Forschung und Praxis, 13.12.2004

Glitazone unterscheiden sich im Lipideffekt

Als Agonisten des PPARγ-Rezeptors gehören Pioglitazon (Actos®) und Rosiglitazon (Avandia®) zur Wirkstoffklasse der Thiazolidendione (Glitazone). Beide verbessern sie die Blutglukose-Kontrolle durch Verminderung der Insulinresistenz. Trotz Zugehörigkeit zur gleichen Klasse sprechen Ergebnisse einer neuen Vergleichsstudie zumindest in einer Hinsicht gegen einen Klasseneffekt: In der Wirkung auf das Lipidprofil scheinen sich beide Substanzen zu unterscheiden.

Eine Arbeitsgruppe um Dr. Ronald Goldberger aus Miami hat über einen Zeitraum von 24 Wochen 369 Patienten mit Pioglitazon (Zieldosis: 45 mg einmal täglich) und 366 Patienten mit Rosiglitazon (Zieldosis: 4 mg zweimal täglich) behandelt. Alle Studienteilnehmer waren Typ-2-Diabetiker, die außer der Studienmedikation weder weitere orale Antidiabetika noch Lipidsenker erhielten. Etwa 80 Prozent der Patienten beendeten die Studie planmäßig nach 24 Wochen.

In puncto Blutzuckerkontrolle waren beide Antidiabetika von gleicher Effizienz: In der HbA1c-Senkung bestand kein signifikanter Unterschied zwischen beiden Behandlungsgruppen. Unterschiede ergab allerdings die Analyse der Lipideffekte, die in der mit Pioglitazon behandelten Gruppe im Vergleich positiver ausfielen. So wurden die Nüchtern-Triglyzeridspiegel in dieser Gruppe um 12,0 Prozent gesenkt, während sie in der Rosiglitazon-Gruppe um 14,9 Prozent anstiegen.

Das HDL-Cholesterin wurde durch beide Substanzen erhöht, in der Pioglitazon-Gruppe jedoch in stärkerem Maße als in der Vergleichsgruppe (+ 14,9 versus + 7,8 Prozent). Beide Glitazone führten auch zu einer Erhöhung des LDL-Cholesterins, diesmal jedoch Rosiglitazon in stärkerem Maße als Pioglitazon (+ 23,3 versus + 15,7 Prozent). Und auch die Zunahme der LDL-Partikelgröße - ein Zeichen für eine Verringerung der Atherogenität dieser Partikel - war in der Pioglitazon-Gruppe deutlicher als in der Vergleichsgruppe.

Noch weiß allerdings niemand, ob und in welchem Maße diese Unterschiede von Relevanz für die klinische Wirkung auf die Inzidenz kardiovaskulärer Ereignisse sind. Große Endpunktstudien, in denen diese Frage geklärt werden soll, laufen bereits seit einiger Zeit.

So wird beispielsweise in der europäischen PROactive-Studie der Effekt einer Sekundärprävention mit Pioglitazon auf die Inzidenz von makrovaskulären Komplikationen untersucht. Ingesamt 5238 Typ-2-Diabetiker mit Manifestationen einer Gefäßerkrankung wie Myokardinfarkt in der Vorgeschichte nehmen an dieser Studie teil. (ob)

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