Ärzte Zeitung, 19.01.2005

Neues Insulin mit gleichmäßiger Wirkung über 20 Stunden

Bei Insulin detemir bewahrt ein Verzögerungsmechanismus vor Unterzuckerung / Präparat liegt in löslicher Form vor

GRÜNWALD (sto). Das Wirkprofil von Insulin detemir (Levemir®) ist wesentlich flacher als das von NPH-Insulin. Ein Wirkmaximum, wie beim NPH-Insulin etwa vier Stunden nach der Injektion, läßt sich somit vermeiden. Dadurch verringere sich das Risiko einer Unterzuckerung stark, so Professor Petra-Maria Schumm-Draeger aus München.

Besonders ausgeprägte und nächtliche Hypoglykämien seien bei einer Behandlung mit Insulin detemir, das seit September 2004 verfügbare Basalinsulin, bei ansonsten gleich guter Stoffwechselkontrolle deutlicher seltener, betonte die Endokrinologin aus München-Bogenhausen.

So traten im Vergleich zweier Basis-Bolus-Regime bei Patienten mit Typ-1-Diabetes unter Insulin detemir plus Insulin aspart insgesamt 21 Prozent weniger Hypoglykämien im Vergleich zur Therapie mit NPH-Insulin plus Humaninsulin auf. Die Zahl nächtlicher Unterzuckerungen war um 55 Prozent niedriger.

Die gleichmäßige Insulinwirkung über etwa 20 Stunden werde durch einen Verzögerungsmechanismus an der Injektionsstelle durch die Bildung von kurzen Hexamer-Ketten sowie durch die Bindung von Insulin an Albumin erreicht, erläuterte Schumm-Draeger bei den Grünwal-der Gesprächen, die von dem Unter-nehmen Novo Nordisk unterstützt wurden.

Aus der Albuminbindung heraus werde Insulin detemir kontinuierlich freigesetzt, was zu stabilen und re-produzierbaren Blutzuckerspiegeln mit geringer intraindividueller Vari-abilität führe. Insulin detemir liege zudem in löslicher Form vor und müsse daher nicht wie andere Basalinsuline vor der Injektion durchmischt werden, erläuterte Schumm-Draeger.

Ein weiterer Vorteil von Insulin detemir sei, daß es bei Patienten mit Typ-1-Diabetes während einer Behandlung praktisch zu keiner Gewichtszunahme komme. Die günstige Gewichtsentwicklung sei unabhängig von der Injektionszeit. Gleiches gelte für Patienten mit Typ-2- Diabetes, bei denen die Angst vor einer Gewichtszunahme immer wieder zu Verzögerungen einer Insulintherapie führe, so Schumm-Draeger.

In einer Studie über sechs Monate mit 505 Patienten mit Typ-2-Diabetes nahmen die mit Insulin detemir behandelten Patienten im Durchschnitt lediglich um 400 Gramm zu im Vergleich zu 1,2 Kilogramm bei Patienten, die NPH-Insulin bekommen hatten.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

Lesen Sie alles wichtige aus den Bereichen Medizin, Gesundheitspolitik und Praxis und Wirtschaft.

Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Dicker Hals = dickes Risiko fürs Herz

Nicht nur ein dicker Bauch spricht Bände – der Halsumfang eignet sich ebenfalls, um das kardiovaskuläre Risiko abzuschätzen. mehr »

Junge Ärzte müssen etwas zur Versorgung auf dem Land beitragen!

Politik und Verbände mühen sich ab, um junge Ärzte für die Versorgung auf dem Land zu begeistern. Blogger Dr. Jonas Hofmann-Eifler sieht die Verantwortung ein Stück weit auch bei sich und seinen Kollegen. mehr »

MDK lehnt Pflegeanträge seltener ab

Kommen die Pflegereformen bei den Versicherten an? Neuen Zahlen zufolge fallen weniger Antragssteller durchs Raster und erhalten somit Leistungen. mehr »