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HINTERGRUND

Neue Pens, Pumpen, Insuline und Applikationswege - das wird die Diabetes-Therapie noch mehr erleichtern

Von Uwe Groenewold Veröffentlicht:

Die Forschung der vergangenen Jahre für eine bessere Versorgung von Diabetikern hat zu vielen Insulinpräparaten geführt. Die Entwicklung ist aber längst nicht abgeschlossen, wie Experten beim Diabetes-Kongress in Hamburg versichert haben. Weiterhin werden Geräte, neue Applikationsformen und Insuline erprobt.

Die Entwicklungszeit für Pens verkürzt sich immer mehr

Allen voran geht die Neuentwicklung von Pens. "Die Zahl der Injektionshilfen auf dem Mark wird in Zukunft exponentiell steigen, der Zeitraum von einer Innovation zur nächsten immer kürzer", ist dabei die Prognose von Professor Manfred Dreyer aus Hamburg. Grund für die wachsende Beliebtheit der "medikamentenbeladenen Füllfederhalter" sind die vielfältigen Vorteile der Geräte: Pens, so Dreyer, seien immer "ready to use". Sie erleichtern die Applikation, erhöhen die Dosiergenauigkeit und werden von Patienten stärker akzeptiert als eine Spritze. Das Design der Pens werde stetig anspruchsvoller, sie lassen sich immer leichter bedienen. "Derzeit beträgt die Entwicklung einer neuen Gerätegeneration 12 bis 14 Monate. In fünf Jahren wird diese Spanne sich auf wenige Wochen beschränken", so Dreyer.

"Wir sollten die bewährte Pumpentherapie besser nutzen"

Wann es die erste vollständig implantierbare Insulinpumpe gibt - als "Closed-Loop-System" bezeichnet -, kann Professor Stephan Matthai vom Diabeteszentrum Quakenbrück noch nicht abschätzen. Doch auch auf diesem Gebiet gibt es eine rasche Entwicklung. Mit dem Paradigm® REAL-Time System ist erstmals eine externe Insulinpumpe auf dem Markt, die kontinuierlich den Glukosespiegel misst und den Patienten damit die Möglichkeit zur rechtzeitigen Intervention bei unerwünschten glykämischen Schwankungen gibt. Weitere Systeme - wie Glukosesensoren, die ins Unterhautfettgewebe eingepflanzt werden - werden derzeit noch entwickelt. "Doch wir sollten nicht nur auf neue Techniken warten, sondern die bewährte Pumpentherapie in Zukunft besser nutzen." Lediglich zehn Prozent der Typ-1- Diabetiker in Deutschland seien mit einer Insulinpumpe versorgt; in benachbarten Staaten, etwa in den Niederlanden, sei diese Quote doppelt so hoch, so Matthai. Dabei biete die Pumpe viele Vorteile im Vergleich zu einer intensivierten Insulintherapie: geringerer Insulinverbrauch, höhere Therapiesicherheit (normoglykämische Einstellung, Vermeidung von Hypoglykämien), signifikant bessere HbA1c-Werte und eine bessere Lebensqualität.

Auch die Entwicklung neuer Insulin-Analoga befindet sich nach Angaben von Dr. Klaus Rave vom Institut für Stoffwechselforschung in Neuss "eher am Anfang als am Ende". Analoga erleichtern seit mehr als zehn Jahren das Leben insulinpflichtiger Diabetiker. Lästige Spritz-Ess-Abstände können ignoriert werden, und die Gefahr von Unterzuckerungen - vor allem nächtliche Hypoglykämien, die von den Patienten meist nicht wahrgenommen werden - ist deutlich reduziert. "Dennoch", so Rave, "gibt es Optimierungsmöglichkeiten. Eine physiologische Insulinsekretion ist, etwa beim Essen, mit den Analoga noch nicht erreicht."

Auch die Frage, wie das Insulin ins Blut gelangt, beschäftigt Forscher weltweit. Verfügbar ist seit einigen Monaten bekanntlich inhalatives Insulin. Ein Unternehmen aus Kanada erprobe derzeit die Insulinaufnahme über die Mundschleimhaut, berichtete Professor Lutz Heinemann aus Neuss. Andere Unternehmen befassen sich mit der Möglichkeit, den Wirkstoff mit einem Spray über die Nase in den Körper zu transportieren. Den Ergebnissen einer Phase-I-Studie zufolge komme es zu einer raschen Blutzuckersenkung mit einem Maximalwert nach 40 Minuten. Die niedrige Bioverfügbarkeit von unter fünf Prozent sei jedoch ein limitierender Faktor, der die Kosten der nasalen Therapie in die Höhe treibe, so Heinemann.

Haut ist für Insulin eine nur schwer überwindbare Barriere

Eine niedrige Bioverfügbarkeit belastet auch Versuche, Insulin transdermal zu applizieren. Heinemann: "Die Haut bildet einen effektiven Schutzschild, der nur schwer überwindbar ist." Ein australisches Unternehmen habe ein insulinhaltiges Gel zum Auftragen auf die Haut entwickelt, das den Blutzuckerspiegel ohne unerwünschte Wirkungen senken soll. Auch hier laufen erste Studien; bis zu einem marktreifen Medikament dürften, wenn es überhaupt möglich ist, noch viele Jahre vergehen, vermutet Heinemann. Ähnliches gelte für eine orale Verabreichung von Insulin. Dies würde zwar die Therapie extrem erleichtern und die Compliance erhöhen. Doch die Frage, wie das Insulin die Magen- und Darmpassage überstehen könne, sei noch ungeklärt, so Heinemann.



STICHWORT

Closed-Loop-System

Als "Closed-Loop-System" wird ein künstliches Pankreas bezeichnet, bei dem die Insulinpumpe automatisch anhand der Blutzuckerwerte das Insulin freisetzt - wodurch ein geschlossenes System (closed loop) geschaffen wird. Entwicklungen, bei denen sich Insulinpumpe und Glukosesensor außerhalb des Körpers befinden, haben den Nachteil, dass Insulinresorption und Glukosemessung nur zeitlich verzögert erfolgen. (eb)

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