Ärzte Zeitung App, 09.01.2014

Depression und Demenz

Gefäße als Bindeglied

Depressive Episoden erhöhen das Demenz-Risiko, bestätigt eine aktuelle Metaanalyse. Eine antidepressive Behandlung senkt möglicherweise dieses Risiko.

Von Michael Hüll

Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Auftreten einer ersten späten depressiven Episode (nach dem 50. Lebensjahr) und einer nachfolgenden vaskulären Demenz oder Alzheimer-Demenz?

Zahlreiche Studien zeigten, dass depressive Episoden das Risiko einer Demenz erhöhen. Differenzielle Untersuchungen, ob speziell das Risiko für eine vaskuläre Demenz oder Alzheimer-typische Demenz gilt, wurden nur vereinzelt durchgeführt.

US-Psychiater haben nun eine Metaanalyse aller verfügbaren, prospektiven, populationsbasierten Kohortenstudien mit Erfassung inzidenter Demenzen durchgeführt.

Erheblicher Anteil des Demenzrisikos geht von Depressionen aus

Mehr zum Thema

Die Insider der Neurologie sind selbstbewusst und optimistisch. Das liegt auch an vielen therapeutischen Innovationen - beispielsweise im Kampf gegen Multiple Sklerose. Warum, das lesen Sie im Dossier ZNS der "Ärzte Zeitung" ...

Die Ergebnisse: Insgesamt 23 Studien mit Daten von rund 50.000 Patienten, von denen 10 % nach dem 50. Lebensjahr eine depressive Episode durchlebten (Late-life-Depression), wurden gefunden.

Nach einer depressiven Episode stieg das Risiko einer vaskulären Demenz um das 2,6-fache (1,4-5,2) und das Risiko für eine Alzheimer- Demenz um das 1,5-fache (1,2-1,9).

Die Autoren schließen daraus, dass ein erheblicher Anteil des Demenzrisikos von Depressionen ausgeht und insbesondere eine Prävention von Depressionen im Alter geeignet ist, das Demenzrisiko zu reduzieren.

Die Fakten sind bekannt und unbestritten: Depressive Episoden erhöhen das Risiko für das Auftreten einer (vaskulären) Demenz.

Verknüpfung zwischen Depression und vaskulären Hirnveränderungen

Für den Zusammenhang von Depressionen und vaskulärer Demenz werden zwei Wechselwirkungsmechanismen diskutiert: Zum einen kann depressives Verhalten als ein Risiko für Gefäßschäden angesehen werden, in dem Sinne, dass Depression mit einer mangelnden Compliance bei der Behandlung mit Antihypertensiva und/oder Antidiabetika einhergeht sowie oft mit Bewegungsmangel und metabolischem Syndrom verknüpft ist. Zum anderen können vaskuläre Hirnschäden als Risiko für die Entstehung einer Depression angesehen werden (Hypothese der vaskulären Depression).

Die vorliegende Metaanalyse sowie viele Bildgebungsstudien betonen damit die Verknüpfung zwischen Depression und vaskulären Hirnveränderungen, wogegen eine Verknüpfung zwischen Depression und Amyloidpathologie von untergeordneter Bedeutung ist.

Sollte der Weg von depressivem Verhalten hin zu weiteren gefäßbedingten Hirnschäden bedeutsam sein, könnten vaskuläre Demenzen durch eine antidepressive Behandlung, und hier vor allem durch eine Verhaltenstherapie, reduziert werden.

Der Beitrag von Professor Michael Hüll, Zentrum für Geriatrie und Gerontologie, Uniklinik Freiburg, ist erstmals erschienen in: InFo Neurologie & Psychiatrie 2013/10, basierend auf: Br J Psychiatry 2013; 202: 329-335.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Intensives Ausdauertraining bremst frühen Parkinson

Sport lohnt sich: Kommen Parkinsonkranke im frühen Stadium regelmäßig ins Schwitzen, bleiben ihre motorischen Fähigkeiten über mindestens ein halbes Jahr hinweg stabil. mehr »

Wo und wann sich Patienten im Krankenhaus wohlfühlen

Die Bertelsmann Stiftung hat untersucht, wo Patienten ihren Klinikaufenthalt am besten bewerten. Dabei fanden die Analysten interessante Zusammenhänge heraus. mehr »

Krebsüberlebende nach Infarkt oft untertherapiert

Patienten mit Herzinfarkt, die eine Krebsdiagnose in ihrer Anamnese stehen haben, erhalten seltener eine leitliniengerechte Therapie. Das wirkt sich auch auf die Mortalität aus. mehr »