Ärzte Zeitung, 09.10.2006
 

Online-Datenbank listet Hilfsangebote für Demenzkranke auf

Neues Internetangebot in Nordrhein-Westfalen / Erleichterung für Angehörige / Bundesweit leiden fast eine Million Menschen an Demenz

KÖLN (pah). Eine neue Online-Datenbank soll Angehörigen, Pflegern und Ärzten schnelle Orientierung über Hilfsangebote für Demenzkranke bieten. Auf einer Internetseite können sie unter 1400 Einrichtungen nach passenden, in der Nähe gelegenen Angeboten suchen.

Das Verzeichnis hat die Landesinitiative Demenz-Service Nordrhein-Westfalen erstellt - ein Netzwerk aus professionellen und ehrenamtlichen Einrichtungen. "Das Wissen über Hilfsangebote entlastet die Angehörigen", sagt Christine Sowinski vom Kuratorium Deutsche Altenhilfe (KDA) in Köln. "Eine Demenzerkrankung treibt Betroffene und Angehörige häufig in die Isolation." Das KDA koordiniert die Arbeit der Landesinitiative.

Finanziert wird das Online-Verzeichnis vom nordrhein-westfälischen Sozialministerium, der landeseigenen Stiftung Wohlfahrtspflege und den Pflegekassen. In Nordrhein-Westfalen leben ungefähr 300 000 Demenzkranke, bundesweit sind es etwa eine Million. Mit 70 Prozent ist Alzheimer die häufigste Ursache für eine Demenz. Zumeist übernehmen Angehörige die zeitaufwendige Betreuung.

"Pflegende Angehörige sind rund um die Uhr gefordert und können oft nur kurz das Haus verlassen, um zum Beispiel in großer Eile einkaufen zu gehen", sagt Sowinski. Die Online-Datenbank soll ihnen helfen, geeignete Helfer zu finden und die Angebote zu vergleichen. "Das sorgt für mehr Transparenz auf dem Markt und mittelfristig auch für mehr Qualität", sagt Roland Borosch, Ministerialrat beim Landessozialministerium.

Auch an Ärzte, die mit Demenzkranken zu tun haben, wendet sich die Initiative. "Ärzte haben häufig das Problem, daß sie nicht wissen, welche weiterführenden Angebote es für Patienten gibt", sagt Sowinski vom KDA. "Sie können die Datenbank nutzen, um Patienten eine weitere Hilfe zu geben."

Die Landesinitiative beteiligt sich auch am Dialogzentrum Demenz am Institut für Pflegewissenschaft der Privatuniversität Witten/Herdecke. Hier tauschen sich Mitarbeiter der Demenz-Servicestellen mit Wissenschaftlern aus, um die Praxisrelevanz der Forschung zu verbessern und umgekehrt der Praxis wissenschaftliche Ergebnisse zur Verfügung zu stellen.

Weitere Infos: www.demenz-service-nrw.de

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