Ärzte Zeitung online, 24.01.2019

Neurofilamente

Alzheimer-Verlauf früh im Blut verfolgbar

Die Veränderung der Konzentration von Neurofilamenten im Blut gibt offenbar gut darüber Auskunft, wie eine Alzheimer-Erkrankung verlaufen wird.

Alzheimer-Verlauf früh im Blut verfolgbar

Nicht nur bei Alzheimer, auch bei weiteren neurodegenerativer Erkrankungen kommt es im Blut zur Anreicherung von Neurofilamenten.

© freshidea / stock.adobe.com

TÜBINGEN. Forscher haben einen Bluttest entwickelt, mit dem sich der Krankheitsverlauf einer Alzheimer-Erkrankung lange vor Auftreten der ersten klinischen Symptome genau verfolgen lässt.

Das berichten das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE), das Hertie-Institut für klinische Hirnforschung (HIH) und des Universitätsklinikum Tübingen in einer gemeinsamen Mitteilung. Der Bluttest biete neue Möglichkeiten in der Therapieforschung.

Die Studie wurde vom DZNE, HIH und dem Uniklinikum Tübingen gemeinsam mit einem internationalen Forschungsteam durchgeführt.

Die meisten Bluttests auf Alzheimer beruhten auf dem Nachweis von Amyloid-Proteinen, heißt es in der Mitteilung. Der nun entwickelte Test jedoch messe die leichten Ketten von Neurofilamenten, die nach dem Absterben von Nervenzellen im Blut nachweisbar sind.

In der aktuellen Studie zeigen die Wissenschaftler, dass sich das Filament schon in der präklinischen Phase im Blut anreichert, dass es sehr empfindlich den Verlauf der Krankheit widerspiegelt und Vorhersagen über künftige Entwicklungen ermöglicht (Nat Med 2019; online 21. Januar).

Entwicklung der Filament-Konzentrationen im Blick

Die Studie basiert auf Daten und Proben von 405 Personen, die im Rahmen eines internationalen Forschungsverbunds – dem „Dominantly Inherited Alzheimer Network“ (DIAN) – erhoben wurden.

Dieses Netzwerk untersucht Familien, bei denen aufgrund genetischer Veränderungen eine Alzheimer-Erkrankung schon im mittleren Alter auftritt. Genetische Analysen erlauben ja recht genaue Vorhersagen darüber, ob und wann ein Familienmitglied an Demenz erkranken wird.

Bei diesen Personen verfolgten Studienleiter Professor Mathias Jucker und Kollegen die Entwicklung der Filament-Konzentration von Jahr zu Jahr. Dabei stellten sie fest: Bis zu 16 Jahre vor dem errechneten Eintreten von Demenzsymptome gab es im Blut auffällige Veränderungen.

„Es ist nicht der absolute Wert der Filament-Konzentration, sondern deren zeitliche Entwicklung, die wirklich aussagekräftig ist und Vorhersagen über den weiteren Krankheitsverlauf erlaubt“, wird Jucker zitiert.

In weiteren Untersuchungen zeigten die Wissenschaftler, dass die Veränderung der Neurofilament-Konzentration den neuronalen Abbau sehr exakt widerspiegelt und gute Prognosen darüber erlaubt, wie sich das Gehirn in den nächsten Jahren entwickeln wird.

„Wir konnten Vorhersagen über den Verlust von Hirnmasse und über kognitive Beeinträchtigungen machen, die dann zwei Jahre später tatsächlich eingetreten sind“, so Jucker.

Test eignet sich nur bedingt zur Alzheimer-Diagnose

Während sich also herausstellte, dass die Veränderungsrate der Filament-Konzentration und der Abbau von Hirngewebe eng miteinander korrelierten, war der Zusammenhang mit der Ablagerung toxischer Amyloid-Proteine weit weniger ausgeprägt.

Diese Beobachtung stützt die Annahme, dass Amyloid-Proteine zwar ein Auslöser der Erkrankung sind, der neuronale Abbau im weiteren Verlauf jedoch unabhängig erfolgt.

Nicht nur bei Alzheimer, auch bei weiteren neurodegenerativer Erkrankungen kommt es im Blut zur Anreicherung von Neurofilamenten. Damit eignet sich der Test nur bedingt zur Alzheimer-Diagnose.

„Der Test zeigt aber sehr genau den Krankheitsverlauf an und ist damit ein ausgezeichnetes Werkzeug, um in klinischen Studien neue Alzheimer-Therapien zu erforschen“, sagt Jucker. (eb/grz)

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