitätssyndrom vor – eine rein klinische Diagnose. Sie husten bereits bei geringen thermischen, chemischen oder mechanischen Reizen. Manche müssen berufsbedingt viel sprechen, bei anderen stecken stark gewürzte Speisen dahinter, Passivrauchen, Dämpfe oder Temperaturwechsel. Unter Umständen besteht eine Koexistenz von Reflux oder Asthma und chronischer Husten-Hypersensitivität. Typischerweise ist der Husten trockenen, tritt vorwiegend tagsüber und nach charakteristischen Reizen auf. Frauen in der Menopause seien oft betroffen.

Die Therapie ist schwierig. Logopädische Maßnahmen oder physiotherapeutische Atemtherapie können zwar bei hochsensitivem Hustenreflex helfen, so Kardos. Dafür seien jedoch speziell ausgebildete Logopäden oder Physiotherapeuten nötig. Allgemein gehöre dies nicht zum Leistungsspektrum entsprechender Praxen.

Bleiben bekannte opioidhaltige Antitussiva im Off-label-Gebrauch wie Morphinsulfat mit bis zu zwei Mal 10 mg/Tag mit seinem bekannten Nebenwirkungsspektrum. Von Kodein riet Kardos eher ab. Besser seien Dextromethorphan oder Noscapin. Auf Amitryptilin (10 mg abends) oder auf Gabapentin (Anfangsdosis drei Mal 100 mg pro Tag, bis zu 1200 mg/Tag) sprechen 20 bis 25 Prozent der Patienten mit idiopathischem Husten an, so Kardos.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

NEU als Themen abonnierbar: Frauengesundheit und Kindergesundheit

Nicht mehr besEssen

Mit Essen gegen Essanfälle: Binge Eating-Patienten hilft ein Training, das sie per Expositionstherapie mit dem Verlangen konfrontiert. Der Erfolg ist vielversprechend. mehr »

Grünes Licht für höhere Pflege-Löhne

Die Pflegekräfte in Deutschland dürfen eine bessere Bezahlung erwarten: Das Bundeskabinett hat den staatlichen Eingriff in die Entwicklung der Pflege-Löhne durchgewunken. mehr »

Zitternde Merkel sorgt für Aufsehen

Der Zitteranfall von Angela Merkel beim Treffen mit dem neuen ukrainischen Präsidenten wirft Fragen zum Gesundheitszustand der Kanzlerin auf. Ärzte schätzen den Vorfall ein. mehr »