Ärzte Zeitung online, 02.07.2019

Hessen

Modellprojekt gegen Depression angelaufen

Hausärzte in Hessen gehen neue Wege, um Menschen mit Depressionen und Angststörungen zu helfen.

FRANKFURT/MAIN. Hausärzte in Hessen gehen neue Wege, um Menschen mit Depressionen und Angststörungen zu helfen.

Dafür hat die Techniker Krankenkasse zusammen mit weiteren Partnern das Pilotprojekt PREMA gestartet: „eHealth gestütztes Case-Management für psychisch Erkrankte in der hausärztlichen Primärversorgung“. PREMA wird für vier Jahre mit 4,9 Millionen Euro finanziert.

2000 Patienten sollen daran teilnehmen. Beteiligt sind neben der TK auch die KV Hessen, der Technik-Anbieter TelePsy, die Goethe-Universität Frankfurt sowie die Universitätsklinika Hamburg und München.

Laut TK unterstützt es Hausärzte mit einem strukturierten Versorgungsprogramm, psychische Erkrankungen sicher und frühzeitig zu erkennen. (eb)

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[05.07.2019, 16:13:23]
Dr. Klaus Jost 
Pilotprojekt löst nicht den Mangel in der ambulanten Psychotherapie
In einem hessischen Pilotprojekt namens PREMA sollen angesichts langer Wartezeiten auf einen Psychotherapieplatz Menschen mit Depressionen und verschiedenen Angststörungen ein Jahr lang über Hausarztpraxen betreut werden. Als ob Hausärzte nicht schon bisher bis zum Anschlag körperlich erkrankte Patienten versorgen und oft neue Anfragen nicht bedienen können! Zudem haben Studien immer wieder gezeigt, dass viele Hausärzte Depressionen, die sich u. U. auch nur in Form körperlicher Symptome äußern können, sehr spät oder gar nicht erkennen.
Das Projekt sieht vor, dass medizinische Fachangestellte (MFA) - früher Sprechstundenhilfen genannt - einen wichtigen Part in der Einschätzung und Betreuung von Patienten mit psychischen Störungen übernehmen. Ohne dieser Berufsgruppe zu nahe treten zu wollen, dafür sind die Fachangestellten nicht befähigt und ausgebildet! Sie in dem Projekt als „Case Manager“ zu bezeichnen, mag sie sprachlich aufwerten, qualifiziert sie jedoch keineswegs, Patienten mit ernst zu nehmenden seelischen Störungen, die auch die Gefahr der Suizidalität beinhalten können, richtig einzuschätzen und zu begleiten. Menschen mit Depressionen und Angststörungen sind ebenso wie körperlich Erkrankte wertzuschätzen, indem sie in welchem Rahmen auch immer von speziellen Fachkräften beraten, betreut und versorgt werden. Die Befähigung zu ihrer Behandlung setzt eine jahrelange Ausbildung zum Psychologischen oder Ärztlichen Psychotherapeuten voraus. Die Not psychisch Kranker, einen Therapieplatz zu finden und lange Wartezeiten in Kauf nehmen zu müssen, wird nicht nachhaltig durch ein auf vier Jahre begrenztes, in seiner Wirkung höchst fragwürdiges Projekt gelindert. Die Lösung kann nur sein, fachlich, durch qualifiziertes Personal geführte Beratungsstellen für Menschen mit psychischen Störungen auszubauen. Eine längst überfällige Aufstockung von Zulassungen Psychotherapeutischer Praxen - insbesondere in ländlichen Bereichen - würde endlich unzumutbare Wartezeiten auf eine qualifizierte Behandlung beenden.

Dr. Klaus Jost
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