Ärzte Zeitung, 15.11.2004

Insulindetemir hilft auch, wenn die Therapie schwierig ist

Praxiserfahrungen mit dem Basalinsulin stützen die Studienergebnisse / HbA1c-Werte werden verringert, Hypoglykämieraten werden gesenkt

WIESBADEN (hbr). Seit kurzem ist Insulindetemir als Basalinsulin auch in Deutschland erhältlich. Erfahrungen aus der Praxis unterstützen die Studienergebnisse mit dem Antidiabetikum: Die Hypoglykämieraten werden verringert. Auch das Gewicht wird günstig beeinflußt.

"Bei zirka 75 Prozent der Patienten wurde das Problem, weshalb ich ihnen ein neues Insulin gegeben habe, deutlich verringert", sagte Dr. Markus Eidenmüller aus Marburg beim Kirchheim-Forum Diabetes in Wiesbaden.

Der Diabetes-Spezialist hat seit März 350 Patienten damit behandelt. Etwa 55 Typ-1- und 220 Typ-2-Diabetiker injizieren das Insulin-Analogon seit mindestens sechs Wochen.

Im Vergleich zu üblichen NPH-Basalinsulinen (Neutral Protamin Hagedorn) hat Insulindetemir (Levemir®) ein flaches Wirkprofil mit abgeschwächter Spitze. Bei 90 Prozent der so behandelten Typ-1-Diabetiker sank entsprechend die Hypoglykämierate. Eine 60jährige Patientin mit einer Diabetesdauer von 40 Jahren etwa konnte damit ihre Stoffwechseleinstellung erheblich verbessern: Sie hatte zuvor für den Basalbedarf morgens und mittags ein NPH-Insulin injiziert und zur Nacht Semilente®, um das DAWN-Phänomen mit seinen hohen Morgenwerten zu kontrollieren. Trotzdem schwankten ihre Werte stark. Hohe Nüchternwerte und Nacht-Hypoglykämien kamen vor, und der HbA1c lag trotz Unterzuckerungen bei 7,1 Prozent.

Das Ergebnis nach sechs Monaten mit Insulindetemir morgens und abends: Bessere Nüchternwerte, stabilerer Blutzuckerverlauf, ein HbA1c-Wert von 6,3 Prozent und erheblich weniger Hypoglykämien - in der Regel steigt die Rate, wenn der HbA1c-Wert sinkt, erinnerte der Diabetologe.

Ähnliche Effekte fand er auch bei Patienten mit Typ-2-Diabetes, die teilweise zusätzlich eine bessere Gewichtskontrolle feststellten: Bei jedem Vierten blieb das Gewicht stabil, so Eidenmüller bei einem Symposium des Unternehmens Novo Nor-disk. Zwei Drittel nahmen in den ersten drei Monaten sogar bis zu drei Kilogramm ab.

Die Umstellung auf Isulindetemir verlief fast immer erfolgreich, sagte er. Zu beachten ist aber, daß Insulindetemir länger wirkt als herkömmliche Basalinsuline - dadurch kann der Insulinbedarf pro Broteinheit beim Frühstück sinken. Auf diese Möglichkeit sollte der Patient hingewiesen werden.

Nur bei drei der insgesamt 350 Patienten wurde eine Rückumstellung auf die vorherige antidiabetische Therapie erforderlich; in einem Fall trat Juckreiz als Unverträglichkeitsreaktion auf.

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