Ärzte Zeitung, 23.06.2005

Faustformel für Insulinbedarf bei Streß errechnet

SAN DIEGO (ner). Streßhormone haben Insulin-antagonistische Effekte, was bei der Blutzuckereinstellung von Diabetikern berücksichtigt werden muß. Beim Diabetes-Kongreß in San Diego im US-Staat Kalifornien wurde eine einfache Faustformel zur Anpassung der Insulindosis vorgestellt.

"Es ist wichtig bei Diabetikern die Streßlevel zu berücksichtigen", sagte Professor Lois Jovanovic vom Diabetes-Forschungszentrum in Santa Barbara in Kalifornien bei der Jahrestagung der American Diabetes Association (ADA). Denn Streß beeinflusse den Insulinbedarf.

Wie hoch dieser Bedarf ist, könne mit folgender Berechnung eingeschätzt werden: Körpergewicht (kg) mal Konstante ist gleich benötigte Insulin-Einheiten pro kg pro Tag.

Die Konstante ergibt sich folgendermaßen:

  • kein Streß: 0,6
  • wenig Streß: 0,7 bis 0,8
  • moderater Streß: 0,8 bis 1,0
  • starker Streß (lebensbedrohlich oder Ketoazidose): 1,0 bis 2,0

Der Streß kann nicht nur psychischer oder physischer Art sein, etwa nach einem Trauma oder bei Entzündungen, sondern auch hormoneller Natur. Dies betrifft zum Beispiel Kinder mit einem Typ-1-Diabetes, die in die Pubertät kommen, Frauen in der Schwangerschaft, besonders im zweiten und dritten Schwangerschaftsdrittel, oder Frauen während der Menstruation. So habe Progesteron Insulin-antagonistische Wirkungen, die den Insulinbedarf um 20 bis 30 Prozent steigern könnten, sagte die Diabetologin.

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