Diabetes

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Ärzte Zeitung, 22.07.2005

Infarkt in Beinmuskeln schmerzt wie Muskelriß

Bislang kaum bekannt: Diabetischer Muskel-Infarkt / Sonographie unterstützt die Diagnostik

ULM (ner). Wenn Diabetiker über akute und lokal begrenzte Schmerzen in den Extremitäten klagen, ohne daß ein Trauma vorangegangen ist, kann es sich um einen diabetischen Muskelinfarkt (DMI) handeln. Das Krankheitsbild ist weitgehend unbekannt. Es geht mit einer schlechten Langzeitprognose einher.

Ein Kollege untersucht das Bein und die Beweglichkeit des Kniegelenks bei einem Patienten. Foto: AOK Mediendienst

Die Betroffenen könnten oft sehr genau angeben, wann der Schmerz begonnen habe, berichten René Schmidt und seine Kollegen von der Orthopädischen Klinik der Universität Ulm (Orthopäde 34, 2005, 210). Die Schmerzen seien gut lokalisierbar, und bei der Untersuchung falle eine Schwellung auf. Jeder zweite habe auch eine palpable Masse, so die Orthopäden. Hautveränderungen fehlen meist.

Größtenteils treten Symptome an der Beinmuskulatur auf. Allerdings gebe es keine bevorzugte Lokalisation oder häufig betroffene einzelne Muskelgruppen.

Warum es gerade in den gut mit Blut versorgten Muskeln zu Infarkten kommen kann, ist weitgehend unklar. Für thromboembolische Gefäßverschlüsse gibt es oft keinen Nachweis. Diskutiert werden atherosklerotische und mikroangiopathische Veränderungen, eine durch den Diabetes erworbene Hyperkoagulabilität oder immunologische Reaktionen.

Auffällig sei, daß hauptsächlich Patienten mit langjährigem Diabetes (Typ 1 und 2) betroffen sind, bei denen bereits typische Diabetes-Komplikationen vorliegen, so Schmidt. Wie oft ein DMI auftritt, ist ebenfalls unbekannt - erst seit Beginn der 1990er Jahre gibt es regelmäßige Berichte.

Die Diagnose wird klinisch sowie mit Hilfe der Sonographie und der Magnetresonanztomographie gesichert. Biopsien sind selten nötig. Laborparameter wie Blutsenkungsgeschwindigkeit, CRP, CK oder die Leukozytenzahl helfen selten weiter.

Differentialdiagnostisch ausgeschlossen werden müssen in erster Linie Venenthrombosen, Infektionen, knöcherne Prozesse und entzündliche Muskelerkrankungen.

Die Therapie ist symptomatisch mit Entlastung und Analgetika. Zum Teil wird auch die Antikoagulation empfohlen, wenn die Gerinnungsparameter verändert sind.

Kurzfristig bessern sich die Beschwerden meist gut. Jedoch bekommen über 60 Prozent der Betroffenen Rezidive. Viele Patienten mit DMI sterben in der Folgezeit aufgrund vaskulärer Ereignisse.

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