Ärzte Zeitung online, 24.04.2019

In Entwicklung

Arzneimittel per Kontaktlinse verabreichen

Medikamente per Kontaktlinse – an einem solchen Konzept arbeiten internationale Forscher. Die Wirkstoffe werden an die Innenseite der Linse geheftet – mithilfe eines besonderen Stoffes.

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Kontaktlinsen sollen künftig längerfristig Medikamente freisetzen können.

© Fraunhofer IAP

POTSDAM. Kontaktlinsen, die Medikamente gezielt und über eine lange Zeit freisetzen, entwickeln Forscher des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit internationalen Kollegen. Künftig könnten Arzneimittel wie Analgetika in Liposomen verkapselt an die Innenseite der Kontaktlinsen gebunden werden, berichtet das IAP.

Auf diese Weise könne der Wirkstoff länger im Auge wirken, denn bei der lokalen Therapie von Augenkrankheiten entfalten oft nur rund fünf Prozent eines Medikaments ihre Wirkung im Gewebe des Auges, erinnert das Institut.

Die israelische Partnerfirma des IAP „EyeYon Medical“ habe bereits medizinische Kontaktlinsen zur Verabreichung von Medikamenten entwickelt, die eine längere Verweilzeit von Wirkstoffen ermöglichen. Nahum Ferera, CEO von EyeYon Medical erklärt in der Mitteilung: „Die Zeitspanne, über die das Medikament bei diesen Kontaktlinsen freigegeben wird, beträgt bisher circa 20 Minuten. Diese Zeit und die Bioverfügbarkeit möchten wir verlängern.“

Zuckerpolymere als Hilfsmittel

Die Wissenschaftler um Dr. Ruben R. Rosencrantz vom IAP wollen die Kontaktlinse außerdem mithilfe von Zuckerpolymeren besonders verträglich machen. „In der Schleimschicht des Auges ermöglichen Zucker beispielsweise das reibungslose Gleiten des Augenlides“, erinnert Rosencrantz.

Um diesen Effekt auch mit der Kontaktlinse zu erreichen, haben die IAP-Forscher stark zuckerhaltige Polymere entwickelt, sogenannte Glykopolymere. Diese werden einerseits auf der Oberfläche der gesamten Kontaktlinse gekoppelt, andererseits können sie Bestandteile der Liposomen sein, die den Arzneistoff in sich tragen, so das IAP.

Sicherstellen müssen die Forscher auch die Biokompatibilität aller verwendeten Komponenten. „Wenn Funktion und Biokompatibilität der Kontaktlinse sichergestellt sind, muss aber auch gewährleistet sein, dass das Glykopolymer in großen Mengen hergestellt werden kann“, so Rosencrantz. (eb/bae)

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